Eichel will Staatsschulden bis 2037 zurückzahlen


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Eichel will Staatsschulden bis 2037 zurückzahlen

 
27.07.02 11:27
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) will den Schuldenberg Deutschlands bis zum Jahr 2037 komplett abtragen. Das geht aus einem neuen "Finanzpolitischen Leitbild für die kommenden Jahre" mit dem Titel "Das neue Generationenprogramm" hervor. "Nahziel ist für Deutschland zunächst der vollständige Ausgleich des Staatshaushalts in 2006", heißt es in dem Papier, das dem SPIEGEL vorliegt. Der danach angestrebte "vollständige Abbau der Staatsverschuldung in 30 Jahren" sei möglich, wenn Bund, Länder und Gemeinden jährliche Überschüsse von mindestens 20 Milliarden Euro erwirtschafteten. Zudem müsse die Wirtschaft über diesen Zeitraum mit mindestens drei Prozent nominal wachsen, also unter Einschluss der Inflationsrate. Erforderlich sei zudem "die mittelfristige Senkung der Abgabenquote unter 40 Prozent". Als Begründung für den weiten Blick nach vorn führt das Eichel-Papier an:"Epochale Herausforderungen erfordern langfristige Politikkonzepte."


Wie in Braunschweig die Lichter ausgehen


Immer mehr deutsche Kommunen geraten wegen sinkender Gewerbesteuereinnahmen ins finanzielle Abseits. An der Misere Braunschweigs, Niedersachsens zweitgrößter Stadt, lässt sich beispielhaft ablesen, wohin es führt, wenn die Steuerquellen versiegen.

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Jäher Absturz ins Schuldenchaos: Braunschweig, die ehemalige Residenz Heinrichs des Löwen
 
Braunschweig - Im Braunschweiger Rathaus, einem prächtigen neugotischen Bau aus dem späten 19. Jahrhundert, lernen Kommunalpolitiker zurzeit, wie sich am besten mit Häme umgehen lässt. Was haben sie in den vergangenen Monaten nicht alles über ihre finanziell arg gebeutelte Stadt, die ehemalige Residenz des stolzen Welfen Heinrich des Löwen, lesen müssen? Von einer Bankrotterklärung Braunschweigs war da die Rede, Listen mit Einrichtungen, denen die Zuschüsse erheblich gekürzt werden sollten, machten die Runde. Und als wäre das Image der Stadt nicht schon genug ramponiert, auch noch dieses gefundene Fressen für die Medien: "In Braunschweig gehen die Lichter aus", titelte die seriöse Frankfurter Allgemeine Zeitung und setzte sich mit den eigenwilligen Sparkonzepten von Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) auseinander.
Braunschweigs traurige Berühmtheit

Das Oberhaupt einer 260.000 Einwohner zählende Stadt mit langer Tradition lässt die Straßenbeleuchtung teilweise abschalten, um dadurch jährlich 83.200 Euro einzusparen - manch einer von Hoffmanns Amtskollegen wäre angesichts dieser lächerlichen Summe noch kürzlich vor Scham den Haushaltsberatungen fern geblieben, doch der studierte Verwaltungsjurist konnte den Schlagzeilen sogar Positives abgewinnen. "Es ist gut, dass unsere Einsparpläne bundesweit beachtet werden. Nur wenn Bund und Land diese zur Kenntnis nehmen, dürfen wir mit ihrer Hilfe rechnen", übte sich Hoffmann in Zuversicht.

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Zum eisernen Sparkurs gezwungen: Braunschweigs OB Gert Hoffmann (CDU)
 
Wäre es nach seinem Willen gegangen, hätten Braunschweigs Straßenlaternen generell ausgedient. Doch Hoffmann, der seit September 2001 in einer CDU/FDP-Koalition mit hauchdünner Mehrheit regiert, konnte sich mit dieser Radikal-Maßnahme nicht vollständig durchsetzen. In den Gewerbegebieten der Stadt bleiben die Lichter zwar aus, in der Innenstadt brennt nachts jedoch immerhin jede zweite Laterne.

Die fetten Jahre sind vorbei

Braunschweig leuchtet also noch immer. Doch ähnlich wie im Falle Münchens, wo in dieser Woche eine Haushaltssperre verhängt werden musste, hat die Strahlkraft der Stadt merklich gelitten. Heute drücken rückläufige Gewerbesteuereinnahmen und die Schulden der Vergangenheit derart auf den Haushalt, dass soziale und kulturelle Einrichtungen nur noch auf 80 Prozent der finanziellen Unterstützung hoffen dürfen, die früher allzu freigiebig gewährt wurde.

Völlig aufgeben mussten die Politiker den Betrieb des Freizeit- und Bildungszentrums. Ein Freibad, dem dasselbe Schicksal bevorstand, konnte nur noch von einem privaten Trägerverein vor der drohenden Schließung gerettet werden. Selbst bei Jubiläen und Beerdigungen gibt es kaum noch Geld: Kranzniederlegungen nur noch im Ausnahmefall, Altersehrungen allenfalls zum 100. und 105. Geburtstag.

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Der Löwe brüllt nicht mehr: Braunschweigs Politiker stöhnen unter der Finanzlast
 
Dabei liegen die fetten Jahre noch nicht lange zurück. Seit 1985 entwickelten sich die Steuereinnahmen im östlichen Niedersachsen prächtig. Braunschweig profitierte auf Grund seiner geographischen Lage und der Anbindung an die Autobahn Hannover-Berlin von der Deutschen Einheit. Die günstige Konjunktur beschleunigte die Aufholjagd. Mit Stolz konnten die Politiker der damals regierenden SPD den Aufstieg Braunschweigs in die Spitzengruppe der finanziell potentesten Städte Deutschlands verkünden.

Auf hohem Niveau bequem eingerichtet

Dem Verweis auf das stete Gedeihen ihrer Stadt folgte Mitte der neunziger Jahre der jähe Absturz ins Schuldenchaos. Und niemand schien die drohende Misere zu bemerken. "Als der Abschwung schon längst zu spüren war, hatte es sich Braunschweig noch immer auf hohem Niveau bequem eingerichtet", urteilt Bernhard Zentgraf vom Bund der Steuerzahler in Hannover rückblickend. Plötzlich seien alle Ausgabendämme gebrochen. Allein die Aufwendungen für den Verwaltungsapparat verzeichneten noch zweistellige Zuwachsraten. Aber in Braunschweig wollte man die Zeichen der Zeit nicht erkennen.

Zwei neue Kindergärten habe man sich geleistet und dafür Geld ausgegeben, wovon andere Städte gut und gern fünf Neubauten errichtet hätten. Schwere Versäumnisse hält Zentgraf den Braunschweiger SPD-Politikern deswegen vor und doziert: "Sparsamkeit ist nun einmal die größte Einnahmequelle."

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Teures Prestige-Objekt: VW-Arena in Braunschweig
 
An diese Weisheit hielten sich die Stadtoberen auch nicht, als sie Ende der neunziger Jahre eine hypermoderne Sportstätte bauen ließen. Die heißt zwar "VW-Arena", weil sie von dem Automobilhersteller gesponsert wurde, allerdings verpflichtete sich die Stadt, das Prestige-Objekt in knapp zwanzig Jahren zurückzukaufen. "VW wurde sehr bejubelt, aber für die Sponsoren ist die Arena letzten Endes eine gute Geldanlage", urteilt Luitgard Heissenberg, Redaktionsleiterin der "Braunschweiger Zeitung". Wegen der Rückkaufverpflichtung müssen jährlich 500.000 Euro zurückgelegt werden; die laufenden Betriebskosten der Halle wachsen Braunschweig ohnehin langsam über den Kopf.

Heute müht sich Oberbürgermeister Hoffmann, den Rat des Sachverständigen zu befolgen. Sein Konsolidierungsprogramm sieht für 2002 Einsparmaßnahmen in Höhe von 7,85 Millionen Euro vor. Doch obwohl die Stadt selbst vor dem Verscherbeln ihres Tafelsilbers nicht zurückschreckte und im Mai dieses Jahres Teile ihrer Stadtwerke für den stolzen Preis von 420 Millionen Euro an einen texanischen Energiekonzern verkaufen konnte, rechnet Braunschweigs Stadtrat mit einem Haushaltsdefizit von 80 Millionen Euro.

Legale Schlupflöcher für Unternehmen

Verantwortlich dafür ist vornehmlich das Wegbrechen der Gewerbesteuereinnahmen. Unaufhörlich versiegt die wichtigste Einnahmequelle der Kommunen auch in Braunschweig. Nach Auskunft von Fritz Kromrei, städtischer Fachbereichsleiter Finanzen, ging das Gewerbesteueraufkommen innerhalb nur eines Jahres um rund ein Drittel zurück. Waren es im Jahr 2000 noch 122 Millionen Euro, erwartet Kromrei für das Jahr 2001 nur noch 81 Millionen Euro. "Braunschweigs große Gewerbesteuerzahler haben legale Schlupflöcher gefunden", sagt Kromrei niedergeschlagen. Näher darf er auf diese heikle Angelegenheit unter Verweis auf das Steuergeheimnis nicht eingehen.

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Versiegende Quelle: Die Gewerbesteuer fließt nicht mehr
 
In Braunschweig allerdings kursieren Gerüchte, die ansässige Deutsche Telekom zahle schon lange kaum einen Cent Gewerbesteuer. Die Ersteigerung teurer UMTS-Lizenzen und schmerzhafte Gewinneinbrüche hätten das Unternehmen an unzähligen Standorten in Deutschland in die Lage versetzt, nichts mehr an die Kommunen abführen zu müssen, heißt es. Ähnlich argumentiere die Norddeutsche Landesbank, die sich bei Geschäften mit der maroden Berliner Bankgesellschaft verkalkuliert hat. Von Firmen wie dem Elektronikunternehmen Siemens oder dem Autohersteller Volkswagen, die ebenfalls Betriebe in Braunschweig unterhalten und unter Absatzproblemen leiden, hat die Stadt in diesem Jahr angeblich auch nicht eben viel zu erwarten. Zumal ein erheblicher Teil der Einnahmen wegen der Gewerbesteuerumlage ohnehin an Bund und Land abgeführt werden muss.

Sonst gehen die Lichter aus...

OB Hoffmann appelliert deswegen an den Finanzminister: "Der Bund muss jetzt endlich handeln und die Erhöhung der Gewerbesteuerumlage sofort rückgängig machen." Andernfalls gehe nicht nur in Braunschweig, sondern in allen deutschen Städten sehr rasch das Licht aus, sagt Hoffmann, und der Chef seiner Finanzverwaltung, Fritz Kromrei, wird noch deutlicher: "In einer Familie würde man nicht so miteinander umgehen, wie der Bund mit den Kommunen umspringt."

Auch die SPD-Ratsfraktion schießt gegen die Regierung in Berlin. Ihr Vorsitzender, Klaus Winter, hält es für dringend geboten, endlich eine verlässliche Finanzierungsgrundlage für die Kommunen zu schaffen. Es könne nicht angehen, dass Städten und Gemeinden, die an ihre Schmerzgrenzen gelangt seien, immer neue Lasten im sozialen Bereich aufgebürdet würden. Die stolzen Nachfahren Heinrichs des Löwen brüllen nicht mehr, sie stöhnen.  
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Elan:

also hat Rothschild die nächsten 37 Jahre keine

 
27.07.02 11:56
Eichel will Staatsschulden bis 2037 zurückzahlen 734402

 
finanziellen Probleme...
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Happy End:

Leeren Kassen, drängende Bitten

 
29.07.02 05:56
Im Norden müssen Vereine auf Zuschüsse warten, im vergleichsweise wohlhabenden Südwesten ist Deutschlands ist ebenfalls keine Besserung der Haushaltslage in Sicht - Schleswig-Holsteins Finanzminister Möller drängt auf eine Finanzreform.

Berlin - Angesichts der Steuerausfälle sieht Schleswig- Holsteins Finanzminister Claus Möller (SPD) kaum noch Land in Sicht. "Das Land und die Kommunen sind beim Sparen am Ende der Fahnenstange angelangt", sagte Möller in Kiel: "Uns droht, dass wir selbst Kernaufgaben nicht mehr ausreichend wahrnehmen können." Mit Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) sei er sich "völlig einig", dass eine Stabilisierung der Steuereinnahmen dringend verreicht werden müsse.
Bereits am 17. Mai hatte Möller eine Haushaltssperre "mit vielen Konsequenzen" für das Land verhängt. Zwar würde beispielsweise der Polizei nicht das Benzin gekürzt oder ein Baustopp bei landeseigenen Bauten verhängt, aber "bei vielen freiwilligen Leistungen wird es zu Problemen kommen". Vereine und Verbände müssen damit rechnen, dass sie bis zum Jahresende nicht alle Zuschüsse erhalten - "das wird schwer knirschen und zwar quer durch die Last".

Die Kommunen sind recht unterschiedlich betroffen: Im Jahr 2001 hatte beispielsweise Burg auf Fehmarn ein Plus bei der Gewerbesteuer von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Gemeinde Büdelsdorf mit dem Unternehmen MobilCom ein Minus von 101,4 Prozent aufwies. Doch insgesamt sind nach Möllers Angaben alle Kommunen dadurch betroffen, dass sie über den Kommunalen Finanzausgleich mit 20 Prozent an allen Steuereinnahmen beteiligt sind. Entscheidend sei, so Möller, dass die Gewerbesteuer konjunkturunabhängiger gestaltet wird.

"Die Stabilisierung der Steuereinnahmen ist dringend erforderlich", sagte Möller und erinnert zugleich an das Bundesverfassungsgericht, dass den Gesetzgeber verpflichtet habe, sich mit der Erbschaftssteuer zu befassen. Darin unterstütze er "völlig" Simonis, die zuletzt Anfang Juli ein erneutes Nachdenken über die Erbschaftssteuer - auch unter dem Gesichtspunkt der sozialen Gerechtigkeit - gefordert hatte.

Südwest-Kommunen mit düsterer Perspektive

Auch die Finanzlage der Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter verschlechtern. Die Gemeindeprüfungsanstalt in Karlsruhe schreibt in ihrem am Samstag veröffentlichten Geschäftsbericht 2002, die Kommunalfinanzen im Südwesten seien in Folge der schwachen Konjunktur und der Steuerreform regelrecht "abgestürzt". Im Jahr 2001 hätten die 1110 Kommunen im Land Einnahmeverluste von etwa 630 Millionen Euro zu verkraften gehabt.

Ein Ende der finanziellen Talfahrt ist nach Einschätzung der Prüfbehörde auf Grund der bisher bekannten Eckdaten zur Etatplanung nicht in Sicht. Dabei sei der Abwärtstrend keineswegs durch einen Anstieg der Ausgaben verursacht, sondern fast ausschließlich durch die teils dramatischen Einnahmenausfälle und hier in erster Linie durch den Einbruch bei der Gewerbesteuer.

Großunternehmen zahlen immer weniger

Dazu beigetragen hätten nicht zuletzt die erweiterten steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten der Großunternehmen. Sie führten dazu, dass insbesondere größere Kapitalgesellschaften durch Gewinnminimierung kaum noch einen nennenswerten Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen Aufgaben in den Gemeinden leisten, wo sie ihren Sitz haben.

Die Karlsruher Gemeindeprüfer raten dringend zu einer grundlegenden Reform des Gemeindefinanzierungssystems auf Bundesebene, um einen dauerhaften Ausgleich zwischen kommunaler Aufgabenerfüllung und deren Finanzierung zu schaffen.

Der baden-württembergische Städtetag sieht sich nach den Worten eines Sprechers durch die Gemeindeprüfungsanstalt in seiner Forderung nach einer Reform der Kommunalfinanzierung bestätigt. Als Sofortmaßnahme müsse aber die seit 1. Januar 2001 geltende Erhöhung der Gewerbesteuerumlage von 20 auf 30 Prozent wieder rückgängig gemacht werden. Sie war Teil der Steuerreform und bedeutet, das Bund und Länder einen höheren Anteil an der Gewerbesteuer abschöpfen.

spiegel.de
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