Was sind eigentlich shorts?
@ Fuzzi
Möglicherweise wird der Kurs bis kurz vor den Geschäftszahlen weiter runter pendeln. Ich sehe derzeit keinen konkreten Grund, in die Aktie einzusteigen. Andere, so befürchte ich, wohl auch nicht.
Es gibt auf dem Markt offenbar interessantere Investments als Intel. Intel wäre sicherlich eine gute Sache, wenn jetzt bei Bodenbildung Infos über Conroe und Co rausgekommen wären. Mit der Bekanntgabe bei stark fallenden Kursen zur Cebit ist diese gute Nachricht allerdings schon verpufft bzw. wie ihr sagt, eingepreist.
Gestern abend habe ich ein bissel im Focus Money gelesen. Dort sah ich einen Bericht über Wacker, ein Hersteller von Wafern, also dem Grundmaterial für CPUs. In einem Nebensatz erwähnt Focus Money, dass bereits 2007 mit sinkenden "Chip-Zahlen" zu rechnen ist (was sich natürlich auch auf den Absatz der Wafer auswirkt). Nun, ob da etwas dran ist, kann ich nicht beurteilen. 2006 gibt es allerdings keine Gründe, warum der Prozessormarkt nun plötzlich anziehen sollte. Schließlich ist einer der Hoffnungsträger, Vista, auf 2007 verschoben worden. Und ob dieser Termin gehalten wird, vage ich bei allen Querelen und Problemen um dieses Produkt zu bezweifeln.
Intel hat sicherlich interessante Fundamentaldaten (soweit ich das beurteilen kann). Und auch die Chart lässt hoffen. Aber schaut man sich den amerikanischen und den deutschen Markt an, insbesondere die Hauptwerte, so glaube ich, dass sich Intel nur in wenigen Gesichtspunkten wirklich abhebt. Jedenfalls ist ein KGV von etwa 14 zur Zeit wohl keine Besonderheit. Der derzeitige Tiefstkurs schon.
Ich möchte einmal ein paar Argumente contra Intel aufzeigen (da hier generell eine Pro-Stimmung herrscht), Argumente, die also gegen ein Anziehen der Aktie 2006 sprechen könnten. Im Kern geht es darum, zu hinterfragen, ob Intel für 2006 bessere Geschäftszahlen liefern wird.
1) Bei einem Preiskampft IST davon auszugehen, dass der Umsatz sinkt. Jedenfalls verringert sich die Gewinnmarge, so dass um einen gleichen Umsatz zu erhalten, mehr Prozessoren abgesetzt werden müssten. Bei sich nicht stark vergrößerndem Prozessormarkt kann der Absatz grundsätzlich nur gesteigert werden, indem Geschäftsanteile des Konkurrenten übernommen werden. Hiergegen wird sich AMD mit allem was es hat zur Wehr setzen, was den Preiskampf freilich verschärft.
Einziger Trumpf bei Intel: Erhöhung der Margen durhc Senkung der Herstellungskosten im 65 nm Verfahren. Ob bzw. wie sich dies letztlich auf den Gewinn auswirkt, kann ich nicht sagen. Dem mit der Umstellung auf 65 nm verbundenen Gewinn steht auch immer die vorherige Investition in eine neue Fab Technik gegenüber. D.h., um seinen Fortschritt weiter auszubauen, muss Intel in diesem Jahr in den 45 nm Proesses investieren, zusätzliche Kosten, die allerdings auch AMD entstehen, die auf 65 nm umstellen. Insofern könnte sich der Trumpf zugunsten Intel auswirken.
2) Intel attackiert hauptsächlich durch Preissenkungen im Billigsegment, also bei Celeron und alten P4 Produkten. Leider hat es AMD mittlerweile geschafft, seinen Sempron so zu platzieren, dass Privatkunden (mich eingeschlossen) eher zu diesem Produkt greifen, als zu einem wesentlich langsameren, aber energielastigeren Celeron. Um den "interessierten" Verbraucher (nicht nur den Mediamarktgänger) zu überzeugen, müssten die Preise schon drastig gesenkt werden.
3) Aber auch im High-End Bereich wird Intel von AMD attackiert. Zu erwähnen sind hier nur der FX 60, der mit dem kürzlich vorgestellten P4 EE 965 konkurriert, und die X2, die der 900er Serie von Intel den Markt abnehmen. Im Mobil Bereich steht der Turion X2 dem Core Solo bzw. Core Duo gegenüber. Beide Hersteller, also Intel und AMD, haben jeweils spezifische technische Vor- und Nachteile. Allerdings hat Intel auch im High-End Bereich den "schlechteren Ruf", nämlich, stromfressende Prozessoren herzustellen.
4) Intel verliert möglicherweise auch Geschäftsanteile im Hauptplatinenbereich. So stellen NVidia, Via und Sis eigene Chipsätze für Intel Prozessoren her, die mit Intels eigenen Chipsätzen jedenfalls bisher über den Preis konkurrieren konnten. Nun hat Intel vor, 10 Millionen Chipsätze der 865er Serie für einen Appel und ein Ei auf den Markt zu werfen, um der Konkurrenz im BilligSegment entgegen zu treten. Vermutlich werden die Gewinnmargen also auch hier fallen.
5) Blackbox
Bisher hat man recht viel über neue Entwicklungen bei Conroe und Co gelesen. Aber einen unabhängigen Prozessortest auf einer unabhängigen, nicht von Intel gestellen Plattform, habe ich bisher noch nicht gesehen. Wir müssens also einfach glauben..... dass ist aber mit Risiken verbunden. Schließlich wäre es nicht das erste mal, dass ein Hersteller das Blaue vom Himmel verspricht.
Hinzu kommt, dass man wenig über neue Entwicklungen bei AMD gehört hat. Gut, demnächst kommt ein neuer Sockel AM2 heraus, der DDR2 - 800 unterstützen soll. Kein wirklicher Leistungsfortschritt, wie wohl jeder weiß. Aber: Offenbar hat AMD vor, die TDP seiner neuen Prozessoren zu senken. Damit würden die AMD Prozessoren wieder zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten für Conroe und Co. Denn keiner kann genau vorhersagen, welche zusätzliche Leistung sich noch aus der A 64 Architketur, sagen wir mit verdoppeltem L2 Cache von 4 MB herausziehen ließe (Conroe hat, wenn ich mich recht errinnere, bereits 4 MB).
6) Selbst wenn Conroe Ende des Jahres auf den Markt kommt, so wird Intel dem Bericht von TheInquirer zufolge (s.o.) zunächst maximal 20 % seiner Prozessoren mit der neuen Architektur fertigen. D.h., 80 % (900er Serie) stehen noch immer in direkter Konkurrenz zu den auch dann noch besseren AMD 64 X2.
7) Den Servermarkt, wo eigentlich das meiste Geld zu holen ist, kann ich persönlich gar nicht überblicken. Ich höre nur immer wieder von neuen Opterons, aber wenig von Intel Servern Prozessoren. Auch Woodcrest kommt m.E. zu spät.
8) AMD lässt nun bei Charted auftragsfertigen. Damit könnte ein wesentliches Problem von AMD, nämlich die zu geringen Stückzahlen, etwas abgemildert worden sein.
9) Mit der Erhöhung der Produktion wird AMD auch in zunehmendem Maße interessant für PC Builder wie Dell, die generell hohe Stückzahlen brauchen.
10) Letztlich spricht noch gegen die Aktie, was gegen jede Aktie zur Zeit sprechen könnte, nämlich dass der Hausse auch mal eine Baisse folgen könnte. Da wir bei Intel wohlmöglich auf längere Zeit halten müssten, um Kursgewinne einzufahren (denn Conroe und Co werden die Geschäftszahlen vermutlich erst im 4. Quartal aufbessern, wenn überhaupt), steigt bei einem Intel Investment natürlich dass allgemeine Risiko mit.
So, nun bin ich am Ende :-)
Gruss,
ed