Neuester, zuletzt geles. Beitrag
Antworten | Börsen-Forum
Übersicht ZurückZurück WeiterWeiter
... 1960  1961  1963  1964  ...

Der USA Bären-Thread


Thema
abonnieren
Beiträge: 156.480
Zugriffe: 27.042.384 / Heute: 4.984
S&P 500 7.428,67 +0,51% Perf. seit Threadbeginn:   +409,17%
 
Anti Lemming:

Chinas Exporte

7
13.09.09 08:30
Unten - aus dem gleichen Querschuss-Beitrag - der Chart von Chinas Exporten in Mrd. Dollar. Dieser Chart zeigt nicht die  Veränderungsrate zum Vorjahr, sondern das Exportvolumen absolut. Das aktuelle Niveau (ca. 105 Mrd. Dollar) entspricht in etwa dem von April 2008 bzw. Juli 2007 (als die US-Verschuldungskrise virulent wurde). Man könnte daher auch - bullischer - argumentieren, dass die China-Exporte zurzeit auf dem gleichen Level liegen, den sie zur Beginn der Finanzkrise hatten. Da die Weltnachfrage ingesamt wegen der Krise stark gesunken ist, lässt dies nur den Schluss zu, dass die Chinesen (durch Substitution) ihren Marktanteil im Weltmarkt deutlich ausbauen konnten.

Im Export-Chart unten gab es seit dem (Panik?)-Tief Anfang 2009 wieder nennenswerte Anstiege (ca. 50 % RT).  Interessanterweise scheint der Export-Chart den US-Börsen zu folgen. Die tiefsten Export-Einbrüche gab es beim US-Börsen-Absturz Anfang 2008 und beim Mega-Absturz von Sept. 2008 bis März 2009.

Haben die Behavioral-Finance-Spinner womöglich doch Recht? - könnte man da ketzerisch fragen. Und falls JA: Wie hoch ließen sich Chinas Exporte mittels QE pumpen, falls erstens QE-Mittel in den US-Aktienmarkt fließen (wurde gestern diskutiert) und zweitens der US-Aktienmarkt Maßgabe für Chinas Exporte ist?

Freilich könnte es sich ebensogut um zufällige Parallelen (= keinem Kausalzusammenhang unterworfene Korrelationen) handeln. Doch es macht in Grenzen auch fundamental Sinn, dass weniger aus China nachgefragt wird, wenn sich die West-Börsen in Angst-Starre befinden...

Weiterhin sollte man sich fragen, inwieweit Chinas massive Konjunkturpakete auch den Export steigern können. Eigentlich flossen die Mittel ja in die Binnenwirtschaft, um diese zu beleben und einen stärkeren chinesischen Binnenkonsum zu schaffen. Doch falls damit z. B. eine große Fabrik für Solarzellen gebaut wird, deren Produkte nicht nur in China gebraucht werden, sondern AUCH nach Deutschland geliefert werden können (und die hiesigen Anbieter bei fast gleicher Qualität preislich stark unterbietet bzw. "kaputtmacht" - Substitution...), so würde anteilig auch der Export gefördert.

Damit etwas exportiert werden kann, muss es ja erst mal überhaupt am Markt verfügbar sein. Jede zusätzliche Solarzellen-Fabrik erhöht das Volumen des "prinzipiell Exportierbaren". Ab dann gilt die Nachfrage im Weltmarkt und der Kostenvorteil der Chinesen, der andere Anbieter verdrängt. Wie alle Billiglohnländer "kannibalisiert" China dann an der geschrumpften Substanz.
(Verkleinert auf 70%) vergrößern
Der USA Bären-Thread 259137
Antworten
Anti Lemming:

Konjunkturlokomotiven und "Abstellgleise"

7
13.09.09 09:12
Weitergesponnen bedeutet dies, dass in China sehr wohl eine Art Sonderkonjunktur entstehen könnte, aber eben auf Kosten der Hochlohn-Länder, die dadurch Aufträge verlieren. Die Chinesen kannibalisieren an der geschrumpften Substanz, indem sie ihren relativen Anteil deutlich erhöhen.

Damit stirbt auch die bullische These, China könne die Welt als Ersatzlokomotive (Ersatz für US-Konsum) aus dem Dreck ziehen. Wahrscheinlicher ist, dass diese Kannibalisierungseffekte China regional nach oben bringen - und gleichzeitig die Restwelt (insbesonders Exportnationen) noch tiefer in den Dreck stoßen. Die deutsche Konjunkturlokomotive geriete dadurch aufs Abstellgleis.
Antworten
Stöffen:

Bullisches Getrommel

7
13.09.09 10:04

Der aktuelle Comment von Klaus Singer / TimePatternAnalysis, welcher sich u.a. auch mit den jüngsten Äußerungen von Marc Faber auseinandersetzt.

Es wird weiter bullisch getrommelt. Unternehmen erhöhen ihren Ausblick, die M&A-Aktivität zu Wochenbeginn wird als Zeichen angesehen, dass Aktien günstig bewertet sind. Der schwache Dollar soll die Wettbewerbsposition von US-Produkten auf dem Weltmarkt verbessern und damit die Gewinne von US-Multis steigern. Wieder steigende Rohstoffpreise werden als Indiz für eine anziehende Konjunktur gewertet. Und gestern schließlich gab eine TBond-Auktion den jüngsten bullischen Kick für Aktien. Die überraschend hohe Nachfrage nach diesen Papieren sei Ausdruck des Vertrauens in die US-Wirtschaft. Wer kauft das Zeug?  

Kommentare von Fed-Offiziellen legen nahe, dass die Null-Zins-Politik in den USA noch lange beibehalten wird. Erst wenn die Arbeitslosenquote wieder deutlich sinkt oder sich eindeutig bessere Aussichten und eine klare Zukunftsorientierung der Unternehmen herausstellen, wird über eine Revision dieser Linie nachgedacht. Laut Beige Book gibt es jetzt außerdem Zeichen einer Stabilisierung im US-Haus-Markt. Die Preise seien in den beiden zurückliegenden Monaten zwar weiter gefallen, aber die Nachfrage habe angezogen, was eine notwendige Vorbedingung für eine irgendwann stattfindende Bodenbildung bei den Preisen sei, heißt es.

Bei einem solchen Getrommel bleibt den Aktienkursen fast gar nichts anderes übrig, als zu steigen. Mittlerweile zeigen die großen amerikanischen und europäischen Indices neue Jahreshöchststände. Dieses angelegentliche Getrommel ist auch nötig, um in der aktuellen Distributionsphase des S&P 500 die Seitenlinie in die Märkte zu bringen. Fragt sich nur, ob die Argumente nachhaltig genug sind. Dazu weiter unten.

Nicht übersehen werden sollte, auch angesichts der heute zur Veröffentlichung anstehenden Daten zur US-Verbraucherstimmung, dass die Kredite an eben jene im Juli mit minus 21,6 Mrd. Dollar im Rekordtempo fielen, und das den sechsten Monat in Folge. Ingesamt standen mit 2,47 Bill. Dollar aufs Jahr hochgerechnet 10,4 Prozent weniger Prozent Kredite offen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das sorgt für neue Zweifel an der Nachhaltigkeit der Wirtschaftserholung und kann als Zeichen gewertet werden, dass die Konsumenten der Wirtschaft zumindest in diesem Jahr nicht sonderlich helfen. Mit fast 70 % ist das US-BIP stark Konsum-lastig.

Marc Faber geht davon aus, dass die US-Zinsen noch lange nahe Null künstlich niedrig gehalten werden. Das Staats-Defizit werde sehr hoch bleiben (aktuell fast 7 Bill. Dollar). Das werde in Zukunft (nah oder fern?) für Inflation sorgen. Die Staatsschulden werden letztlich durch die Geld-Druckmaschine finanziert. Abgesehen von einer kurz bevorstehenden Korrektur aufgrund der krassen Überkauftheit der Aktien-Märkte ist seine Perspektive weiterhin: Je schwächer die Wirtschaft laufe, je stärker würden sich Aktien verteuern, weil frische Liquidität in die Finanzmärkte fließe. Man müsse als Banker schon sehr dumm sein, um mit diesem kostenlosen Geld aktuell nicht glänzend zu verdienen.

Aber in einigen Jahren käme es zum finalen Show-down, weil dann Staaten unter ihrer Schuldenlast zusammenbrächen. Damit aber steige auch die Wahrscheinlichkeit von bewaffneten Auseinandersetzungen. Für diesen Fall sollte man sich schon einmal ein MG besorgen, grinst er in einem Interview, das über das Diskussions-Forum auf www.timepatternanalysis.de zugänglich ist. Faber hatte übrigens bereits im Februar angenommen, dass Aktien um rund 40 % steigen werden, Unternehmensanleihen sah er da sogar als noch bessere Investition.

Nouriel Roubini sieht den Verlauf der Erholung der US-Wirtschaft weiterhin als "U", das Wachstum der entwickelten Industrieländer würde dabei für zwei bis drei Jahre unterdurchschnittlich verlaufen. Dabei wachse das Risiko eines "double dip", wenn die Staaten nicht den rechtzeitigen Ausstieg aus den verschiedenen Hilfsprogrammen finden. Hinzu kommt, dass er nicht glaubt, dass Staaten mit hoher Sparquote, wie China, Japan und Deutschland z.B. ihren Konsum genügend ankurbeln. Dadurch würde das Wachstum der Weltwirtschaft aber weiter gebremst. Er fordert zudem, dass bei der Zinspolitik die Entwicklung von Asset-Preisen stärker ins Gewicht fällt. Das ist aber ja nun gerade nicht das, was die Finanzindustrie möchte.

Seiner Meinung nach müsse der Dollar weiter an Wert verlieren, auf jeden Fall auf handelsgewichteter Basis, nicht zwangsläufig aber gegen Euro und Yen. Ein gegenüber diesen Währungen stark fallender Dollar würde den entsprechenden Wirtschaftsräumen jede Möglichkeit einer wirtschaftlichen Erholung nehmen und die Währungsparitäten wieder in die Gegenrichtung drücken. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik der USA müsse der Versuchung widerstehen, die "Inflationssteuer", eine exzessive Ausweitung der Geldmenge, als Ausweg aus den Schuldenproblemen anzuvisieren.  

Viele "fromme Wünsche", meine ich. Die USA werden das Ziel der inflationären Entschuldung weiter verfolgen. Und diesseits des Atlantiks wird es nicht anders sein. Insofern saldiert sich das im Wechselkurs Euro/Dollar, wirkt sich aber v.a. in einer Schwächung des Dollar in Bezug auf die Währungen wichtiger Emerging Markets, sowie bedeutender Rohstofflieferanten aus.

Eine ganz andere Frage ist, ob der inflationäre Impuls tatsächlich von der Finanz- in die Güterwirtschaft überspringt. Aktuell sieht das nicht so aus - im Gegenteil deflationäre Effekte dürften noch weiterhin die Oberhand behalten. Ob die systemkonforme Lösung der "Inflationssteuer" nun funktioniert oder nicht, Inflation oder Deflation, ist auf längere Sicht fast egal. Die Wahrscheinlichkeit von Bankrotten größerer Wirtschaftsräume auf Sicht einiger Jahre ist hoch - das "Endzeit-Szenario" von Faber hat gute Chancen. Der Kondratieff-Winter lässt grüßen.

Wenden wir uns der kürzeren Perspektive von "Dr. Doom" zu: "Je schwächer die Wirtschaft läuft, je mehr verteuern sich Aktien", sagt er. Dann müsste im Umkehrschluss nun eher eine Korrektur heraufziehen. Die liegt schon seit Wochen in der Luft, einfach aufgrund der starken Überkauftheit. Wenn jetzt zu viele gute Nachrichten von Unternehmen oder Makrodaten kommen, dürfte das eher Gewinnmitnahmen forcieren. Die Volumenverteilung ist sowieso in Distribution (siehe Chart!), und wenn dann die Seitenlinie nicht gierig genug herbei springt, kann der Ausgang schnell zu eng werden.  

In den vergangenen Tagen kam zwar frisches Kaufinteresse auf, aber unter der Decke gibt es Hinweise, dass sich das Blatt bald wendet. So zeigte in den vergangenen Tagen das Währungspaar Dollar/Yen nachhaltige Schwäche, dem sich seit gestern Euro/Yen anzuschließen scheint. Beide sind seit längerem als "Carry-Trade-Indikatoren" bekannt. Steigende Aktienkurse werden von steigendem Dollar, bzw. Euro gegen Yen begleitet. Dieser ausgeprägte Gleichlauf ist seit Anfang 2004/Ende 2003 fast durchweg (mit Unterbrechungen in 2008) gegeben (siehe Chart!). Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der stärkere ECW, der aus Intermarket-Korrelations-Aspekten ebenfalls seit Jahren mit Bull-Phasen an den Aktienmärkten synchron geht. Gegenwärtig bezieht er seine Stärke im wesentlichen aus dem schwächeren Dollar/Yen. Das alles sind allemal neben anderen frühe, vom Währungskomplex ausgehende Warnzeichen.  

"Replay April?" hatte ich vor einiger Zeit gefragt. Vieles deutet darauf hin, dass wir da jetzt in die Gegend des 8. Mai kommen, der den Beginn einer Seitwärtsbewegung zwischen 950 und 870 im S&P 500 markierte, die Mitte Juli nach oben aufgelöst wurde. Interessant auch, dass der Aktienindex gestern exakt an der Spitze eines vormaligen Bärkeils geschlossen hat, der am 1. September "regelkonform" nach unten verlassen wurde.

Abgesehen von einem wahrscheinlich freundlichen Wochenschluss erscheint mir ein kurzfristiges Rückschlagspotenzial bis gut 1010 eröffnet. Bei nachhaltig guten Makronachrichten kommt darunter dann 980 und darunter die Zone um 950 ins Spiel. Bezogen auf den Crash 2008 befindet sich der Index übrigens auf dem Intraday-Stand vom 7. und 14. Oktober.

Auf Sicht einiger Wochen aber bleibt die Zone um 1180 (+/-50) im S&P 500 ein wichtiges Ziel.      

Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!
Antworten
pfeifenlümmel:

Japan deutet

4
13.09.09 11:06
die weitere Entwicklung an: Japan ist hoch verschuldet und hat seit Jahren Zinsen nahe Null. Höhere Zinsen können sich die Japaner nicht leisten, weil ansonsten die Schuldenlast den gesamten Haushalt einnehmen würde. Niedrige Zinsen verlangen aber keinen Aufschwung. Basta.
Auch in Europa und den USA ist die Schuldenlast stark gestiegen. Ein großer Aufschwung würde auch hier zu einer hohen Belastung der Haushalte führen.
Die jetzige Situation sieht für mich wie ein Strohfeuer aus. Man braucht nur an die Autoindustrie bei uns zu denken, die ja eine Schlüsselindustrie ist. Nach der Prämie nun Ebbe.
Aktienkurse können aber auch noch weiter steigen. Aktionäre sind schlau, sie nehmen die Situation in mindestens einen halben Jahr schon vorweg. Uns kann deshalb nichts passieren, der Aufschwung ist uns also sicher.
Antworten
Malko07:

Für unsere Zockerbanken

11
13.09.09 11:09
liegt nur scheinbar ein Gewinn in den steigenden Aktienkursen. Es ist nun mal unmöglich, dass die Mehrheit an den Börsen Geld verdient. Die Gewinner nehmen das Geld den Verlieren ab und die Betreiber kassieren noch Gebühren. Die Mehrheit kann sich nur temporär reich fühlen, Buchgewinne eben, die nicht realisierbar sind. Die Banken, die sich an den Aktien- und Rohstoffmärkten gesund stoßen wollen müssen aber irgendwann einen erklecklichen Anteil der Buchgewinne realisieren. Dann ist der Tag der Wahrheit gekommen und die Reise nach Jerusalem endet vorerst und über die Hälfte der Zockerbanken steht dann wieder beim Steuerzahler zur Rettung an.

Auch sonst schwindet die Risikoaversion massiv. Weshalb soll man keine Anleihen und Zertifikate von kranken Banken kaufen wenn doch der Staat deren Überleben garantiert? Wenn der Staat große Industriefirmen nicht sterben lässt, kann man bedenkenlos Anleihen von todkranken Konzernen  kaufen. Sie werden nicht Pleite gehen. Gegenüber dem Spiel, das die letzten Monaten bei Firmenanleihen gelaufen ist kann man den Aktienmarkt getrost vergessen. Von wegen Anleihekäufer sind schlauer, es sind ja im wesentlichen dieselben Spekulanten. Für die Banken ist es eben ein riesiges Geschäft mittels billigen Krediten bei der Zentralbank Anleihen zu kaufen und die Zinsdifferenz in die Tasche zu stecken. Dies Geschäft, das anfänglich primär mit Staatsanleihen gelaufen ist, hat jetzt auch den Firmenanleihemarkt erobert. Bei steigender Risikoaversion werden die Renditen wieder steigen und die Banken werden wieder einen größeren Abschreibungsbedarf haben. Auch bei Staatsanleihen sind unsere Zockerbanken stark unterwegs. Da werden massiv längerfristige Staatsanleihen kurzfristig (u.a. mit Zentralbankkrediten) refinanziert. Lehman und HRE lassen grüßen.

Auch an den Rohstoff- und Energiemärkten sind unsere lieben Zockerbanken  und deren Töchter auch massiv unterwegs. Wo es nur geht, wird versucht zu kassieren. Jedes Risikobewusstsein ist hinüber. Man ist sich bewusst, dass man nur mit hohen Zockergewinnen siegreich diese Schlacht verlassen wird. Einer der nicht mitmacht, geht an seinen alten Verpflichtungen zu Grunde oder wird später gefressen werden. Es bleibt ihnen also nicht anders übrig. Die Schuldigen sind nicht die Bonikassierer sondern die unfähige/unwillige Politik.

Die Staaten hätten die notwendigen Regulierungen zur Eindämmung der hochrisikobehaffteten Geschäften schaffen müssen. Sie haben es aber nicht getan. Wieso? Nun sie hoffen, dass "ihre" Banken zu den Gewinnern zählen werden und sie damit weniger Lasten verteilen müssen.

Der Anteil der reinen Devisenspekulation ist durch obige Geschäfte massiv "relativ" zurückgedrängt worden. Mann kann in den Devisenveränderungen obige Geschäfte schön nachvollziehen. Es ist ein Witz zu glauben, die US-Finanzbranche würde den US-$ schwächen damit die Realwirtschaft konkurrenzfähiger würde. Denen ist, wie schon seit langem, die Realwirtschaft absolut egal. Und in der US-Administration sitzen nicht wenige Lobbyisten aus der US-Finanzwirtschaft.

Bedingt durch das billige Geld herrscht Inflation bei Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Sowie die steigenden Aktienpreise manchen Konsumenten sich reicher fühlen lassen, machen ihn die steigenden Rohstoff- und Energiepreise real ärmer. An jedem Monatsende kann er Bilanz ziehen und wird dann deprimierter. Da die Verschuldungsorgie nicht endlos weiter laufen wird, wird er demnächst durch höhere Abgaben noch ärmer. Alles Voraussetzungen für eine nette Depression. Anschließend kann man dann etliche volkswirtschaftliche "Erkenntnisse" endgültig revidieren.
Antworten
permanent:

Finanzkrise trifft Manhattans Megadeal ins Mark

2
13.09.09 11:15

Finanzkrise trifft Manhattans Megadeal ins Mark

13.09.2009 , 10:19 Uhr von Rolf Benders

Eine der spektakulärsten Immobilientransaktionen in der New Yorker Geschichte gerät in Schwierigkeiten. Vor drei Jahren haben Investoren für 5,4 Mrd. Dollar die Hochhaussiedlungen Stuyvesant Town und Cooper Village auf der Lower Eastside Manhattan gekauft. Weil aber die Preise fallen, droht die Investition zum Desaster zu werden.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/...l-ins-mark;2455937

Antworten
Stöffen:

Sicherlich können Aktienkurse noch weiter steigen

4
13.09.09 11:22
Schaut euch mal bitte kurz das Interview mit Marc Faber vom 10.09.09 im australischen TV an (Link dazu weiter unten), es ist wirklich recht interessant und unterhaltsam. Faber sieht es ähnlich wie ich es bereits in Posting #49017 ausgeführt habe:

Nämlich dass bei jeder sich anbahnenden etwaigen größere Korrektur an den Aktien-Märkten die Zentralbanken sofort ihre Geldschleusen noch weiter öffnen werden um somit ein größeres Durchsacken der Märkte zu verhindern. Daher habe ich ja auch zu Anfang des o.g. Posts die Frage aufgeworfen, ob und inwieweit es nicht ein finanzieller Harakiri ist, in den Zeiten von Quantitative Easing der Zentralbanken längerfistig short zu gehen.

Ich habe hier vor einigen Wochen bereits geschrieben, dass ich keine Shorts halte und auch momentan nicht gedenke, derlei Positionen längerfristig einzugehen. Warum sollte ich mein Geld gegen die Zentralbanken-Crooks setzen und damit wahrscheinlich verbrennen?

Als pragmatischer Bär versuche ich es daher mal kurz auf den Nenner zu bringen: Die Rally ist technisch stark, die Börsianer sehen mal wieder die beste aller Welten, die Bullen feiern und dieses darf dann auch von Bären nicht ignoriert werden.

Also kann man da als Opportunist entweder mitmachen bzw. bereits etwaig eingenommene Long-Positionen halten bzw. laufen lassen, wenn man sich der Gefahr von Rücksetzern durchaus bewusst ist, oder man hält sich raus aus dem Aktien-Markt oder geht wie Malko z.B. in den Anleihen-Sektor, welcher ja auch nicht gerade unattraktiv ist.

Zu dem Faber-Interview geht’s hier entlang
blog.finanzen.net/2009/09/10/neues-von-marc-faber/
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!
Antworten
Anti Lemming:

Seltsame Logik von Faber und Singer

9
13.09.09 11:44

Die Faber-These, dass die Börsen umso höher steigen, je schlechter die Wirtschaft läuft (weil dann umso mehr Liquidität gepumpt werden muss), hört sich für mich an wie coole Sprüche aus der Ära der Dot.com/Internet-Blase, dass "herkömmliche Bewertungsmaßstäbe nun keine Rolle mehr spielen".  Ich hab bereits vorgestern in einem Posting vermutet, dass Fabers These in Wirklichkeit darauf fußen könnte, dass er seit langem Goldbulle ist. Wenn sein Hammer das Gold ist, sieht die Restwelt schnell wie ein Nagel aus.

Singer hat sich dieser "Logik" teilweise angeschlossen, indem er sagt: "Abgesehen von einem wahrscheinlich freundlichen Wochenschluss erscheint mir ein kurzfristiges Rückschlagspotenzial bis gut 1010 eröffnet. Bei nachhaltig guten Makronachrichten kommt darunter dann 980 und darunter die Zone um 950 ins Spiel." Würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass weitere schlechte Nachrichten den SPX auf sein Kursziel von 1180 hieven? Hört sich für mich verdammt verquast an.

Zu Inflation/Deflation schreibt Singer, mMn korrekt: "

Eine ganz andere Frage ist, ob der inflationäre Impuls tatsächlich von der Finanz- in die Güterwirtschaft überspringt. Aktuell sieht das nicht so aus - im Gegenteil: deflationäre Effekte dürften noch weiterhin die Oberhand behalten.

"

  Es stünde demnach einer Assetpreis-Inflation eine realwirtschaftliche Deflation gegebenüber.

Das Beispiel Japan (ab 1990) lehrt jedoch, dass bei einer Deflation langfristig auch die Assetpreise nachgeben. Der Nikkei hat sich in den 19 Jahren seit 1990 fast geviertelt. Letztlich bildet die Börse ja die Realwirtschaft ab - zumindest auf lange Sicht.

Japan hatte in den 1990ern ebenfalls versucht, durch Infrastrukturmaßnahmen und Überschuldung (zurzeit Weltrekord in Schulden/BIP, über 200 %) die Deflation aufzuhalten. Es ist nicht gelungen, obwohl massiv Mittel flossen. Mir fallen keine schlüssigen Argumente ein, warum es in USA jetzt nicht genauso laufen sollte.

Eine Assetpreisinflation, in der ALLES steigt, kann mMn nicht nachhaltig sein. Wir sehen sie zurzeit in der - widersinnigen - Form, dass Aktien, Bonds, Gold, Öl usw. synchron steigen, allesamt getrieben von übermäßiger Liquidität. Auch 2007 war es im ersten Halbjahr die "Hyperliquidität", die damals noch Überschwang generierte und den Private-Equity-Wahn sowie mehrere M&A-Aktionen an jedem WE anschob. Ich möchte nochmal daran erinnern, dass diese Hyperliquidität praktisch von einem Tag zum nächsten wegbrach und einer Trockenstarre wich.

2007 kam das viele  Geld noch aus privater Hand (Banken usw.) Heute sind es - weltweit - Staatsgelder. Die Überschuldung in USA ruft aber bereits jetzt Skeptiker auf den Plan (Chinesen u. a.). Sorgen um weiteren Dollarverfall ("Weginflationierung" von US-Schulden) gehen einher mit zunehmender Sorge um eine möglicherweise wegbrechende Nachfrage nach US-Staatsanleihen. Fänden sich für die US-Anleihen nicht mehr genügend Käufer, mutierte Blase 3.0 zur Totgeburt.

Nicht ohne Grund ist zurzeit jede neue Auktion von US-Staatsanleihen eine latente Angstpartie, gefolgt von Erleichterungsrallyes, dass es doch noch genügend Bieter gab. Doch wenn immer mehr Leuten klar wird, dass die Fed vielen dieser "Bieter" (US-Großbanken) das Zeug kurz darauf wieder abkauft,  um es im Soma-Account zu verstecken, werden die Sorgen um wegbrechende Nachfrage nach US-Staatsanleihen weiter steigen. Das führt dann dazu, dass der Dollar noch weiter fällt und Gold und Rohstoffe weiter steigen.

Ein starker Anstieg von EUR/USD träfe aber  nicht zuletzt die ohnehin angeschlagene EU-Wirtschaft. Teures Öl und teure Rohstoffe, gepaart mit billigem Dollar, sind das letzte, was Eu-Exporteure jetzt gebrauchen können. Ein Euro-Kurs deutlich über 1,50 bräche der deutschen und der EU-Exportwirtschaft vollends das Genick (EADS verdient bereits ab 1,57 nichts mehr), zumal "die Konkurrenz aus China" (meine letzten beiden Postings) ja eine immer noch implizit an den Dollar gebundene Währung hat. Dem Aufblasen von Blase 3.0 sind daher enge Grenzen gesetzt. Es geht nicht "ewig so weiter", wie Faber offenbar suggerieren will. Der Dollar ist die Sollbruchstelle.

Da die Assetpreis-Inflationierung zwangsläufig mit einem immer schwächeren Dollar einhergeht, führen die Währungsungleichgewichte dazu, dass Europa über kurz oder lang die "Exportluft" wegbleibt. Dann werden aber auch die Spin-Stories, dass Europa und/oder die BRIC-Staaten (oder die Eskimos) als Ersatz für die Ex-Lokomotive USA die Weltwirtschaft retten, immer fragwürdiger. Die Assetblasen-Treiber kommen dann argumentativ ins Stottern.

Nach meinem

aktuellen Fazit wird wohl fast ausschließlich China

(und m. E. die anderen BRIC-Staaten) von der kommenden Entwicklung profitieren. China wird sich am wegbrechenden Gesamtkuchen eine dickere Scheibe sichern. Die Restwelt dürfte wegen der Billiglohn- und Billigwaren-Konkurrenz in Deflation versinken. Für die Aktienkurse in der EU und USA hieße das: Es geht weiter runter. Die chinesische Konjunkturlok dampfpfeift sich derweil ihr eigenes Hausse-Liedchen, das zugleich die Toten-Hymne für die "ehemaligen Exportnationen" ist.

Antworten
Stöffen:

Klar, Anti

4
13.09.09 11:47
die Krise wird mit den gleichen Mitteln bekämpft, welche sie verursacht haben, nämlich mit verfehlten staatlichen Stützungsmassnahmen und tiefen Zinsen.
Und eben auch mit den Folgen, dass die Staaten immer tiefer in den Schuldensumpf hineingleiten.
Daher macht es für mich längerfistig Sinn, bärisch eingestellt zu bleiben. Nur macht es für mich einfach keinen Sinn, mir an einem aktuell lichterloh brennenden Strohfeuer die Finger zu verbrennen.
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!
Antworten
Malko07:

Stöffen, so einfach wie Faber

10
13.09.09 11:59
die Welt sieht ist sie mMn nicht. Als es mit der Zinssenkungsorgie los ging, war die Mehrheit hier von einer starken Inflation bei den Konsumentengüter spätestens in 2009 überzeugt. Eine Minderheit vertrat die Meinung, dass bei einer Überschuldung billiges Geld dem Konsumenten nicht mehr helfen kann und es eher zu deflationären Tendenzen kommen würde.

Wenn jetzt die Aktienmärkte absacken würden, was würde dann das Öffnen der Geldschleusen helfen? Sie stehen eh schon sperrangelweit offen und die Banken bekommen unbegrenzt Geld. Mehr als unbegrenzt geht nicht. Und wenn die Zockerbanken beschlossen haben Kasse zu machen, weshalb sollten sich dann von minimal verbesserten Kreditbedingungen (mehr als minimal ist eben nicht mehr drin) in ihrer Entscheidung beeinflussen lassen? Vorallem, wenn sie etwas zu spät dran sind, könnten sie wiederum Pleite sein. Die Zentralbanken könnten in einer derartigen Situation den Absturz nur verhindern wenn sie selbst massiv Aktien kaufen würden - also der Weg in die volle Verstaatlichung. So wichtig sind aber Aktien nicht. Wichtig sind nur Staatsanleihen bei der aktuellen Verschuldungsorgie der Staaten.

Trotzdem bin ich mit dir einverstanden, dass es momentan sehr gewagt ist gegen den Wahn zu shorten. Es kann morgen vorbei sein, es kann aber noch sehr lange aufwärts laufen. Ein sinnvoller Einstiegspunkt ist momentan mMn noch nicht absehbar. Das kann sich ändern, noch ist es nicht soweit.

Das Spielchen das momentan läuft, ist mMn etwas größer als dass man es auf eine Verschwörung an den Aktienmärkten reduzieren könnte.
Antworten
Anti Lemming:

Irrationale Risikofreude bei Junk-Anleihen

3
13.09.09 12:17
zeigt sich zurzeit am Besten bei einem ETF namens HYG, in dem Junk-Anleihen von US-Firmen vereinigt sind. HYG bringt 10 % "Dividenden"-Rendite. Die sind jedoch "teuer erkauft", da die Anleihen allesamt mieser als BBB bewertet sind - dem untersten Investmentgrad für normale Anleihe-Fonds.

Hier ein Blick auf die beängstigende Porfolio-Mischung bei HYG:
us.ishares.com/product_info/fund/overview/HYG.htm   (rechte Spalte!)

Wie es weitergehen könnte, wenn die "Reise nach Jerusalem" beginnt, zeigt der Chart von HYG im Herbst 2008.

Im Sommer 2007 wurde das Hoch bei Junk-Anleihen (und anderem Müll wie CDOs) ebenfalls dadurch markiert, dass der Spread zu (wirklich) hochwertigen Staatsanleihen gegen Null sank.
(Verkleinert auf 80%) vergrößern
Der USA Bären-Thread 259173
Antworten
thostar:

Wie die Hausse finanziert wird

3
13.09.09 12:32
und ich meine diejenigen seit 2002, kann man an der Entwicklung des Eur/Usd erahnen (die trotz aller gegenteiligen Behauptungen allein am Datum eindeutig mit der Start der Bush-Administration in Verbindung steht):
Der Dollar wertet ab, weil Amerika auf Pump immer mehr konsumieren muss, um diese kläglichen Rallys aufrecht erhalten zu können.
Angesichts der Meldung vom Dienstag (Die US-amerikanischen Verbraucherkredite haben sich im Juli um 21,6 Mrd. US-Dollar verringert. Erwartet wurde ein Rückgang um -8,5 bis -4,0 Mrd. US-Dollar. Zuvor war ein Rückgang um rund 15,5 Mrd. US-Dollar zu verzeichnen gewesen. Damit wurde der Vormonatswert von -10,3 Mrd. US-Dollar nach unten revidiert) frage ich mich, ob diese Entwicklung weitergehen kann. Ich bezweifle es fast.
Am Chart ist auch erkennbar, dass die enorme Hausse der verg. 6 Monate das Langfrist-Momentum (monthly) noch nicht einmal annähernd an die Null-Linie geführt hat. Da müsste noch viel Druck da sein, der sich vorübergehend in Luft aufgelöst hat.
Der USA Bären-Thread 259174
Antworten
Anti Lemming:

Hausse-Finanzierung (EUR/JPY)

4
13.09.09 12:51
Ich halte den Chart "Euro zum japanischen Yen" (EUR/JPY) für bedeutsamer als EUR/USD. Die Finanzierung von Blase 2.0 (2003 bis 2007) erfolgte zu einem erheblichen Teil über Yen-Carry-Trades.

Inzwischen gibt es wegen der Nullzinsen in USA eine neue Tendenz zum Dollar-Carry-Trade. Das ist mit ein Grund dafür, warum der Yen zum Dollar so stark wird - zum Leidwesen der Japaner... Die Dollarzinsen sind zurzeit sogar noch niedriger als die Yen-Zinsen.

Dem Dollar-Carry-Trade verdanken wir auch die jüngste Hausse bei den Rohstoffen. Zocker verschulden sich in Dollar und kaufen damit die Rohstoffe hoch - solange die Risikoscheu klein bleibt. So gesehen ist der Dollar in der Tat eine Art "sicherer Hafen". Der Yen war bzw. ist in dem Sinne auch ein sicherer Hafen, denn er stieg in Krisen bislang immer recht zuverlässig. Das liegt freilich weniger am "inneren Wert" des Yen oder Dollar, sondern am Marktdruck, der mit Carrytrade-Rückabwicklungen zwangsläufig einhergeht.



Bislang galt EUR/JPY als guter Frühindikator für die weitere Börsenentwicklung. Hier sieht es mMn nach einer mittelfristigen Trendumkehr nach unten aus:
(Verkleinert auf 61%) vergrößern
Der USA Bären-Thread 259176
Antworten
Dreiklang:

Die Weltwirtschafts- und Bärenkrise

7
13.09.09 12:57
Wenn ein Trend z.B. wöchentlich 1.5%, dann 0.9, 1.7, 1.6,  dann 1.4 und zuletzt 1.2% in eine Richtung verlief, dann kann man zwar aus einem für 6 Wochen einheitlichen Trend eine gewisse überkauft bzw überverkaufte Situation diagnostizieren, aber mit nichts lässt sich daraus ableiten, dass in der nun folgenden Woche der Trend auf z.B -1.0% dreht. Stattdessen wird man ein Trendmittel von 1.4% berechnen und evtl. aus dem Median eine Trendspanne von +/- 0.2% bestimmen. Und die Kursprognose mit diesen Daten fortschreiben.

Wie stehen wir da momentan?

Ich habe mal meinen RMACD-Indikator auf den Wochenchart des DAX angewendet. Die rote Linie entspricht exakt dem 12,26 MACD (Kurs drüber, Signallinie würde nach oben gekreuzt werden und umgekehrt). Die blaue Linie ist ein etwas trägerer MACD.  "Bärisch" ist der Indikator, wenn blau über rot steht, "Bullisch" umgekehrt. Der RMACD hat nun die Eigenschaft, dass für jeden beliebigen Trend der Kursverlauf mit dem RMACD übereinstimmt, sofern der Trend nur lang genug stabil ist.

Ergebnis:  Mitte Juli  2007 durchbrach der DAX das Kursband beim DAX-Stand ca. 7800 nach unten und die Linien kreuzten. Ende März 2009 war der Bärenmarkt vorbei, die rote Linie kreuzte die blaue bei ca. DAX 4200.

Das "Julitief" gefährdete den Trend in keiner Weise, statt dessen hat der DAX nur auf dem "blauen" RMACD aufgesetzt und sofort wieder gedreht, welches trendbestätigend aufgefaßt werden kann. Momentan läuft der Index an der Oberkante des Kursbandes gleichmäßig nach oben. Der momentan weite Abstand des roten zum blauen Kursband kann als kräftiges Aufwärts-Moment angesehen werden.

Das alles kann natürlich jederzeit vorbei sein. Es gibt aber keinen Grund, deswegen auf das Eingehen weiterer Longpos. zu verzichten. Wozu gibt es eigentlich Stops? Evtl. gestaffelt, um  Sägezahnverluste zu minimieren (ist bei Stops die prinzipielle Gefahr) , die Nachkaufoption zu haben, wenn der Kurs wieder nach oben dreht. Zugleich sind shorts in der ggw. Situation nur als Stop-Buy , also prozyklisch im Downer, möglich. Lösen GS u.a. z.B. einen kräftigen Downer aus, um Longies abzuschütteln bzw. auszustoppen, würden große SSB (short-stop-buy) die ganze Sache erheblich unkalkulierbarer machen.

Mehr Bär geht mMn momentan nicht :(

Im Chart ist (orange) ein 40er GD zu finden, der entspricht dem 200er GD im Tageschart. Der überzeugt als Handelssignal nicht wirklich (Gruß an den AZ-Thread), da Fehleinstieg Anfang Juni 2009 bei DAX>5000 (genau im Hoch) , viel zu spät wieder Ende Juli bei >5200 Punkten, abgesehen davon auch Einstieg ausgerechnet im Juni-Hoch 2008.

Habe natürlich eine große Position DBX1DS, alles bei über 5100 bis 5450 gekauft. Die fkueblerische Variante, ODAX-Calls zu schreiben, halte ich zwar für spannend, aber momentan zu früh.  Aus der Trendstärke würde ich ableiten, dass der DAX locker bis auf den Stand vor der Lehmann-Pleite hochzieht, also ca. 6200. Die Obergrenze würde ich bei DAX 7200 sehen, das Junihoch 2008.


Die Motivation, Calls zu schreiben ab DAX ca. 6100, wäre natürlich verlockend, bei Risiko bis zu den 7200. Hat man aber  das Underlying (gehebelter ETF auf DAX long), ist das Risiko weggehedgt, und die Calls ergeben sich schon logisch zu Absicherungszwecken, wie das ein "klassischer" Fonds auch machen würde. Ganz ohne Hedge im noch vorhandenen Uptrend Calls zu schreiben (und dies bei weiter anziehendem Index zu wiederholen), wäre mir zu heiß.
(Verkleinert auf 70%) vergrößern
Der USA Bären-Thread 259177
Antworten
Anti Lemming:

Gegenargument

3
13.09.09 13:14
Im Juli 2007 - nach einem langen steilen Anstieg - lag die rote Linie ebenfalls über der blauen. Nichtsdestotrotz lag hier (bis auf einen letzten kurzen Upspike im Herbst) der Endpunkt einer langen Aufwärtsbewegung.

Daraus schließe ich, dass "Dein" Indikator auch jetzt erst "posthum" das Ende der Bärenmarkt-Rallye anzeigen wird.

Der Vergleich eines schnellen mit einem langsamen Indikator verrät mMn nicht mehr, als wenn man den Chart direkt betrachtet.
Antworten
Stöffen:

Malko, die Diskussion Deflation vs. Inflation

7
13.09.09 13:24
trägt für mich momentan die Züge eines Tippspiels. Ich kratze mir da oft den Kopf und versuche die Argumente für mich zu gewichten, einfach ist eine Entscheidungsfindung ganz sicher nicht. Ich selber habe bisher keine abschließende Klarheit diesbezüglich gewonnen und auch die Stars der Ökonomen-Zunft streiten um die künftige Entwicklung. Einerseits haben wir die Überkapazitäten und die hohe Arbeitslosigkeit, die einen Preisauftrieb wohl schwerlich zulassen dürften. Möglicherweise ist eine Inflation an den Gütermärkten viel weniger wahrscheinlich als eine Inflation an den Asset-Märkten oder diese setzt evtl. womöglich erst später ein. Dies könnte eine Art Mittelweg darstellen, der vielleicht richtig ist oder aber nur wie bereits angeführt, meine Unentschlossenheit widerspiegelt. Ob man mit seinen Entscheidungen am Ende richtig oder falsch liegt, weiß man eh dann erst hinterher.

Einige Statements und Überlegungen mal dazu von diversen Geistesgrößen:

Paul Krugmans Kontra-Argumente zur Inflation (“The first story is just wrong. The second could be right, but isn’t”):

a) Das Geld, das die Fed “druckt”, kommt nicht in den Umlauf, sondern lagert über den kurzen Umweg über die Banken wieder bei der Fed.
b) Manchmal führten hohe Staatsdefizite zu Inflation, manchmal auch nicht. Bei einigen Ländern waren die Schulden im Verhältnis zum BIP genauso hoch oder auch höher, und Inflation gab es trotzdem keine. Offensichtlich besteht kein Automatismus.

Pro Inflation hier die Ökonomen Mankiw und Rogoff

Das Deflationsrisiko ist inzwischen so groß, dass zwei angesehene amerikanische Ökonomen, Gregory Mankiw und Kenneth Rogoff, dafür plädieren, mit allen Mitteln für ein paar Jahre eine Inflationsrate von etwa 6% anzustreben. Zitat Rogoff: “There’s trillions of dollars of debt, in mortgage debt, consumer debt, government debt. It’s a question of how do you do achieve deleveraging. Do you go through a long period of slow growth, high savings and many legal problems or do you accept higher inflation?”

Pro-Inflation auch der Geldtheoretiker John Taylor:

„Vor allem angesichts der zunehmenden Verschuldung: Vergangene Woche warnte der renommierte Geldtheoretiker John Taylor in der «Financial Times», dass die «explodierenden Staatsschulden» Amerika bedrohten. Der Erfinder der Taylor-Regel (sie hilft den Notenbanken, den richtigen Zinssatz festzulegen) rechnete vor, dass die staatlichen Schulden von 41% des Bruttoinlandprodukts in zehn Jahren auf 82% anwachsen und kurz darauf 100% erreichen werden. Die Rating-Agentur Standard and Poor's habe bereits die Aussichten für britische Staatsanleihen von stabil auf negativ gesenkt – «das sollte dem US-Kongress und der Regierung als Weckruf dienen», so Taylor. Denn es gebe realistischerweise nur einen Weg, um die Schulden wieder runterzubringen: Inflation. Taylor rechnet mit 10% Inflation während 10 Jahren, damit die Schulden wieder auf das Niveau von 2008 zurückkommen.“

Pro-Inflation auch hier:

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, warnte vor einer "Horror-Inflation" zwischen fünf und zehn Prozent im Jahr 2011. Von der derzeit nahe Null liegenden Preissteigerungsrate dürfe man sich nicht einlullen lassen, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die Geldentwertung wird so stark ausfallen wie seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr." Der Staat müsse von den hohen Schulden herunterkommen. Da sei Inflation eine sehr einfache Lösung.
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!
Antworten
Anti Lemming:

Langzeit-Chart Dollar zum Yen

6
13.09.09 13:30
USD/JPY - unten ein Langzeit-Chart - zeigt in den letzten Monaten erhebliche Schwäche, was mMn daran liegt, dass der Dollar nun den Yen als Carrytrade-Währung ablöst (siehe auch # 49038). Für japanische Exporteure ist das ziemlich unangenehm, weil sie zu einem großen Teil nach USA exportieren. Die Chinesen hingegen sind "fein raus", weil der Yuan immer noch mehr oder minder fest an den Dollar gekoppelt ist. Wegen dieser "Währungsmanipulation" läuft die Konjunktur in China deutlich besser als in Japan.
(Verkleinert auf 61%) vergrößern
Der USA Bären-Thread 259179
Antworten
permanent:

Wichtige Daten und Ereignisse -

5
13.09.09 13:49
Wichtige Daten und Ereignisse - Woche: [14.09. - 18.09.2009]

TagRegionArt des TerminsHSBC TuBKonsensVorperiode
DiGBKonsumentenpreise, Aug. (10.30)1,5 % gg. Vj.1,4 % gg. Vj.1,8 % gg. Vj.
 DEZEW-Lagebeurteilung, Sept. (11.00)-70,0-66,6-77,2
  ZEW-Erwartungen, Sept. (11.00)63,059,556,1
 USProduzentenpreise, Aug. (14.30)0,8 % gg. Vm.0,8 % gg. Vm.-0,9 % gg. Vm.
  Kernrate, Aug. (14.30)-0,1 % gg. Vm.0,1 % gg. Vm.-0,1 % gg. Vm.
  Einzelhandelsumsätze, Aug. (14.30)2,0 % gg. Vm.1,7 % gg. Vm.-0,1 % gg. Vm.
  ex Autos, Aug. (14.30)0,4 % gg. Vm.0,4 % gg. Vm.-0,6 % gg. Vm.
  Empire State-Index, Sept. (14.30)15,015,012,1
  Bernanke-Rede (16.00)   
MiEURKonsumentenpreise (final), Aug. (11.00)-0,2 % gg. Vj.-0,2 % gg. Vj.-0,7 % gg. Vj.
 USKonsumentenpreise, Aug. (14.30)0,4 % gg. Vm.0,3 % gg. Vm.0,0 % gg. Vm.
  Kernrate, Aug. (14.30)0,1 % gg. Vm.0,1 % gg. Vm.0,1 % gg. Vm.
  Leistungsbilanz, 2. Quartal (14.30)-92,0 Mrd. USD-92,0 Mrd. USD-101,5 Mrd. USD
  Industrieproduktion, Aug. (15.15)0,7 % gg. Vm.0,7 % gg. Vm.0,5 % gg. Vm.
  Kapazitätsauslastung, Aug. (15.15)69,1 %69,1 %68,5 %
  NAHB-Hausmarktindex, Sept. (19.00)201918
DoJPBoJ-Zinsentscheidung0,10 %0,10 %0,10 %
 CHSNB-Zinsentscheidung (14.00)0,25 %0,25 %0,25 %
 USBaubeginne, Sept. (14.30)610.000 (ann.)594.000 (ann.)581.000 (ann.)
  Baugenehmigungen, Sept. (14.30)600.000 (ann.)580.000 (ann.)564.000 (ann.)
  Philly Fed-Index, Sept. (16.00)8,08,04,2
Quelle: HSBC Trinkaus

Antworten
permanent:

USA riskieren Handelskrieg

6
13.09.09 13:53
Schutzzoll auf chinesische Reifen

USA riskieren Handelskrieg

Ein Sprecher des US-Präsidialamtes begründete den Schritt damit, dass die amerikanische Reifenindustrie vor eindeutigen Beeinträchtigungen durch die günstigere Konkurrenzware aus China geschützt werden müsse.

Das chinesische Handelsministerium warf der Regierung in Washington daraufhin Protektionismus vor. Die Zölle könnten eine Kettenreaktion im Welthandel auslösen und die Erholung von der der globalen Krise verlangsamen, hieß es auf der Internetseite des Ministeriums. Die Maßnahmen seien zudem das falsche Signal unmittelbar vor dem G20-Gipfel in Pittsburgh.

US-Präsidialamtssprecher Robert Gibbs versuchte nach den heftigen Reaktionen aus Peking die Wogen zu glätten und sagte, es würden nur die geltenden Regeln umgesetzt. Er rechne nicht damit, dass sich daraus ein Handelskrieg entwickle. Chinas Handelsminister Chen Deming erklärte indes, er betrachte den Importstreit mit den USA als besonders ernst.

Die USA verhängten erstmals seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO vor acht Jahren derartige Schutzzölle gegen die Volksrepublik. In den vergangenen Monaten hatten die Regierungen beider Länder stets erklärt, die Erholung der Weltwirtschaft gemeinsam vorantreiben zu wollen. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise beteuerten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, nicht mit Protektionismus auf den massiven Abschwung der Wirtschaft zu reagieren. Der Streit um die Reifenzölle könnte nun das G20-Treffen am 24. und 25. September ebenso überschatten wie den China-Besuch von Präsident Barack Obama im November.

Die USA erhöhen ab Ende September die Zölle auf chinesische Reifen von bisher fünf auf 35 Prozent. Im zweiten Jahr sinken sie auf 30 Prozent, im dritten auf 25 Prozent. Die Gewerkschaft der Stahlarbeiter, in der die Angestellten vieler US-Reifenhersteller organisiert sind, hatte die Schutzzölle gefordert. Den Gewerkschaftsangaben zufolge verdreifachten sich die Reifenimporte aus China von 2004 bis 2008 auf 46 Mio. Stück. Mehr als 5000 Arbeiter in der Industrie hätten dadurch ihren Job verloren.

Quelle: rts

Antworten
Anti Lemming:

Stöffen - Inflation und Zinskurve

3
13.09.09 13:53
Wenn die Inflation wirklich so stark stiege wie die pro-Leute (Straubhaar) annehmen, würden sich in einem solchen Umfeld auch die Aktienkurse nicht hoch halten können. Die Zentralbanken würden über kurz oder lang gezwungen, die  Leitzinsen wieder zu erhöhen. Aktien erhielten dann durch besser rentierende Tagesgeldkonten Konkurrenz.

Offen bleibt, wie das "lange Ende" der Zinskurve bei Leitzinserhöhungen reagiert. Manche Ökonomen glauben, es könnte dann am langen Ende runtergehen. Die Kurve - zurzeit extrem steil - würde also abflachen. Das wäre schlecht für die Banken, weil diese dann nicht mehr "die Zinskurve spielen" können - zurzeit eine ihrer wichtigsten Erwerbsquellen.

Steigen die Zinsen über die gesamte Zinskurve, erlitten diejenigen Anleger, die jetzt - darauf vertrauend, dass wir eher Deflation japanischen Zuschnitts bekommen - Anleihen halten, Kursverluste. Man kann sie nur dadurch gering halten, dass man sich für kürzere Laufzeiten entscheidet. Auch für die Staaten wäre das schlecht, weil der Schuldendienst teurer würde und auslaufende Anleihen beim Roll-Over durch neue mit höherem Coupon ersetzt werden müssten.
Antworten
Dreiklang:

AL ein Indikator ist keine Glaskugel

7
13.09.09 13:58
aber er kann dazu dienen, eine Gegenbewegung einzuschätzen.
Der Wochendax ist auch nicht mein bevorzugtes Intervall (im AZ-Thread sind wir jetzt ja schon bei Monatscharts (!)) sondern für Positionstrades 2h bis 4h Intervalle.

Näher aufgelöst erkennt man im Daily, dass die Rallye bereits am 6. Juni beendet war. Der Stop war aber der gleiche: Rausfall aus dem Kursband bei DAX 7800. Danach noch kurzfristige Longchance, als der DAX wieder in das Kursband hineinkam mit der Speku auf Erreichen des oberen Kursbandes. Da prallte er ab, lief wieder unter den Trend -- Uptrend vorbei.

Richtig bärisch wurde es erst, als sich die rote von der blauen Linie nach unten entfernte. Am 18. und 23. Juli scheiterte der DAX, wieder ins Kursband hinein zu ziehen.  Da flog dann die Kuh - äh der Bulle. Hätte ich damals gewusst, dass es Short-ETF gibt, wäre bereits ein Großteil der Kohle in einen solchen geflossen. So habe ich "nur" mein Depot zu 65% verkauft, allerdings "erst" bei DAX 7500. Hätte ich damals mehr Ahnung von der Börse gehabt, wäre der Ausstieg früher gekommen.

Aber wie gesagt, Daily ist sowieso nicht mein Fall, wenn dann 4h, 2h oder 30min für Positrades.

Und Tenor meiner Aussage: Es gibt momentan keinen Hinweis auf einen Crash. Fundamental ist das alles Wahnsinn, klar. Allerdings wäre ich sehr genervt, wenn der DAX bei z.B. 6600 dreht und auf der Longseite nicht entsprechend verdient worden wäre.
(Verkleinert auf 62%) vergrößern
Der USA Bären-Thread 259186
Antworten
Anti Lemming:

Permanent

4
13.09.09 13:59
Ohne Protektionismus werden USA und Europa ihr hohes Lohn-Niveau nicht über die Runden retten könnten. Man könnte Protektionismus daher als eine Art Gegenbewegung zur Globalisierung betrachten, die sich nun als "Fluch" offenbart.
Antworten
Malko07:

Stöffen, ich nehme

7
13.09.09 14:01
die Volkswirtschaftler und Finanztheoretiker nicht so ernst. Versuche zu einer eigenen Sicht zu kommen. Auch sind Wünsche nicht so einfach ans Ziel zu führen. Man betrachte nur die jetzt schon jahrelang andauernde Anstrengungen von Helikopter-Ben.

Wieso sollte eine Inflation von der Größenordnung von 10% über längere Zeit irgendwelche Probleme lösen? Höhere Inflation führt zwanghaft zu höheren Zinsen. Die Inflation würde zwar die Schulden entwerten, gleichzeitig würden die Schuldner die höheren Zinsen aber nicht mehr aufbringen können. Und die gesamte Gesellschaft, von den Privatleuten über die Firmen bis zum Staat sind überschuldet. Den Versuch, bei einer derartigen Inflation, die Zinsen, vorallem im mittel- und langfristigen Bereich sehr niedrig zu halten würde das Finanzsystem nicht überleben.

Diese unilateral denkenden Propagandaspezialisten muss man nicht so ernst nehmen. Wie du richtig anmerkst, findet man in diesen Kreisen alle Auffassungen - auch absolut konträre. Das zeigt uns nur, dass das keine Wissenschaft ist und man sich selbst eine Meinung bilden muss.

Sicher kann unser Finanzsystem zusammenbrechen. Es steht auf sehr labilen Füßen. Der Zusammenbruch kann auch mit eine großen Inflation einhergehen. Das wäre aber dann eine nicht mehr steuerbare Inflation kurz vor dem absoluten Zusammenbruch.

Ansonsten warte ich immer noch, dass mir jemand erklärt wie bei immer ärmer werdenden Konsumenten die Konsumartikel teurer werden sollen und darüber die Wirtschaft genesen soll.
Antworten
Stöffen:

Anti

 
13.09.09 14:12
a) mMn gibt durchaus seriöse Untersuchungen, nach denen sich die Aktienmärkte auch in einem moderat inflationären (hier nicht verwechseln mit hyperinflationär) Umfeld recht gut behaupten.

b) "Der Staat entschuldet sich durch Inflation" ist ja eine der Kernthesen aus der Ecke der Ökonomen-Zunft. Warum lese ich diese gebetsmühlenhaft vorgetragene These in letzter Zeit so häufig?
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!
Antworten
Anti Lemming:

Stöffen - Punkte a und b

11
13.09.09 14:45
Punkt a:

Börsen können sich in einem Umfeld steigender Zinsen nach oben bewegen, SOFERN die Zinserhöhungen vorgenommen werden, weil die Wirtschaft brummt und zu überschießen droht. Die Zinserhöhungen sind dann von den Zentralbanken wohldosiert verabreichte Dämpfer. In solchen Boom-Phasen werden oft Arbeitskräfte knapp, es kommt zu hohen Gehaltsforderungen, eine inflationäre Lohn-Preis-Spirale droht. So etwas sahen wir z. b. 1999/2000. Dass die Wirtschaft da (noch) rund lief, ist ja unbestritten.

Steigen Zinsen hingegen wegen Risikoaversion, weil Staatsbankrotte drohen, ist die Ausgangslage eine völlig andere. In einem solchen Umfeld sind Zinserhöhungen bärisch. Oft dienen sie dazu, ausländisches Kapital anzulocken, weil der Abfluss von Insidern bereits bedrohliche Ausmaße angenommen hat (Argentinien 2001/2002).

Schlecht ist auch, wenn die Zinsen am langen Ende - die der Markt setzt und nicht die Zentralbanken - steigen. Sie steigen, wenn Anleger ihre Longbonds verkaufen, weil sie Inflation fürchten (und zwar nicht die "gute", die ich oben beschrieb). Beginnt eine "schlechte" Inflation (die mit hoher Arbeitslosigkeit einhergeht) zu galoppieren wie in den 1970ern, sieht es weder für Aktien noch für Anleihen gut aus. DANN - und mMn nur dann - ist Gold interessant.

Punkt b:

... ist mMn das aktuelle Totschlagargument der Öl-, Gold- und Rohstoff-Jünger, die Gold auch bei Deflation über 1000 Dollar treiben und in einer der schwersten Rezessionen seit 100 Jahren utopisch hohe Öl- und Rohstoffpreise herbeizocken wollen, obwohl die krisenbedingt gesunkene Nachfrage keinerlei Rechtfertigung dafür liefert.

Dennoch ist hochverschuldeten Staaten eine Inflation sicherlich lieber als eine Deflation. Letztere ist zurzeit die Realität. Der verzweifelte Versuch der Fed, mit QE dagegen anzukämpfen, macht die Einschätzung so extrem schwierig. Es ist ein riesiges Experiment, für das es historisch keine Erfahrungen gibt. Die Wahrscheinlichkeit "unerwarteter Nebenwirkungen" ist daher sehr hoch. Die Fed konnte ja nicht mal das Ausmaß der jetztigen Krise im Vorfeld auch nur annähernd abschätzen.

ich halte es daher für äußerst ambitioniert, wenn die Aktienmärkte jetzt schon die "Rückkehr zur Normalität" einpreisen.
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.

Seite: Übersicht ... 1960  1961  1963  1964  ... ZurückZurück WeiterWeiter

Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen

Neueste Beiträge aus dem S&P 500 Forum

Wertung Antworten Thema Verfasser letzter Verfasser letzter Beitrag
29 3.861 Banken & Finanzen in unserer Weltzone lars_3 youmake222 10.06.26 14:08
469 156.479 Der USA Bären-Thread Anti Lemming ARIVA.DE 12.05.26 18:00
  56 PROLOGIS SBI (WKN: 892900) / NYSE 0815ax Lesanto 06.01.26 14:14
    Daytrading 15.05.2024 ARIVA.DE   15.05.24 00:02
    Daytrading 14.05.2024 ARIVA.DE   14.05.24 00:02

--button_text--