mb-Poker: Mursch gegen Alpha-Unison
Hameln (tw). Vier Stunden haben Gläubiger und Investor-Kandidat „Alpha-Unison“ an der Hermannstraße um die Zukunft von mb gerungen. Trotz Annäherung sieht sich die Bad Homburger Marketing-Agentur mit neuen Rechtsproblemen konfrontiert. Gestern hat auch die von Bernhard Mursch vertretene „EuroSoft“-Investorengruppe ein Übernahme-Angebot abgegeben.
„Ein Investor konnte bislang nicht gefunden werden, da dem derzeitigen Management und Aufsichtsrat gravierende Fehler unterlaufen sind“, behauptet Mursch-Anwalt Roman v. Alvensleben (Wohlfahrt, Effe & Koll.) Fehler etwa beim Verkauf von Unternehmens-Beteiligungen. Außerdem seien Verträge „unprofessionell“ gestaltet worden, so dass Urheberrechte unbeachtet geblieben seien. Klartext: „Die Rechte an diversen Programmen“, so v. Alvensleben, „liegen nicht mehr ausschließlich bei der mb Software AG“. Die Anwälte machen sich zum Sprecher der (Klein-)Aktionäre, wollen Ansprüche „gegen die Verantwortlichen“ geltend machen. Nichtsdestotrotz drängt Mursch darauf, dass eine Übernahme-Entscheidung bis Mitte November getroffen wird. Zweiter Investoren-Kandidat: die Alpha-Unison-Gruppe, mit der Insolvenzverwalter Helge Wachsmuth derzeit „sehr konkrete Gespräche“ führt; zu Mursch gebe es dagegen momentan keinen Kontakt. Sie wollte (wie berichtet) 2,8 bis drei Millionen Mark für das mb-Kerngeschäft zahlen. Doch besagte drei Millionen Mark sind ein Preis, den Geschäftsführer Jörg-Peter Schultheis nun weiter nach unten korrigiert. „Schon jetzt müssten wir dreieinhalb Millionen Mark in mb investieren, damit der Betrieb weiter laufen kann“, schätzt Schultheis. Eine Summe, die sich – durch sinkende Einnahmen aus Wartungsverträgen – alle 14 Tage um eine weitere Million erhöhe. „Für uns ist es daher entscheidend, dass die mb Produkte frei von Rechten Dritter sind“, sagt der Alpha-Unison-Chef. „Das ist aber offenbar nicht der Fall.“ Der Bad Homburger will sich absichern: Heute erhalten die Alpha-Unison-Anwälte die mb Unterlagen per Kurier zwecks Prüfung zugestellt; die Marketing-Agentur will sich – im Falle des Zuschlags – nicht mit Schadensersatz-Prozessen konfrontiert sehen. Morgen soll erneut verhandelt werden. „Vielleicht“, spekuliert Schultheis, „werden wir uns einig“. Denn die Frankfurter ACS-Fachmesse hat bereits heute begonnen...
© Dewezet, 07.11.2001