Fonds: Kühner Blick in die Zukunft


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Fonds: Kühner Blick in die Zukunft

 
19.03.02 07:34
ftd.de, Di, 19.3.2002, 7:00  
Fonds: Kühner Blick in die Zukunft
Von Peter Härtling

Das Angebot ist verlockend: Spezialisierte Agenturen beurteilen Investmentfonds anhand vorgegebener Kriterien und vergeben Noten, die einen unübersichtlichen Markt transparent machen sollen. Doch wie aussagekräftig sind die Bewertungen?

Die beiden ausschlaggebenden Einflussgrößen beim Fondskauf sind bislang Sicherheit und Performance. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Credit Suisse Asset Management bei 530 Besitzern von Fondsanteilen. Awards hingegen landeten als Entscheidungsfaktor abgeschlagen nur auf Rang 19 von insgesamt 26. Doch ein Blick über den großen Teich verdeutlicht, wohin die Reise geht. Seit geraumer Zeit verkaufen sich in den USA die Fonds gut, die bei Ratings überdurchschnittlich erfolgreich abschneiden.

In dieses Bild passt, dass die Zahl der Ratingagenturen in Deutschland kontinuierlich wächst. Neben Standard & Poor’s (S&P), Feri Trust und Moodys Investor Service hat mit Morningstar eine weitere renommierte amerikanische Agentur jüngst ihre Infrastruktur komplett aufgebaut. Hinzu kommen kleinere Anbieter wie Lipper-Reuters, Südprojekt, Fitch und RCP & Partners.

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Problematische Hitlisten


Vor allem Privatinvestoren, die nicht von unabhängigen Finanzexperten beraten werden, vertrauen beim Fondskauf gerne auf die beliebten "Hitlisten". Doch diese meist kurzfristigen Rankings (Englisch: rank = reihen, ordnen) resultieren aus einer rein quantitativen Betrachtung der Performance- und Volatilitäts-Kennziffern innerhalb definierter Vergangenheitszeiträume. Daher kommt eine gute Platzierung beim Ranking nicht automatisch einem Gütesiegel gleich. Zumal es sich um Momentaufnahmen handelt und ein Ranking nicht unbedingt eine Aussage über die Risikoklasse des Fonds trifft. Daher: Wer nur nach dem Ranking geht und sein Geld auf einen Fonds konzentriert, riskiert, viel Geld zu verlieren.


Das Rating (Englisch: rate = einschätzen, beurteilen) hat daher zum Ziel, auch Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu ermöglichen. Allerdings endet hier die Gemeinsamkeit der Rating-Agenturen. Denn jede Agentur bevorzugt andere Bewertungsmaßstäbe und Analyseverfahren. Während etwa Feri Trust und S&P quantitative und qualitative Faktoren eines Fonds berücksichtigen, legt Morningstar dem Ratingergebnis ausschließlich die Kontinuität der risikoadjustierten Performance über drei, fünf und zehn Jahre zu Grunde.



Unterschiedliche Analyserichtlinien


Rating ist also nicht gleich Rating. Daher kann ein Fonds durchaus verschieden abschneiden. Der Informationsgehalt einer Bewertung hängt somit von den Analyserichtlinien der Agenturen ab. Doch welche Investoren kennen die schon näher. Es besteht demnach neuer Aufklärungsbedarf, wenn die Sterne, Punkte und Noten nicht für neue Verwirrung sorgen sollen.


S&P beispielsweise unterzieht nur die Fonds einer qualitativen Analyse, die beim quantitativen Ranking zu den jeweils zehn besten Fonds innerhalb einer Anlagekategorie (Peergroup) gehören. Ähnlich wie bei Feri Trust werden die Qualität des Fondsmanagements, die Investmentphilosophie, die internen Entscheidungsabläufe und die Zusammensetzung des Portfolios geprüft. Weitere Kriterien sind: Hält sich das Management an die festgelegte Anlagepolitik? Wie erklärt es Perioden guter oder schlechter Performance? Welche Risikokontrollen gibt es? Wie hoch sind das Fondsvolumen und die Kosten? Die Ergebnisse dieser qualitativen Analyse machen bei S&P 60 Prozent der Gesamtbeurteilung aus, die quantitativen Kennziffern 40 Prozent. Abschließend werden Rating-Noten vergeben. Sie reichen bei S&P von AAA (erfolgreicher Fonds mit exzellentem Management) bis A (gut).


Vor allem Anleger, die eine langfristig gute, aber auch sichere Anlagestrategie verfolgen, können sich am S&P-Rating orientieren. Denn es schneiden die Fonds besser ab, die neben einem guten Management auch eine kontinuierlich steigende Outperformance und eine im Vergleich zur Peergroup geringere Schwankungsbreite aufweisen.



Rating für kurzfristige Anlage


Performance, Risiko und Management gehören zu den Ratingindikatoren von Feri Trust. Mit 70 Prozent dabei besonders stark gewichtet - der Performance-Indikator. In diesen Wert fließt auch die Outperformance gegenüber dem Index mit ein. Ein häufigerer Favoritenwechsel und die Begünstigung relativ aggressiv gemanagter Fonds sind die Folge. Das Feri-Trust-Rating eignet sich daher eher für tradingorientierte Anleger, die auf kurzfristige Spitzenrenditen aus sind. Top-Fonds erhalten das A. Von den rund 940 in Deutschland vertriebenen Fonds erhielten das Spitzenprädikat 8,3 Prozent, ein B, die zweitbeste Bewertung, 22,9 Prozent.


Feri Trust nimmt nur Fonds unter die Lupe, die mindestens fünf Jahre am Markt sind. Bei Morningstar sind es drei Jahre. Und bei S&P genügt es, wenn der Fonds zwei Jahre alt ist. Dabei können sich vor allem die "jungen" Fonds als Eintagsfliegen und Kapitalvernichtungsmaschinen entpuppen. Denn um überhaupt Umsatz zu bekommen, gehen Fondsmanager oft überproportional hohe Risiken ein, wie folgendes Beispiel zeigt: Der von Geld-Guru Bodo Schäfer empfohlene DAC UI Fonds wies in der Zeit vom 1. Mai 1997 bis zum 29. Februar 2000 einen Wertzuwachs von über 861 Prozent auf. Anleger, die diese atemberaubende Entwicklung im März 2000 zum Anlass nahmen, um zu investieren, mussten das teuer bezahlen. Bis Ende Januar 2002 lag der Wertverlust bei rund 77 Prozent, was natürlich niemand vorhersehen konnte.


"In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse stellen keine Garantie für die Zukunft dar", ist auf jedem Fonds-Factsheet zu lesen - zu Recht. Schließlich ändern sich Markt und Investmentwelt ständig. Trends der Vergangenheit müssen nicht für die Zukunft gelten. Daran ändert auch das beste Rating nichts. Denn ein Blick in die Zukunft ist immer mit Risiken behaftet. Das mussten auch Ratingspezialisten schmerzhaft erfahren: Für den auf US-Aktien spezialisierten Fondsamerika der ADIG etwa vergab S&P Anfang 2001 vier Sterne, die zweitbeste Bewertung. Seitdem verlor der Fonds 25,2 Prozent, der Dow Jones jedoch nur 1,3 Prozent. Auch Feri Trust hatte den Fonds mit der Bestnote A bedacht.


Die Erfahrung zeigt zwar: Eine gewisse Aussagekraft haben Ratings durchaus. Rund 70 Prozent der gerateten Fonds erzielten in den Folgejahren überdurchschnittliche Ergebnisse in ihrer jeweiligen Anlagekategorie. Doch Rating-Noten allein sollten nicht als Kaufkriterium herhalten. Wer als Anleger ruhig schlafen will, sollte Fondsgesellschaften bevorzugen, die seit mindestens zwanzig Jahren erfolgreich am Markt sind und deren Fonds über zehn Jahre besser sind als die der Mitbewerber. Auch die jeweiligen Vergleichsindizes sollten geschlagen werden.


Peter Härtling ist geschäftsführender Gesellschafter des Fondsmakler-Pools monad.



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Transparenz

Die Agentur Feri Trust hat ihr Rating in Form eines "offenen Systems" entwickelt, das es ermöglicht, die Gesamtbewertung eines Fonds in deren einzelne Bestandteile zu zerlegen. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass die von der Agentur angebotenen Informationen für die jeweiligen Nutzer - Privatanleger, Anlageberater, institutionelle Investoren - von unterschiedlichem Wert sind. Je spezieller die Informationsbedürfnisse zum Beispiel eines Anlageberaters oder Dachfondsmanagers sind, desto tiefer kann die jeweilige Rating-Struktur eines Fonds eingesehen werden.

© 2002 Financial Times Deutschland , © Illustration:  FTD

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