Iran-Deal Nummer 38: Trumps Kehrtwende und was die Märkte daraus gelernt haben

Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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US-Präsident Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt.
Foto: Gage Skidmore (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Donald_Trump_(29496131773).jpg), „Donald Trump (29496131773)“, Zuschnitt von ARIVA.DE, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/legalcode https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Donald_Trump_(29496131773).jpg
Bereits zum 38. Mal kündigt US-Präsident Donald Trump eine baldige Einigung mit dem Iran an und die Märkte reagieren nach bekanntem Muster. Der sogenannte TACO-Trade ist zurück. Doch ist Trumps Kehrtwende längst eingepreist ?
Für dich zusammengefasst:
Hinweis

Trump kündigt erneut Iran-Deal an - Märkte steigen, Ölpreisfällt

Donnerstagabend, Weißes Haus: US-Präsident Donald Trump erklärt, die USA hätten soeben „eine großartige Einigung im Krieg mit dem Iran erzielt". Die Unterzeichnung der Dokumente solle zeitnah – möglicherweise noch dieses Wochenende in Europa – erfolgen. Wenige Stunden zuvor hatte er noch mit massiven Luftangriffen auf iranische Energieinfrastruktur gedroht, darunter die Übernahme der Ölinsel Kharg.

Die Kehrtwende erfolgte nur wenige Stunden nachdem Trump erklärt hatte, die Islamische Republik „sehr hart" treffen zu wollen. Das Dementi aus Teheran ließ nicht lange auf sich warten und dennoch reagierten die Märkte prompt und positiv.

Der DAX eröffnete am Freitag 1,3 Prozent im Plus bei 24.521 Zählern, nachdem er am Vortag nahezu unverändert bei 24.210 Punkten geschlossen hatte. Der X-DAX als außerbörslicher Indikator hatte zuvor ein Plus von 1,4 Prozent auf 24.552 Punkte signalisiert.

Werte aus dem Artikel:
Brent Crude Ölpreis 86,7872 $ -2,65%
DAX 40 24.635,3 +1,76%

Das 14-Punkte-Rahmenabkommen: Was bisher bekannt ist 

Iranische Staatsmedien lieferten unterdessen konkretere Einblicke in den Verhandlungsstand. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Mehr News handelt es sich um einen 14-Punkte-Entwurf eines Memorandums of Understanding zwischen den USA und dem Iran. Kernpunkte laut dieser Darstellung:

Der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai bestätigte gegenüber staatlichen Medien, der Verhandlungstext sei „überwiegend finalisiert". Es handele sich vorerst um ein Rahmenabkommen, das die Grundlage für weitere Gespräche zwischen den USA und dem Iran legen solle.

Laut Trump seien die Details und finalen Vereinbarungen bereits von allen Schlüsselakteuren – darunter die USA, Israel, Saudi-Arabien, die Türkei und weitere regionale Partner – abgesegnet worden.

Straße von Hormus: Schlüssel für globle Energiemärkte und Ölpreis

Der strategische Kern der Vereinbarung liegt in der Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Etwa 25 Prozent des weltweiten Seehandels mit Öl und 20 Prozent des globalen Flüssigerdgases (LNG) passieren dieses Nadelöhr täglich. Eine Blockade oder auch nur die glaubhafte Drohung einer solchen treibt den Rohölpreis global in die Höhe und belastet exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland unmittelbar über höhere Produktions- und Importkosten.

Allein die Ankündigung einer möglichen Entspannung genügte, um den Ölpreis deutlich zu drücken. Das US-Leichtöl WTI zur Lieferung im Juli notierte am Freitagmorgen etwa zwei Prozent im Minus bei 85,97 US-Dollar pro Barrel. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im August lag mit 88,44 Dollar (Dollarkurs) 2,2 Prozent tiefer auf dem tiefsten Stand seit dem 10. März.

Der TACO-Trade: Bekanntes Muster an der Börse kehrt zurück

An den Finanzmärkten hat sich für dieses wiederkehrende Phänomen längst ein eigener Begriff etabliert: der TACO-Trade – ein Akronym für „Trump Always Chickens Out". Das Muster beschreibt Trumps Verhaltensmuster, angekündigte Eskalationsschritte kurz vor der Ausführung zurückzunehmen – ob bei Zöllen, Militärschlägen oder Sanktionen.

Der TACO-Trade wurde erstmals im Zuge von Trumps „Liberation Day"-Zöllen im Frühjahr 2025 bekannt, als der S&P 500 um fast 20 Prozent einbrach, bevor Trump eine 90-tägige Pause ankündigte und die Märkte sich kräftig erholten. Seitdem hat sich das Muster mehrfach wiederholt wie beispielsweise bei Zolldeadlines gegenüber Mexiko, Japan und anderen Handelspartnern, aber nun auch im Kontext des Iran-Konflikts und des Nahostkriegs. In letzter Zeit schien dieses Muster jedoch immer mehr zu bröckeln, da die Märkte immer weniger auf Trumps Äußerungen reagierten. 

Eingepreist: Warum die Rallystärke schwindet

Doch das Muster verliert an Schubkraft. Barclays-Stratege Emmanuel Cau stellte fest, dass das wiederholte Hin-und-Her das Marktvertrauen zunehmend untergräbt. Investoren interpretierten Verzögerungen nicht mehr als Weg zum Frieden, sondern als taktische Pausen vor weiterer Eskalation.

Zeitweise funktionierte der TACO-Trade im Iran-Kontext gar nicht mehr: Als Trump im März 2026 seine Deadline für Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur verlängerte, blieb die erwartete Erholungsrally aus. Der Brent-Preis war zu diesem Zeitpunkt bereits um mehr als 50 Prozent seit Ende Februar gestiegen. Dies ist ein Zeichen, dass der Markt die Drohkulisse zunehmend ernst nahm.

Die aktuelle Marktreaktion macht deutlich, wie schnell sich die Stimmung auf Basis politischer Aussagen statt greifbarer Fortschritte verschiebt. Das heutige DAX-Plus von 1,3 Prozent ist im historischen Vergleich der Iran-bedingten TACO-Rallys deutlich moderater als frühere Ausschläge. Das ist ein Hinweis darauf, dass professionelle Marktteilnehmer das Muster kennen und entsprechend positioniert sind, bevor Trump den Kurswechsel öffentlich verkündet.

Bereits im April 2026 hatte Trump, nach seiner Drohung, „eine ganze Zivilisation werde heute Nacht sterben", kurz vor einer selbst gesetzten 8-Uhr-Deadline unter der Bedingung, dass der Iran die Straße von Hormus öffne und den Ölfluss wiederherstelle eine zweiwöchige Waffenruhe verkündet. Eine 1,5-Billionen-Dollar-Rally hob alle drei großen US-Indizes an, während der Ölpreis um 16 Prozent auf unter 100 Dollar fiel.

Auch diesmal folgten die asiatischen Börsen einer nächtlichen Rally an der Wall Street, ausgelöst durch Trumps Äußerungen über ein bevorstehendes Iran-Abkommen.

Analysten warnen allerdings vor einer Überextrapolation dieses Musters: „Investoren erkennen das Muster und könnten es in die Zukunft projizieren. Das ist nachvollziehbar, aber man sollte es nicht überstrapazieren", so Michael Reynolds, Vizepräsident für Investmentstrategie bei Glenmede.

Auch Thomas Altmann, Partner bei QC Partners, mahnte zur Vorsicht: „Ob die Börsen die Friedensglocke diesmal zur rechten Zeit läuten, wird erst die Zukunft zeigen. Bisher sei dieser Optimismus jedes Mal verfrüht gewesen."

Strukturelle Unsicherheit bleibt - Iran-Konflikt weiter ungelöst

Trotz der positiven Börsenreaktion bleibt die Substanz der Ankündigung fraglich. Der Iran dementierte erneut einen abgeschlossenen Deal. Gleichzeitig stoppten iranische Einsatzkräfte am Freitag offenbar einen Öltanker in der Straße von Hormus.

Hinzu kommt: Die im Entwurf genannten Bedingungen – 300 Milliarden Dollar Wiederaufbaufonds, vollständiger US-Truppenabzug, Freigabe eingefrorener Gelder – sind politisch hochkomplex und dürften in der genannten Form kaum innerhalb weniger Tage vertragsreif sein. Für Anleger, die auf den TACO-Trade setzen, ist die entscheidende Frage daher nicht ob Trump zurückrudert, sondern wann und wie nachhaltig die Börsenreaktion diesmal ist. 


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