Eher als ?????????
Aus der "Weltzeitung" 22.06.001
Gerüchte um Fondsverkäufe durch Bernd Förtsch beherrschten zuletzt das Geschehen am Neuen Markt. Mit dem Fondsberater sprachen Matthias Iken und Holger Zschäpitz.
DIE WELT: In Zeiten des Neuen-Markt-Booms waren Sie ein Star, nun sind Sie für einige der Buhmann. Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?
Bernd Förtsch: Vielleicht bin ich nach dem Abgang von Kurt Ochner und Elisabeth Weisenhorn einer der letzten bekannten Fondsberater am Neuen Markt. Ich habe mich aber nie als Star gefühlt - denn ich bin ein bodenständiger Mensch.
DIE WELT: Gerüchten zufolge sollen einige Ihrer Fonds Aktien von Neue-Markt-Werten verkaufen, sogar von Auflösung war die Rede. Was ist dran an diesen Gerüchten?
Förtsch: Absolut nichts. Keiner der von unserem Hause beratenen Fonds ist von der Schließung bedroht. Das scheint auch der Markt so zu sehen - nach der Erschütterung am Mittwoch legten viele der gefallenen Werte gestern wieder zu. Wir haben die Kursturbulenzen dazu genutzt, günstig in Aktien einzusteigen.
DIE WELT:: Woher kommen dann aber die Gerüchte?
Förtsch: Wir haben Informationen, dass Bankenkreise gezielt falsche Behauptungen streuen. Die etablierten Institute mögen anscheinend keine Konkurrenz durch Unabhängige. Das sieht man teilweise im Vertrieb und nun möglicherweise auch in diesen Gerüchten. Händler sollen sogar mit Short-Positionen auf fallende Kurse gesetzt haben. Wir jedenfalls haben keine Stücke verkauft.
DIE WELT: Kurt Ochner wurde für seinen Managementstil erst hochgelobt, dann schließlich entlassen. Einige Kritiker sehen in Ihnen einen zweiten Kurt Ochner . . .
Förtsch: Das ist Unsinn. Denn unsere Fonds setzen neben dem Neuen Markt seit Jahren auch sehr stark auf große US-Technologiewerte. Wir sind also auch in anderen Märkten zu Hause, während Kurt Ochner immer in deutsche Small Caps investiert hat.
DIE WELT: Aber marktenge Werte haben Sie auch im Depot, zum Beispiel OAR.
Förtsch: Das streiten wir nicht ab. Aber der Begriff markteng hängt stark vom Börsenumfeld ab - in Zeiten wie diesen, sind die Umsätze schlecht. Aber entscheidend bleibt, wann man verkaufen will. Überhaupt sind weniger als zehn Prozent im DAC-Kontrast UI marktenge Werte.
DIE WELT: Sie sind nicht nur Fondsberater, sondern auch Chefredakteur des "Aktionärs" und Betreiber diverser Hotlines. Sehen Sie hier eine Interessenskollision?
Förtsch: Nein, ich sehe keine Interessenkonflikte. Wir halten uns strikt an das Wertpapierhandelsgesetz. Im Haus haben wir ein Handelsverbot für Neue-Markt-Werte verhängt, in unseren Arbeitsverträgen gibt es Insiderhandelsverbote.
DIE WELT: Der Neue Markt löst immer mehr negative Schlagzeilen aus. Woran krankt das Segment? Und wie kann man die Krise lösen?
Förtsch: Wir brauchen strengere Regularien und Zulassungskriterien. Unternehmen müssen für irreführende Ad-hoc-Nachrichten strenger bestraft werden. Auch die Regeln zu Insiderverkäufen sind halbherzig. Aber das wird für einen Kursanstieg nicht reichen. Die Nasdaq muss sich nachhaltig erholen, denn der Neue Markt hängt an der Nasdaq wie der Junkie an der Spritze.