etwa antiautoritäre Erziehung?
Mann ooooohhhh Mann!
Grüezi
Summerhill und die antiautoritäre Erziehung
von Joachim Trettin
Im Zuge ihrer politischen Betätigung suchten 1967 die Genossinnen des SDS, die Kinder hatten, eine Alternative, um ungestörter politisch arbeiten zu können. Da die kirchlichen Kindergärten weder politisch noch kulturell die gewünschten Werte vermittelten und speziell pädagogisch unzumutbar waren, wurden in Berlin die ersten Kinderläden in Selbstinitiative gegründet. Damit war die Kinderladenbewegung geboren, die sich über die gesamte BRD ausbreitete.
Es dauerte nicht lange, da wurde ein Buch der Leitfaden dieser Bewegung. Es war Alexander Neills "Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung -das Beispiel Summerhill."
Dieses Buch erschien in deutscher Übersetzung 1969 im Dezember im Rowohlt Verlag in einer Auflage von 30.000 Exemplaren. Die 2. Auflage erschien bereits im Januar 1970 mit weiteren 30 Tausend. Die Auflagen spiegeln das Interesse in der Bevölkerung wieder, die dieser "neuen Pädagogik" entgegen gebracht wurde. Im Eigentlichen war diese Pädagogik nicht neu. Summerhill wurde 1921 in Dresden, Deutschland gegründet. Allen Kritikern zum Trotz, die dieser Schule ihren Untergang prophezeiten, lebt Summerhill nach wie vor, auch wenn in der heutigen Zeit von der freiheitlichen Entwicklung des Lebens kaum noch öffentlich die Rede ist. Neills Internatsschule ist auch heute noch nach über 75 Jahren beispielhaft und führend in der Welt. Das liberale England gab dieser Pädagogik ein Zuhause, die bisher kein weiteres Beispiel dieser Größenordnung in der Welt fand. In Neills Mittelpunkt seiner Anschauung steht die Achtung vor dem Kind, sowie die ungeheuchelte und praktische Liebe zu ihm und zu seiner persönlichen Entwicklung.
"Die Lebenskräfte regeln sich natürlicherweise selbst, ohne Zwangspflicht und Zwangsmoral. Beide sind Anzeichen für antisoziale Regungen ", schreibt Wilhelm Reich Anfang der 40ger Jahre.
Neill war ein lebenslanger Freund von Wilhelm Reich, den er in seinem norwegischen Exil in den 30er Jahren kennenlernte.
Während Reich die Lebensunterdrückung der Erwachsenen therapierte, die durch repressive Erziehung als Immobilität und Haß gegen das Lebendige entstanden war, versuchte Neill die repressive Erziehung durch ein lebensnahes reales Erziehungskonzept das auf Freiheit basiert, zu ersetzen.
Reich wie Neill glaubten an die Vernunft des Lebendigen als integraler Bestandteil der unverbogenen Natur und waren der Meinung, daß man diese Natur nicht erziehen könnte, sondern ihr natürliches Wachstum nur vor Verbiegung schützen müßte, eben durch das Abstellen schädlicher und falscher Erziehungs und Schulexesse.
Reich erkannte in der Unterdrückung des Lebendigen, besonders in der Sexualität die Wurzel der Lebens - und Kulturfeindlichkeit: "Der lebens- und sexualverneinend erzogene Mensch erwirbt eine Lustangst, die physiologisch in chronischen Muskelspannungen verankert ist. Die neurotische Lustangst ist die Grundlage der Reproduktion der lebensverneinenden, Diktatur begründeten Weltanschauungen durch den Menschen selbst. Sie ist Kern der Angst vor selbständiger, freiheitlicher Lebensführung. Das wird die Kraftquelle jeder Art politischer Reaktion, der Herrschaft von Einzelpersonen oder Gruppen über die Mehrheit der arbeitenden Menschen".....
"Die charakterliche Struktur des heutigen Menschen, der eine sechstausend Jahre alte patriachalisch-autoritäre Kultur fortpflanzt, ist durch charakterliche Panzerung gegen die innere Natur und gegen die äußere gesellschaftliche Misere gekennzeichnet. Sie ist die Grundlage von Vereinsamung, Hilfsbedürftigkeit, Autoritätssucht, Angst vor Verantwortung, mystischer Sehnsucht, sexuellem Elend, neurotisch-hilfloser Rebellion, ebenso wie krankhaft-widernatürlicher Duldsamkeit" (Wilhelm Reich- Die Entdeckung des Orgons/ Funktion des Orgasmus, New York 1940)
Neill wußte aus Erfahrung, daß Kinder niemals vollständige Menschen werden, wenn man ihnen Lernstoff aufzwingt und so ihre Rationalität der Arbeit gegenüber frustriert. Im Gegensatz zu Reich, des Vertreters der sexuellen Revolution, war Neill eher Befürworter einer pädagogischen Evolution- ein lebenslanger Gegensatz der beiden Freunde. Während aus Reichs Arbeit alle Körpertherapien und die Orgonomie entstanden, wurde die Summerhillschule das weltweit führende Experiment zum Erlernen repressionsfreier Pädagogik- bis heute !
Bedauerlicherweise blieb das Experiment weitgehend auf Summerhill beschränkt. Die Kinderladen- bewegung in der BRD verbürgerte immer mehr und wurde in nachfolgenden Elterngenerationen, die alle 3 Jahre wechselten, theorielos und rein pragmatisch.
1976 schlossen viele Kinderläden, weil die Liberalisierung in kirchlichen Institutionen eine Unterbringung der Kinder dort kostenunaufwendiger machte. So verabschiedete sich die Kinderladenbewegung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das lachende Auge war die erfolgreiche Verankerung neuer Kulturmaßstäbe für Erziehung, das weinende - das Scheitern ihrer allgemeinen Durchsetzung.
Auch aus den Reihen der deutschen Reich-Nachfolger gab es kaum Interesse, daß entsprechende "know how" aus der Orgonomie an Pädagogen, in Verbindung mit der Verpflichtung zum Aufbau eines sozialen Projektes, zum Nulltarif weiterzugeben. Orgonomie blieb auf Privatpraxen beschränkt- ein fataler Fehler und ein Kennzeichen für mangelndes sozialen Bewußtseins. Private Orgonomie wurde zur Ideologie eines sozial-unfreundlichen Gesundheitsbegriffes, die sich selbst konservativ lobt, sich jedoch von Reichs Sozialwissenschaften weit entfernt hat und die man nicht anders als bourgeois bezeichnen kann.
Schon vor Jahren wurde es uns bewußt, daß es eine Institution in Deutschland geben sollte, die es sich zur Aufgabe macht, eine soziale Institution auf der Basis des Reich´schen Sozialbegriffes und der Neill`schen Auffassung ins Leben zu rufen- nur fehlte uns damals die Möglichkeit zu einer weitgehend zentralen Informationsgebung. Die ist heute durch das Internet gegeben.
Das Projekt des Orgoninstituts Nümbrecht/ Köln "die SexPol" hat es sich zur Aufgabe gemachte solche Prozesse zu fördern. Wir möchten unser Interesse hier ausdrücklich unterstreichen. Zur Zeit ist ein Projekt zur energetischen Gesunderhaltung innerhalb des Schul- Sportunterrichts in Vorbereitung.
Die Resultate des aufgezwungenen Lernens erleben wir heute in der Unfähigkeit des Menschen sein Leben rational zu gestalten und die von ihm selbst mitorganisierte entfremdete Arbeit abzuschütteln und durch Kreativität zu ersetzen.