Die wichtigsten Erkenntnisse aus Kontrons Auftritt auf der MWB High-Tech Konferenz
Liebe Mitinvestoren,
Clemens Billek hat auf der jüngsten MWB High-Tech Engineering Konferenz eine souveräne Präsentation abgeliefert. Die meisten Informationen waren für uns erfahrene Kontron-Beobachter bekannt, aber ein paar Interessante Details will ich hier hervorheben.
Für potenzielle neue Investoren dürfte die Präsentation eine Herausforderung gewesen sein dürfte. Meiner Meinung nach wurde in der kurzen Zeit von 30 Minuten zu viel Fokus auf "Number Crunching" und die Erörterung der jüngsten Vergangenheit gelegt. Die komplexen Sondereffekte – vom Verkauf des IT-Service-Geschäfts über die Katek-Akquisition bis hin zum jüngsten Congatec-Deal und dessen Auswirkungen auf den Cashflow – sind für Neulinge schwer zu durchdringen. Diese Themen sollte man eher in den Earnings-Calls genauer erörtern und weniger in einem Round-Table Meeting das sich eher auch an neue Investoren richtet und auf 30 Minuten beschränkt ist. Ich hätte mir eine stärkere Konzentration auf aktuelle Themen und die zukünftige Strategie gewünscht: Also wo will Kontron in den nächsten Jahren hin und wie sollen diese Ziele konkret erreicht werden? Aufgrund der knappen Zeit blieben leider am Ende nur drei Minuten für die Fragen aus dem Publikum. Viele Fragen konnten nicht im Call beantwortet werden und werden im Nachgang beantwortet.
Dennoch gab es gerade zum Congatec-Deal und in den beantworteten Fragen interessante Details.
Der Congatec-Deal: Ein strategischer Win-Win-Schachzug
Der Verkauf des Computer-on-Modules (COM) Geschäfts an Congatec ist mehr als nur eine Portfolio-Bereinigung; es ist ein strategischer Schachzug, von dem beide Unternehmen profitieren:
Für Congatec: Durch die Übernahme und die Zusammenführung mit dem eigenen Geschäft, das historisch ohnehin verbunden ist und sich den Hauptsitz in Deggendorf teilt, steigt Congatec zum Weltmarktführer im COM-Markt auf. Das Unternehmen kann erhebliche Synergieeffekte realisieren.
Für Kontron: Kontron erhält nicht nur einen einmaligen EBITDA-Gewinn von 48 Millionen Euro aus der Transaktion und erwartet einen signifikanten Cash-Zufluss von rund 126 Millionen Euro bis September 2026, sondern wandelt die Geschäftsbeziehung in eine hochmargige Partnerschaft um. So wird Kontron weiterhin eng mit Congatec zusammenarbeiten, um deren Produkte mit dem eigenen Betriebssystem KontronOS und der KontronGrid-Software aufzurüsten. Dies ermöglicht es Kontron, seine Software mit hohen Sicherheitsstandards in den riesigen Vertriebskanal von Congatec mit rund 2 Millionen Modulen pro Jahr einzubringen, sodass dann KontronOS auf alle COM-Module installiert wird. Der finanzielle Vorteil zeigt sich in der Prognose von Kontron: Während die Umstellung kurzfristig zu leichten Umsatzeinbußen führt, wird die Zusammenarbeit bereits 2026 das EBITDA um 4 Millionen Euro steigern. Bis 2027 rechnet Kontron mit 10 Millionen Euro an zusätzlichem Umsatz und 12 Millionen Euro an zusätzlichem EBITDA im Vergleich zum Status vor dem Verkauf. Kontron tauscht also margenschwächeres Hardware-Geschäft gegen hochprofitables, Software-Geschäft, indem man zukünftig an die Lizenzumsätzen von Kontron OS verdienen wird.
Starke Cashflow-Entwicklung: Der operative Cashflow hat sich im ersten Halbjahr 2025 stark entwickelt und ist ins Positive gedreht. Für die ersten sechs Monate belief er sich auf +16,3 Millionen Euro. Dies stellt eine deutliche Umkehr gegenüber dem Vorjahreszeitraum dar, in dem noch ein negativer Cashflow von -16,8 Millionen Euro verzeichnet wurde. Diese positive wurde Entwicklung erreicht, obwohl das Factoring weiter reduziert wurde. Bereinigt um diesen Effekt wäre der operative Cashflow sogar um weitere 15 Millionen Euro höher ausgefallen. Für das zweite Halbjahr wurde darauf hingewiesen, dass die Nettoverschuldung bereits zum Jahresende wieder deutlich sinken wird. Dies impliziert eine positive Cashflow-Entwicklung, die sich außerdem aus dem erwarteten Mittelzufluss aus dem Verkauf des Jumptec-Geschäfts (der "Congatec-Deal") speisen wird.
Design-Win Pipeline: Die hohe "Design Win Pipeline" drückt das erhebliche zukünftige Geschäftspotenzial von Kontron aus. Ein "Design Win" bedeutet, dass Kontron eine Ausschreibung gewonnen hat. Es handelt sich dabei um Projekte, bei denen sich ein Kunde für eine spezifische Komponente oder Lösung von Kontron entschieden hat, um diese in sein eigenes Produkt zu integrieren. Allerdings sind zu diesem Zeitpunkt noch keine rechtlich bindenden Verträge abgeschlossen. Die Pipeline ist ein Maß für zukünftige Umsatzchancen. Die Tatsache, dass sie massiv von 2,4 Milliarden in 2020 auf aktuell 7,7 Milliarden Euro angestiegen ist, signalisiert eine sehr starke Nachfrage und ein enormes Wachstumspotenzial in den kommenden Jahren. Dieses Wachstum wird insbesondere durch neue Technologien wie das Betriebssystem KontronOS angetrieben.
Ein weiteres Thema war das Zollthema. Hier wiederholte Kontron die Aussage, dass man so gut wie nicht von den Zöllen in den USA betroffen ist, da das Unternehmen über lokale Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsstätten in Alabama und San Diego an der Westküste verfügt.
Wichtige Einblicke aus der Q&A-Runde
Obwohl nur 2-3 Fragen beantwortet werden konnten, liefert die kurze Q&A-Runde spannende Informationen:
Wann und wie soll die EBITDA-Marge im Konzern auf 20% gesteigert werden?:
Antwort: Wir werden relativ bald, wahrscheinlich innerhalb der nächsten zwei Jahre, eine Marge von rund 20 % im Segment Softwarelösungen haben. Und da das Segment Softwarelösungen das gesamte Geschäft antreibt, wird es innerhalb der nächsten zwei Jahre mehr als 50 % der Umsatzbasis ausmachen. Dies treibt auch die Gesamtmarge nach oben. Es wird wahrscheinlich bis 2030 dauern, bis wir 20 % für die gesamte Gruppe erreichen, aber die Tendenz ist sehr klar und wird von den Softwarelösungen und den Softwareeinnahmen angetrieben, die in den nächsten zwei Jahren anlaufen werden
Zur Monetarisierung von KontronOS: Wir haben derzeit bereits rund 4 Millionen Lizenzen auf dem Markt, aber wir verlangen dafür keine Gebühren. Derzeit verteilen wir unsere Lizenzen mit dem Ziel, 30 Millionen Geräte mit darauf implementiertem Kontron OS zu erreichen. Wir werden nach zwei Jahren beginnen, Gebühren für die Sicherheitspatches und für Software-Updates zu erheben.
Zusammensetzung des Auftragsbestands: Die wachstumsstarken Bereiche Bahntechnik und Verteidigung machen zusammen bereits 40 % des Auftragsbestands von 2,3 Milliarden Euro aus (somit also rund 900 Mio. €). Der Software-Anteil im Backlog ist noch gering, da dieser Bereich noch nicht auf festen Großaufträgen basiert, was das enorme zukünftige Potenzial unterstreicht, (da die Software Thematik noch gar nicht im Auftragsbestand abgebildet ist).
Fazit: Die Präsentation hat gezeigt, dass die Transformation von Kontron zu einem reinen IoT-Unternehmen mit Fokus auf Software und hochmargige Lösungen konsequent voranschreitet. Der Congatec-Deal ist ein gutes Beispiel für diese intelligente Strategie und wird einen nicht unerheblichen Anteil beisteuern. Während die Komplexität der vielen Moving parts für neue Investoren eine Hürde sein kann, ist die strategische Ausrichtung vielversprechend.
Gruß,
Johannes
(Dies ist keine Anlageempfehlung, Ich bin Kontron Aktionär und es bestehen Interesssenskonflikte)
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