Infineon - der Alptraum
Von der Wahrscheinlichkeit zur Gewissheit ist es oft nur ein kurzer Zeitraum. Bei Infineon [ WKN:
623100 ] hat es knapp vier Wochen gedauert. Ende Mai hatte Ulrich Schumacher, Chef des Halbleiterherstellers, einen Verlust im dritten Quartal angekündigt, damals aber sehr vage. Ab Mittwoch steht fest: Die Siemens-Tochter wird in den Monaten April bis Juni hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Infineon rechnet mit einem Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorquartal um bis zu 30 Prozent. Im zweiten Quartal betrugen die Erlöse bei den Münchnern noch 1,65 Milliarden Euro. Noch viel katastrophaler zeigt sich das Ergebnis: Der Konzern geht von einem Verlust vor Steuern und Zinsen von bis zu 600 Millionen Euro aus. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hat Infineon beim EBIT noch ein Plus von 366 Millionen Euro erwirtschaftet.
Infineon begründet die schwachen Zahlen mit der weiter verschlechterten Situation des Halbleiternmarkts. Der Konzern beklagt einen Preisverfall und einmalige Abschreibungen auf Lagerbestände.
Ausblick in Moll
Für die weitere Entwicklung der Branche ist Infineon pessimistisch: "Der Mobilfunkmarkt bleibt auch weiter schwer vorhersehbar. Derzeit zeichnet sich keine Wiederbelebung der Nachfrage nach Mobiltelefonen ab." Da wichtige Kunden Aufträge verschoben beziehungsweise storniert hätten, würden im laufenden Quartal die Lagerbestände von Infineon und die Umsatzzahlen sinken.
Die Preise für Speicherbausteine seien weiter stark gefallen. "Die Nachfrage, besonders im PC-Markt, war schwächer als erwartet und hat höhere Lagerbestände zur Folge."
In den Bereichen Sicherheits- und Chipkarten-ICs sowie drahtgebundene Kommunikation würden derzeit ebenfalls Aufträge storniert. Wegen der sinkenden Nachfrage stünden die Preise unter starkem Druck.
Notprogramm eingeleitet
Um die Situation wieder in den Griff zu bekommen, hat Infineon Maßnahmen eingeleitet. "Das Unternehmen hat bereits die Investitionen für das laufende Geschäftsjahr von 2,8 auf 2,3 Milliarden Euro zurückgenommen. Für das kommende Geschäftsjahr wird Infineon ursprünglich geplante Investitionen um mehr als eine Milliarde Euro kürzen." Zudem werden keine neuen Stellen besetzt und durch Fluktuation freiwerdende Positionen nicht wieder.
Die Aktie von Infineon bricht nach der Umsatz- und Gewinnwarnung völlig ein. Bis 09.17 Uhr verliert das Wertpapier fast zwölf Prozent und fällt auf 30,82 Euro.
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[20.06.2001 09:40]