Vertrauen verspielt: Betriebsrat gegen Mursch als Investor für mb
Hameln (tw). Klares Wort vom mb-Betriebsrat: Während die Verhandlungen um die Zukunft der angeschlagenen Software-Schmiede in die heiße Phase gehen, lassen die Mitarbeiter-Sprecher keinen Zweifel daran, welchem Investor sie den Vorzug geben: Alpha-Unison. Ex-Vorstandschef Bernhard Mursch, der (wie berichtet) gleichfalls ein Angebot abgegeben hat, „genießt nicht mehr das Vertrauen der überwiegenden Mehrheit der Mannschaft“.
Das sagt Betriebsrats-Chef Björn Vogt (30) und ergänzt: „Die Bad Homburger wollen die Masse der Arbeitsplätze erhalten, das Unternehmen nicht ausschlachten.“ Eben das hatte zwar auch Mursch über seinen Anwalt Roman v. Alvensleben erklären lassen – aber der Betriebsrat traut dem Braten nicht. Was aus seiner Sicht gleichfalls gegen Mursch spricht: „Der Ex-Vorstandschef hatte schon (Monate) vor seiner Verhaftung kaum noch Kontakt zum operativen Geschäft“, betont Betriebsratsmitglied Claudia Lutterbeck (31). Alpha-Unison dagegen sei voll im Thema, kenne jedes mb-Produkt und sei im gleichen Markt tätig. Sollte mb als Ganzes keinen Investor finden, präferiert der Betriebsrat – Priorität zwei – ein Mitarbeiter-Beteiligungs- oder Management-Buy-Out-Modell. „Einzelne Beschäftigte, darunter auch ich, sind bereit, einen erheblichen Teil ihres Privatvermögens in das Unternehmen einzubringen“, sagt Rainer Strauß (47). Der Betriebsrat und Bauingenieur ist bereits seit 14 Jahren bei mb. Eines und beileibe nicht das einzige Zeichen für das Engagement der Beschäftigten; 75 sind es derzeit noch im Hamelner Stammhaus, 30 weitere bei DICAD (Köln). „Für mich ist es ein Wunder, dass das Unternehmen unter der Last der jüngsten Ereignisse nicht schon längst zusammengebrochen ist“, unterstreicht Hamelns IG-Metall-Chef Peter Kurbjuweit. Doch die Belegschaft stehe zur Firma und zum Produkt. Die Beschäftigten selbst seien es, die den Laden am Laufen hielten. „Anders als damals bei ,GE Power Controls’ gibt es kaum Krankmeldungen.“ Auch die Kunden halten offenbar zur Stange. „Seit Beginn des Insolvenzverfahrens“, so Voigt, „haben nur fünf Prozent Wartungsverträge für mb-Produkte gekündigt“. Die gleiche Menge aber sei neu abgeschlossen worden. Damit widerspricht der Betriebsratsvorsitzende Aussagen von Alpha-Unison-Chef Jörg-Peter Schultheis, denen zufolge Einnahmen aus Wartungsverträgen dramatisch zurückgingen. Zur Erinnerung: Der fünfköpfige mb-Betriebsrat hatte sich (erst) am 27. September gegründet; die Wahlbeteiligung lag bei 80 Prozent. Die erste große Sitzung, an der auch die Kölner DICAD-Kollegen teilnahmen, fand laut Kurbjuweit auf Initiative von Insolvenzverwalter Helge Wachsmuth statt.
© Dewezet, 08.11.2001