Soros meint (sinngemäß), die Banken müssen reguliert werden, weil sonst kein Ende der - destabilisierenden - Blasenwirtschaft in Sicht ist. Aber die Regulierung dürfe nicht sofort erfolgen, weil das Finanzssystem dafür noch zu schwach ist.
Ich sehe darin einen Widerspruch: Macht man nichts, pumpen die Banken im Eigenhandel (und zur Sanierung ihrer Überschuldung) neue Blasen auf. Diese destabilisieren das System aber ebenfalls - insbesondere die Preisblase bei Rohstoffen. Reguliert man hingegen jetzt schon, droht lauf Soros ein Crash wegen des resultierenden allgemeinen Asset-Ausverkaufs.
Das heißt im Grunde: Wie man's macht, macht man's verkehrt.
Die Regulierer können nicht darauf bauen, dass der Markt seine Exzesse selbst korrigiert. Harte Reformen sind nötig, von Verschuldungsgrenzen bis hin zur Zerschlagung von Banken - aber noch nicht jetzt.
...Da die Märkte instabil sind, gibt es nicht nur Risiken, die einzelne Marktteilnehmer betreffen, sondern auch systemische Risiken. Marktteilnehmer mögen diese im Glauben ignorieren, sie könnten jederzeit ihre Positionen auflösen. Regulierer dürfen das nicht. Wenn zu viele Marktteilnehmer auf einer Seite stehen, können Positionen nicht liquidiert werden, ohne dass es zu einer Schieflage oder einem Crash kommt.
Um Schieflagen zu vermeiden, müssen die Positionen sämtlicher großer Marktteilnehmer überwacht werden, inklusive Hedge-Fonds und Staatsfonds. Bestimmte Derivate wie Credit Default Swaps sorgen häufig für versteckte Schieflagen. Sie müssen sie daher reguliert, eingeschränkt oder verboten werden.
Die Finanzbehörden haben allen Instituten, die "too big to fail" sind, eine implizite Überlebensgarantie gegeben. Diese Zusage kann nicht glaubwürdig zurückgezogen werden. Daher muss die Regulierung so gestaltet werden, dass diese Garantie gar nicht erst in Anspruch genommen wird. Für diese Institute sollte der Verschuldungsgrad begrenzt werden.
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Die Eigenkapitalrichtlinien Basel I und II enthalten einen Fehler: Sie attestieren Wertpapieren in Bankbesitz ein deutlich niedrigeres Risiko als gewöhnlichen Krediten. Dadurch ignorieren sie die systemischen Risiken, wenn eine Wertpapierposition zu stark konzentriert wird. Dies muss korrigiert werden, indem die Risikobewertung von Wertpapieren in Bankbesitz verschärft wird. Dadurch wird womöglich auch die Verbriefung von Forderungen unattraktiver.
All das führt dazu, dass Rentabilität und Verschuldungsgrad der Banken sinken. Wann ist der richtige Zeitpunkt für diese Reformen? Momentan ist es nicht an der Zeit, permanente Reformen durchzusetzen. Das Finanzsystem ist weit von einem Gleichgewicht entfernt. Zunächst muss der Kreditverlust durch den einzigen Akteur wettgemacht werden, der noch glaubwürdig ist: den Staat. Das bedeutet eine Zunahme der Staatsverschuldung und eine Vergrößerung der Geldbasis. Wenn sich die Wirtschaft stabilisiert und die Kreditsituation aufhellt, dann muss die Geldbasis wieder verkleinert werden, damit die Deflationsgefahr nicht durch Inflationsgefahr ersetzt wird.
Wir durchlaufen immer noch die Anfangsphase dieses heiklen Vorgehens. Die Banken sind noch auf dem Weg der Genesung. Jetzt ihre Rentabilität zu beschneiden wäre kontraproduktiv. Regulatorische Reformen müssen bis zur zweiten Phase warten, wenn die Geldmenge unter Kontrolle gebracht wird. Sie müssen sorgsam erfolgen, um die Erholung nicht zu gefährden. Aber vergessen dürfen wir sie auf keinen Fall.
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