Die deutsche Wirtschaft ist nach Ansicht des früheren Bundesbankchefs Karl-Otto Pöhl in einem ähnlich kritischen Zustand wie die japanische vor Beginn ihrer zehnjährigen Dauerkrise. Besonders besorgt ist Pöhl über den Zustand des deutschen Bankensystems.
Karl-Otto Pöhl: Düstere Prognosen, finstere Vergleiche
Frankfurt am Main - Er hoffe zwar, dass Deutschland nicht wie Japan vor einer Dekade der Stagnation stehe, wird der frühere Notenbanker vom Wirtschaftsdienst Bloomberg zitiert. "Das ist das letzte, was wir brauchen". Die Ähnlichkeiten zwischen der deutschen Wirtschaft heute und der japanischen Anfang der neunziger Jahre seien aber so augenfällig wie vielfältig.
So hätten in Deutschland gehandelte Aktien im Vergleich zu anderen überproportional an Wert verloren - der Dax etwa gab allein in diesem Jahr rund 36 Prozent nach, weit mehr als Indizes in Amerika, Japan oder anderen Staaten Europas. Drastische Verluste erlitt auch die Börse in Tokio Anfang der neunziger Jahre, als die so genannte "Immobilienblase" platzte. Von den Folgen dieses Crashs hat sich die größte Volkswirtschaft Asiens noch immer nicht erholt.
Unter anderem auf Grund der Schwäche der Kapitalmärkte würden die deutschen Banken nur noch zögerlich Geld verleihen, so Pöhl weiter. "Man bekommt keine Kredite, weil sich die Banken die Finger zu stark verbrannt haben". In Japan leiden die Banken seit langem unter einer immensen Last "fauler" Kredite. Vielen Firmen fehlt daher die Möglichkeit, Expansion mit geliehenem Geld zu finanzieren.
Zudem gelinge es der Europäischen Zentralbank EZB nicht, mit zinspolitischen Maßnahmen die Konjunktur in Deutschland zu beleben, sagte Pöhl: "Wenn die EZB die Zinsen senkt, hat es keine Wirkung". Japan rutschte auf Grund deflationärer Tendenzen immer wieder in die Rezession, obwohl die Notenbank ihre Zinsen zeitweise auf Null senkte. Die EZB hatte ihren Leitzins erst am Donnerstag von 3,25 auf 2,75 Prozent ermäßigt. Pöhl kritisierte, dieser Zinsschritt komme spät: "Die EZB hätte früher die Zinsen senken können", wird er zitiert. "Sie ist manchmal ein bisschen ängstlich".
Pöhl zufolge gibt es weitere Ähnlichkeiten: Wie in Japan nehme die Überalterung der deutschen Bevölkerung zu. Zugleich habe es die Politik in beiden Ländern versäumt, den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme zu reformieren.
Pöhl war elf Jahre lang Chef der Bundesbank. Er legte sein Amt 1991 anlässlich der Einführung der D-Mark in Ostdeutschland nieder, weil er den von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) durchgesetzten Wechselkurs für die Ostmark für falsch hielt.
Karl-Otto Pöhl: Düstere Prognosen, finstere Vergleiche
Frankfurt am Main - Er hoffe zwar, dass Deutschland nicht wie Japan vor einer Dekade der Stagnation stehe, wird der frühere Notenbanker vom Wirtschaftsdienst Bloomberg zitiert. "Das ist das letzte, was wir brauchen". Die Ähnlichkeiten zwischen der deutschen Wirtschaft heute und der japanischen Anfang der neunziger Jahre seien aber so augenfällig wie vielfältig.
So hätten in Deutschland gehandelte Aktien im Vergleich zu anderen überproportional an Wert verloren - der Dax etwa gab allein in diesem Jahr rund 36 Prozent nach, weit mehr als Indizes in Amerika, Japan oder anderen Staaten Europas. Drastische Verluste erlitt auch die Börse in Tokio Anfang der neunziger Jahre, als die so genannte "Immobilienblase" platzte. Von den Folgen dieses Crashs hat sich die größte Volkswirtschaft Asiens noch immer nicht erholt.
Unter anderem auf Grund der Schwäche der Kapitalmärkte würden die deutschen Banken nur noch zögerlich Geld verleihen, so Pöhl weiter. "Man bekommt keine Kredite, weil sich die Banken die Finger zu stark verbrannt haben". In Japan leiden die Banken seit langem unter einer immensen Last "fauler" Kredite. Vielen Firmen fehlt daher die Möglichkeit, Expansion mit geliehenem Geld zu finanzieren.
Zudem gelinge es der Europäischen Zentralbank EZB nicht, mit zinspolitischen Maßnahmen die Konjunktur in Deutschland zu beleben, sagte Pöhl: "Wenn die EZB die Zinsen senkt, hat es keine Wirkung". Japan rutschte auf Grund deflationärer Tendenzen immer wieder in die Rezession, obwohl die Notenbank ihre Zinsen zeitweise auf Null senkte. Die EZB hatte ihren Leitzins erst am Donnerstag von 3,25 auf 2,75 Prozent ermäßigt. Pöhl kritisierte, dieser Zinsschritt komme spät: "Die EZB hätte früher die Zinsen senken können", wird er zitiert. "Sie ist manchmal ein bisschen ängstlich".
Pöhl zufolge gibt es weitere Ähnlichkeiten: Wie in Japan nehme die Überalterung der deutschen Bevölkerung zu. Zugleich habe es die Politik in beiden Ländern versäumt, den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme zu reformieren.
Pöhl war elf Jahre lang Chef der Bundesbank. Er legte sein Amt 1991 anlässlich der Einführung der D-Mark in Ostdeutschland nieder, weil er den von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) durchgesetzten Wechselkurs für die Ostmark für falsch hielt.
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