01.05.2002 10:11
WDHLG-VORSCHAU-ILA 2002 soll Signale der Zuversicht aussenden
- von Gernot Heller - Berlin, 01. Mai (Reuters) - Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA 2002, die am kommenden Montag in Berlin beginnt, soll ein Zeichen der Zuversicht für die Branche setzen. Gut ein halbes Jahr nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA, die weltweit Luftverkehr und Flugzeugbauer lähmten, soll die ILA vor allem eines zeigen: der Schock ist überwunden. Als ein Zeichen dafür kann nach Darstellung des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) die Zahl von weit über 1000 Ausstellern aus aller Welt auf der diesjährigen ILA gelten - vor zwei Jahren waren es 941. Zudem freuen sich die ILA-Organisatoren, dass die deutsche Politik deutlicher denn je ihr Bekenntnis zur Branche formuliert. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) selbst wird in diesem Jahr die Internationalen Luftfahrtschau eröffnen. NOCH SIND DIE PROGNOSEN VON UNSICHERHEIT GEPRÄGT Von der ILA werde ein "sehr ermutigendes Signal" für die Branche ausgehen, sagte BDLI-Präsidialgeschäftsführer Hans Eberhard Birke jüngst voraus. Doch so eindeutig ist das alles noch nicht. Das machte gerade erst Birkes Chef im Verband, der Co-Vorsitzende des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS , Rainer Hertrich klar. An eine Prognose für 2003 will er sich derzeit noch nicht heranwagen, das Jahr 2002 hat er schon als Minusjahr verbucht. Unsicherer denn je seien die kurzfristigen Aussichten der Flugzeugbauer, die sich in Berlin treffen - nicht zuletzt wegen politischer Risiken, etwa der Lage im Nahen Osten. Erst mittel- und langfristig gesehen sähen die Wachstumsperspektiven der Branche rosig aus. Die Signale, die von der ILA ausgehen, werden vermutlich mehr psychologischer Art sein. Von spektakulären Geschäften, die vom 6. bis zum 12. Mai in Berlin-Schönefeld vereinbart werden sollen, ist jedenfalls kaum die Rede. Die Liste der prominenten Aussteller-Namen aus aller Welt ist lang - hat allerdings für die Organisatoren auch einige schmerzhafte weiße Flecken. EADS NUTZT ILA ALS FORUM - BOEING FEHLT Alles in den Schatten stellen will Hertrichs EADS mit ihrer Präsenz auf der ILA. Der europäische Branchenriese umfaßt in seinem Eigentümerkreis Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien - er stellt fast die Hälfte des Umsatzvolumens der deutschen Branche. Auch die EADS-Mehrheitsbeteiligung Airbus will sich nicht verstecken, ebenso wie der US-Konzern Lockheed Martin , der kanadische Flugzeugbauer Bombardier Aerospace , die russischen Produzenten des MiG-Jagdflugzeuges und die vielen anderen Aussteller. Doch der weltweit Größte, der US-Konzern Boeing , fehlt, hält die Präsenz bei der ILA - einer der drei großen Branchemessen in Europa - offenbar für verzichtbar. Und bei einem großen Namen der deutschen Luftfahrt, Fairchild Dornier, hat der Insolvenzverwalter einen Auftritt auf der Schau unterbunden. ILA BIETET ERFAHRUNGSAUSTAUSCH BEI ÜBER 60 KONFERENZEN Mehr denn je wird die ILA ein Forum zum Erfahrungsaustausch für Fachleute, in besonderem Maße 2002 aber auch Politiker sein. Schon unmittelbar vor dem Start befassen sich prominente Politiker, Experten und Wirtschaftsführer bei einem Workshop unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit globaler Sicherheit und dem Kampf gegen den Terrorismus - Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) und Innenminister Otto Schily (SPD) sind dabei. Daneben beschäftigen sich auf rund 60 Fachkonferenzen Experten mit allen erdenklichen Fragestellungen der Luftfahrt. Das breite Publikum kann ab Donnerstag die 330 Flugzeuge, Hubschrauber und andere Fluggeräte auf dem ILA-Gelände des Flughafens Berlin-Schönefeld bestaunen. Rund 200.000 könnten es wieder werden. Auch sie werden die Folgen des 11. Septembers spüren: die Sicherheitsvorkehrungen sind erheblich strenger. hel/bus