Ex-Bundesbankchef Pöhl fürchtet japanische Malaise

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Slater:

Ex-Bundesbankchef Pöhl fürchtet japanische Malaise

2
06.12.02 12:43
Die deutsche Wirtschaft ist nach Ansicht des früheren Bundesbankchefs Karl-Otto Pöhl in einem ähnlich kritischen Zustand wie die japanische vor Beginn ihrer zehnjährigen Dauerkrise. Besonders besorgt ist Pöhl über den Zustand des deutschen Bankensystems.


Karl-Otto Pöhl: Düstere Prognosen, finstere Vergleiche


Frankfurt am Main - Er hoffe zwar, dass Deutschland nicht wie Japan vor einer Dekade der Stagnation stehe, wird der frühere Notenbanker vom Wirtschaftsdienst Bloomberg zitiert. "Das ist das letzte, was wir brauchen". Die Ähnlichkeiten zwischen der deutschen Wirtschaft heute und der japanischen Anfang der neunziger Jahre seien aber so augenfällig wie vielfältig.
So hätten in Deutschland gehandelte Aktien im Vergleich zu anderen überproportional an Wert verloren - der Dax etwa gab allein in diesem Jahr rund 36 Prozent nach, weit mehr als Indizes in Amerika, Japan oder anderen Staaten Europas. Drastische Verluste erlitt auch die Börse in Tokio Anfang der neunziger Jahre, als die so genannte "Immobilienblase" platzte. Von den Folgen dieses Crashs hat sich die größte Volkswirtschaft Asiens noch immer nicht erholt.

Unter anderem auf Grund der Schwäche der Kapitalmärkte würden die deutschen Banken nur noch zögerlich Geld verleihen, so Pöhl weiter. "Man bekommt keine Kredite, weil sich die Banken die Finger zu stark verbrannt haben". In Japan leiden die Banken seit langem unter einer immensen Last "fauler" Kredite. Vielen Firmen fehlt daher die Möglichkeit, Expansion mit geliehenem Geld zu finanzieren.

Zudem gelinge es der Europäischen Zentralbank EZB nicht, mit zinspolitischen Maßnahmen die Konjunktur in Deutschland zu beleben, sagte Pöhl: "Wenn die EZB die Zinsen senkt, hat es keine Wirkung". Japan rutschte auf Grund deflationärer Tendenzen immer wieder in die Rezession, obwohl die Notenbank ihre Zinsen zeitweise auf Null senkte. Die EZB hatte ihren Leitzins erst am Donnerstag von 3,25 auf 2,75 Prozent ermäßigt. Pöhl kritisierte, dieser Zinsschritt komme spät: "Die EZB hätte früher die Zinsen senken können", wird er zitiert. "Sie ist manchmal ein bisschen ängstlich".

Pöhl zufolge gibt es weitere Ähnlichkeiten: Wie in Japan nehme die Überalterung der deutschen Bevölkerung zu. Zugleich habe es die Politik in beiden Ländern versäumt, den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme zu reformieren.

Pöhl war elf Jahre lang Chef der Bundesbank. Er legte sein Amt 1991 anlässlich der Einführung der D-Mark in Ostdeutschland nieder, weil er den von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) durchgesetzten Wechselkurs für die Ostmark für falsch hielt.




Antworten
Slater:

wenn das alles

 
06.12.02 15:02
so interessant und informativ ist, warum liest das keiner?
Antworten
altmeister:

ich lese es! o. T.

 
06.12.02 15:04
Antworten
Slater:

Du gehörst ja auch

 
06.12.02 15:05
zur schrecklich netten Familie. Und danke für das Sternchen
Antworten
AlanG.:

Kann den guten alten Karl-Otto

 
06.12.02 15:08
sehr gut verstehen. Etwas ähnliches hatten wir hier am board schon mal diskutiert (Niedergang der deutschen Banken, -  thread hiess anders).

Ausserdem hätten wir (bzw. H. Kohl) 1990 auf Karl Otto gehört,  wären uns viele Probleme erspart geblieben.

Fazit: Mann mit Format (SPD- Mitglied)
Antworten
altmeister:

"dieses " sternchen hab

 
06.12.02 15:09
ich dir nicht gegeben!
Antworten
Slater:

noch einen Gedanken zu obigem Bericht

 
06.12.02 15:10
Greenspan senkte seit Januar 2001 die Zinsen wie seit 40 Jahren nicht mehr. Auch die EZB ist inzwischen bei 2,75 % angekommen. Also kein Pulver mehr in der Kannone. So und wo sind die erhofften Wirkungen?
Vielleicht verhinderte es ein Katastrophe, mag sein. Was nun Herr Greenspan?

Irgendwie hat der Pöhl doch recht. Die Japaner haben seit über 10 Jahren es nicht geschafft, den Kahn wieder flott zu kriegen, trotz Nullzinspolitik.

Sollte man in USA und in Europa nicht mal mit wirklichen Strukturreformen durchsetzen?
Antworten
mod:

Slater, Artikel

 
06.12.02 15:15
schon heute morgen gelesen. *g*

Japan hat vor allem Struturprobleme, die
nicht ohne weiteres auf Deutschland
übertragbar sind.

Aber bei der tollen WiPo unserer Regierung
könnten wir hier bald jap. Verhältnisse kriegen.
Viele Grüsse
m.
Antworten
altmeister:

da hatte

 
06.12.02 15:17
stox dude gestern einen lichten moment und sprach mit meinen worten zu euch*g*




ganz einfach   Stox Dude  05.12.02 15:22  
US Zinsen bei 1,25%
Japan 0%

Europa 3,25% - jetzt 2,75%

Ein starker Euro schadet der Wirtschaft, Inflation unter Kontrolle, Aengste der
Deflation -Zins runter- , billige Kredite, treasury bills down, Equity Market looks
more interesting, usw usw usw.


PS:und bitte kommt mir nicht mit dem Japan Beispiel, das 0% nichts geholfen hat.
 That would be lame, denn Japan hatte zu spaet das Problem der Deflation erkannt
 und zu spaet den Zins gesenkt. Haetten die Japaner den Zins frueher gesenkt und
 andere Gesetze bzgl. Non performing loans, wuerde das Land nicht in so einer Krise
 stecken.

PPS: USA wies daraufhin, das rechtzeitig das Deflationsproblem bekaempft wuerde, i.e.
   0% Zinsen, man haette aus den Japan Fehlern gelernt.

Stox Dude

Antworten
SchwarzerLor.:

Versagen von SPD/Grüne

 
06.12.02 17:09
Dieser Satz (s.o.) sollte alle, aber auch wirklich ALLE SPD-Fans zum Nachdenken bewegen:

"Zugleich habe es die Politik in beiden Ländern versäumt, den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme zu reformieren."

Schuld ist wahrlich nach Müntefering, Scholz und Stiegler die Opposition. Die macht ja nur miese Stimmung.
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