Knapp 200 Geldinstitute in Deutschland zahlen keine Zinsen mehr auf Tagesgeldkonten. Brauchen sie auch nicht: Die Kunden bleiben trotzdem. Obwohl pro Jahr mindestens 67,60 Euro verloren gehen.
Artikel von heute 23.7.14
Auszüge:
Die Verantwortlichen der Sparkasse Gera-Greiz schauen offenbar selbst nur selten auf ihre Internetseite. Dort können Kunden zum Tagesgeldangebot immer noch lesen: "Parken Sie Ihr Guthaben – mit attraktiven Zinsen und täglicher Verfügbarkeit." Ein Klick auf das Feld "Konditionen" zeigt die angeblich so attraktiven Zinsen: 0,0 Prozent
Die Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten macht nicht nur in Thüringen Zinsen zur Rarität. Mittlerweile gibt es 198 Institute in Deutschland, die keine Zinsen mehr auf Tagesgeld zahlen.
"Der Zinsverlust hat sich von 34,20 Euro im Vorjahr fast verdoppelt, weil die Einlagenzinsen stark gesunken sind, vor allem die Baudarlehen aber kaum noch nachgaben", sagte Allianz-Ökonom Arne Holzhausen. Nach Zahlen des ersten Quartals dürfte der Pro-Kopf-Verlust 2014 sogar auf 71,60 Euro ansteigen.
Kunden machen keinen Unterschied, ob ihre Bank 0,5 Prozent, 0,3 Prozent oder 0,0 Prozent auf Tagesgeld zahlt", sagt Bankenexperte Markus Berg.
Sparer sind offenbar zufrieden, wenn der einst auf das Konto überwiesene Betrag auch in einigen Monaten oder Jahren noch da ist. Anders lassen sich die trotz Minizinsen unverändert steigenden Volumina nicht erklären.
Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die in ländlichen Regionen sitzen, profitieren von der Trägheit der Kunden besonders. Was an den lieb gewonnenen Ansprechpartnern vor Ort genauso liegt wie an den mangelnden Alternativen.
So sammeln sie Liquidität ohne Zins ein und verleihen das Geld mit Zins an Häuslebauer und Konsumenten. Dies funktioniert weiterhin, wie sich auch in den Geschäftszahlen zeigt. "Die Erträge pro Kunde liegen bei Volksbanken und Sparkassen rund 50 Prozent über jenen bei privaten Instituten".
Die Anreize werden allerdings anders gesetzt, wie die Auswertung der aktuellen Tagesgeldangebote zeigt. Viele Institute zahlen erst ab 5000 Euro Zinsen – was für viele Kunden mehr als zwei Monatsgehälter sein dürften. Zu diesen Banken gehört beispielsweise die IKB Direkt, die aktuell mit 0,7 Prozent pro Jahr am Markt ist. Wer lediglich 4999 Euro bringt, bekommt allerdings 0,0 Prozent.
Letztlich liegt es an jedem einzelnen Sparer, ob er das Spiel mitmacht. Mit dem richtigen Tagesgeldkonto lässt sich immerhin mehr verdienen, als durch die Inflation verloren geht. Selbst wenn es nur der Notgroschen ist, müssen Kunden keinen realen Vermögensverlust hinnehmen.
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http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/...hr-Vermoegen-schrumpft.html