Wie lange hält der Schwung am Aktienmarkt an?
20. Aug. 2002
Experten warnen vor Übertreibungen bei den Bauaktien
Dem Dax ist es am Montag gelungen, begünstigt durch eine ebenfalls gute Vorstellung der Wall Street, die jüngsten Kursgewinne weiter auszubauen. Der noch immer deutliche Abstand von der 200-Tage-Linie lasse weitere Aufschläge zu, heißt es. Allerdings spreche die schwierige fundamentale Ausgangslage gleichzeitig gegen einen langanhaltenden Aufschwung. Bei den Aktien der Bauunternehmen, die zuletzt stark von der Hoffnung auf Aufträge im Zuge der Flutkatastrophe profitieren, warnen Experten vor Kursübertreibungen nach oben. Nicht alle Vorschußlorbeeren seien hier gerechtfertigt, so das Urteil.
Anleihen auf Richtungssuche
Die Kursgewinne am US-Rentenmarkt am Vortag deuten an, dass die herbsten Gewinnmitnahmen zunächst ausgestanden sein könnten. Nun werde der Markt vermutlich durchatmen und auszuloten versuchen, wohin die weitere Kursreise geht. Da zunächst keine wichtigen Konjunkturdaten mehr anstünden, werde die Richtungssuche vermutlich einige Zeit lang anhalten, heißt es.
Euro gut behauptet
Der Euro zeigt sich am Dienstagmorgen gegenüber dem Dollar gut behauptet, liegt aber auf deutlich tieferem Niveau als vor dem Wochenende. Gegen 7.25 Uhr werden 0,9767 Dollar gezahlt, nach 0,9755 Dollar im späten Geschäft am Montag in New York. Zum Yen notiert der Dollar bei 119,22 Yen nach zuletzt 118,57 Yen. Beim Yen wirke noch die Androhung der Ratingagentur Standard & Poor´s nach, das Kreditrating Japans eventuell erneut nach unten zu revidieren. Beim Verhältnis Euro-Dollar sagen Händler eine Seitwärtsbewegung voraus, nachdem die Notierungen am unteren Ende ihrer zuletzt gültigen Handelsspanne angelangt seien.
Börse Japan freundlich
Freundlich zeigen sich die japanischen Aktienkurse am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in Tokio. Gegen 7.25 Uhr steigt der Nikkei-225-Index um 0,5 Prozent auf 9.651 Yen. Der Topix-Index legt um 0,3 Prozent auf 947 Zähler zu. Marktteilnehmer erwarten, dass der Nikkei seine moderaten Gewinne bis zum Handelsschluss behaupten kann, sehen ihn aber auf Grund von fehlenden inländischen Nachrichten innerhalb einer Spanne von 9.600 bis 9.800 Yen verharren. Auf der Gewinnerseite stehen vor allem Technologietitel und Exportwerte, die von der Erholung an Wall Street am Vortag profitieren.
Aktien Hongkong zeigen sich am Mittag fest
Fest tendieren die Aktienkurse am Dienstagmittag (Ortszeit) in Hongkong. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte notiert der Hang-Seng-Index (HSI) mit einem Plus von 1,5 Prozent bei 10.396 Punkten. Grund für die Kursgewinne sind laut Händlern die guten Vorgaben von der Wall Street. An der Spitze der Gewinnerliste stehen TVB, deren Kurs nach einer Reihe von positiven Unternehmensnachrichten um 9,1 Prozent anzieht. Hutchison gewinnen 4,3 Prozent im Zuge von Gelegenheitskäufen im Vorfeld des Zwischenberichts am Donnerstag. Der HSI könnte kurzfristig die 200-Tagesline bei 11.000 Punkten testen, so ein Marktstratege, der bei 10.500 einen ersten Widerstand ausmacht.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach US-Börsenschluss
Der Nasdaq 100 After Hours Indicator zeigte sich am Montag mit einem Minus von 0,21 Prozent auf 1.023,84 Punkten. Die Aktien der GameStop Corp zeigten sich mit Aufschlägen, nachdem das Unternehmen mit dem Zweitquartalsergebnis die Erwartungen der Wall-Street-Analysten übertreffen konnte. Auf Island.com wurden die Papiere des Videospielehändlers mit 21,25 Dollar gehandelt, nachdem sie die reguläre Session bei 19,95 Dollar beendet hatten. ImClone, die sich am Montag zunächst um elf Prozent auf 8,26 Dollar ermäßigten, zeigten sich im nachbörslichen Handel fast wieder unverändert zum Vortag. Der Wert war unter Druck geraten, nachdem der US-Kongress für den Insiderhandel-Gerichtsprozess des früheren ImClone-CEO Samuel Waksal dessen Reise- und Telefonaufwendungen sowie Bankauszüge angefordert hatte. Agilent brachen dagegen nach einem schwachen Ergebnis ein.
US-Börsen schließen fester
Positive Nachrichten von mehreren US-Einzelhandelsunternehmen sowie das Interesse der Anleger an Telekommunikations- und Chipwerten haben an den US-Börsen zum Wochenauftakt zu deutlichen Kursgewinnen geführt.
Der Dow-Jones-Index legte zum Schluss um 2,42 Prozent auf 8990,79 Punkte zu, die Technologiebörse Nasdaq um 2,47 Prozent auf 1394,68 Zähler. Der S&P-500-Index stieg um 2,37 Prozent auf 950,74 Punkte.
Die Investoren konzentrierten sich außerdem auf einige positive Nachrichten aus dem Einzelhandelsbereich, sagten Händler. Die Aktien der US-Spielzeug-Handelskette Toys R Us reagierten mit einem Kurssprung von zeitweise mehr als elf Prozent auf die vorgelegten Quartalszahlen des Unternehmens und notierten zum Börsenschluss noch rund 8,4 Prozent fester bei 13,90 Dollar. Der Konzern hatte mitgeteilt, den Verlust im abgelaufenen Quartal bei gestiegenem Umsatz stärker als erwartet verringert zu haben. Die Bilanz sei von den Anlegern mit Spannung erwartet worden, da sie sich davon Hinweise auf das Verhalten der Verbraucher erhofft hätten, sagten Händler.
Die Aktien der weltweit zweitgrößten Baumarktkette Lowe's kletterten um rund 11,4 Prozent auf 41,00 Dollar. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, der Gewinn im zweiten Quartal sei um 42 Prozent gestiegen. Die Titel des Konkurrenten Home Depot legten unteressen rund 3,3 Prozent auf 29,03 Dollar zu. Der S&P-Einzelhandelsindex stieg um 2,78 Prozent.
Die eher negativen Nachrichten des weltgrößten Einzelhandelskonzerns Wal-Mart Stores seien vom Markt weitgehend ignoriert worden, sagten Börsianer. Das Unternehmen hatte unter anderem mitgeteilt, die Sommerhitze habe die Umsätze zu Beginn des neuen Schuljahres im August beeinträchtigt. Wal-Mart-Aktien stiegen um rund 1,7 Prozent auf 54,69 Dollar.
Das Interesse der Anleger an Telekommunikationswerten wie Qwest habe zu den Gewinnen an der Nasdaq beigetragen, sagten Händler. Die Aktien des Unternehmens legten um rund 16 Prozent auf 2,24 Dollar zu. Qwest hatte in der Vorwoche mitgeteilt, das Unternehmen erwäge, Ausgaben im Volumen von rund einer Milliarde Dollar bei unrentablen Tochterunternehmen und Produktlinien einzusparen.
Auch eher schwache US-Konjunkturdaten konnten dem Optimismus der Börsianer am Montag kaum etwas anhaben. Das US-Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board hatte mitgeteilt, der Index der Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität in den USA sei im Juli so stark wie seit September 2001 nicht mehr gesunken. Der Index, der die konjunkturelle Entwicklung in den USA in den kommenden Monaten im Voraus anzeigt, fiel um 0,4 Prozent zum Vormonat auf 111,7 Zähler. Damit fiel der Rückgang exakt so stark aus wie von Analysten im Schnitt erwartet.
US-Anleihen schließen bei dünnen Umsätzen etwas fester
Die Kurse der US-Treasuries haben sich am Montag den Angaben von Marktteilnehmern zufolge nach einem “langweiligen Handel bei dünnen Umsätzen“ etwas fester präsentiert. Die zehnjährigen Titel mit einer Zinsausstattung von 4,375 Prozent gewannen 9/32 auf 100-23/32. Die Rendite fiel von 4,319 auf 4,284 Prozent. Der mit 5,375 Prozent verzinste Longbond stieg um 17/32 auf 104-26/32 und rentierte mit 5,050 Prozent, nach 5,086 Prozent am Freitag.
Händler begründeten die Aufschläge vor allen mit dem um 16 Uhr MESZ veröffentlichten Index der Frühindikatoren für die Entwicklung der US-Wirtschaft. Der Index ist im Juli um 0,4 Prozent auf 111,7 gefallen. Volkswirte hatten zwar im Durchschnitt mit einem etwas stärkeren Rückgang um 0,5 Prozent gerechnet. Kenneth Goldstein vom Conference Board verwies aber darauf, dass die erneut negative Entwicklung der Frühindikatoren die Besorgnis hinsichtlich der Erholung der US-Konjunktur nähre. Kritische Punkte seien vor allem die hohe Volatilität an den Finanzmärkten, die Bilanzierungsskandale und die wieder einknickende Verbraucherstimmung.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
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Text: @cri