Das kakophonische Murmeln ist mir immer etwas aufs Gemüt gegangen, denn so viele kluge Leute wie hier im BT dürften ja eigentlich nicht irren können, oder?
Geradezu witzig ist in diesem Zusammenhang mein Posting (#77283) von gestern:
"Aber man kennt es selbst auch von eigenen Stimmungen, dass die Zyklen unterliegen. Und im Kollektiv dürften sich die Zeiten der stark optimistisch eingefärbten Stimmungslagen dem Ende zuneigen. Und dann dürfte die insgesamt ja doch eher gemischte Weltenlage zunächst neutral, dann zunehmend negativ interpretiert werden, bzw. man pickt sich aus den Nachrichten das passende Negative heraus. Das kann sogar zu einem heftigen Umschwung führen, und nach dem Pfadfinder-Motto "allzeit bereit" setze ich mich dafür per Shorts bereit."
Natürlich lobe ich mich jetzt für eine Millisekunde gerne selbst, weil es sonst ja niemand tut, aber leider habe ich damit heute ein neues Problem bekommen, weil im Rahmen meiner gestrigen Feststellung...
"Es kommt nicht auf Faktoren an, sondern auf Stimmungen. Und die Stimmungen sorgen dann für die positive oder negative Bewertung der Faktoren, die laufend 'vorbeirauschen',..."
...sich die Frage stellt: wie lange hält die offensichtlich jetzt plötzlich schlechte Stimmung an? Auch wenn die Leute, denen das Gelegenheits-Denken zu mühsam ist, mir vielleicht sogar empört-jaulend widersprechen: Das AKW-Problem ist nicht so dramatisch, wie es die Journaille zum täglichen Füllen der 800 qkm Klopapier macht (und wie es die Ton-, Steine-, Scherben-Fraktion souffliert). Ich vermute immer noch, dass es nicht einen einzigen Toten dadurch gibt, und die Kosten dürften tendenziell eher im niedrigen bis mittleren zweistelligen Milliardenbereich (USD) bleiben, also soviel, wie Merkel mal eben für die Griechen/Iren etc. raushaut (kostenmässig)...
Viel schlimmer sind Erdbeben/Tsunami mit vielleicht ca. 30'000 Toten, das/die aber kein Schwein mehr zu interessieren scheint, weil es so sturzlangweilig ist... :-(
Über ein Erdbeben/Tsunami mit 200'000 Toten sind die Märkte 2004 recht gelassen hinweggegangen (#77271). Aus diesem Posting zitiere ich den spekulationstechnisch möglichen "Positiv"-Ausgang:
"Grund dafür ist, dass ich in den etwas grösseren "sozionomischen" (wie Prechter es nennt) Zyklen jetzt so langsam doch eine nachhaltige Stimmungsverschlechterung erwarte, die zwar nur sehr allmählich wirken, aber von den Finanzpokerspielern zu irgendeinem Zeitpunkt ziemlich plötzlich antizipiert werden dürfte, und dann schneller als von den meisten hier (ausser natürlich AL :-) erwartet für einen längeren (negativen) Trendumschwung sorgen könnte"
Die für mich verdammt schwierige Frage ist also: jetzt, wo die von den Kernakteuren antizipierte Stimmung der breiten Marktteilnehmer als drastisch negativ eingeschätzt wird, Short-Gewinne glattstellen? Also bevor die antizipierte Markteinschätzung wieder davon ausgeht, dass der breite Markt merkt, dass es so furchtbar schlimm gar nicht ist und im Übrigen jetzt ja auch noch mehr Liquidität herangekarrt wird? Oder doch darauf setzen, dass es nach fast 2 Jahren Zuversicht bis Euphorie erstmal zu einem längeren negativen Stimmungs- und Trendumschwung kommt?
Vor dieser Frage habe ich mich immer gefürchtet...
Vermutlich werde ich mich an #76293 orientieren, aber wie gesagt: das kann genau falsch sein:
"...b) wenn man schon keinen Stopp-Loss setzt und dadurch statistisch hohe Verluste aussitzen muss, dann sollte man mMn auch keinen allzu nahe liegenden "Stopp-Win" setzen. Hier muss man nach Gefühl handeln, und darf sich nicht vorschnell durch Verluste oder Gewinne herausschütteln lassen.
Dabei sollte man mMn auf der Gewinnseite ein Stück weit gierig sein und nicht allzu schnell Gewinne glattstellen. Das geht mMn nur bei einem sowohl fundamental als auch sentimenttechnisch untermauerten Trend. Der Dax ab Herbst 2008 war z.B. so etwas. Dass man durch diese "Gier" wieder Risiko erzeugt, das ist leider so. Man kriegt nichts geschenkt, rein gar nichts... ;-)"