Die Fakten (unten) sprechen dafür, dass der Ölpreis demnächst nachgeben könnte. Andere Rohstoffe zeigen bereits heute deutliche Schwäche - vor allem Blei (regelrechter Absturz, -13 %, Chart unten), Zink (-4 %), Nickel (-3,3 %), Alu (-1,7 %) und Kupfer (-1,3 %).
Opec-Tagung
USA schwimmen in Öl-Destillaten
Das Ölkartell Opec hält an der bisherigen Förderung fest und fordert von seinen Mitgliedern mehr Disziplin. Doch das gewaltige Überangebot an Heizöl und Diesel sorgt für Unruhe. Die Energieagentur ist ebenfalls unsicher. Der Preis steigt.
von Tobias Bayer
Im Spannungsfeld eines Ölpreises von 72 $ je Fass und eines gewaltigen Überhangs bei Heizöl sowie Diesel hält die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) die Förderung unverändert. Man fordere die Mitgliedsländer dazu auf, die in der Vergangenheit beschlossene Kürzung um 4,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) gegenüber September auch umzusetzen, sagte Opec-Generalsekretär Abdallah El-Badri am Donnerstag.
Im August pumpten die elf Opec-Mitglieder, den Irak nicht mitgerechnet, 26,25 Millionen Barrel täglich. Damit liegen sie 1,4 Millionen Barrel über der vereinbarten Menge von 24,845 Millionen Barrel. Die vereinbarte Kürzung wurde damit nur noch zu 66 Prozent umgesetzt. Gerade dem Iran und Venezuela mangelt es an Disziplin.
Das Kartell, das 40 Prozent des weltweiten Erdölangebots abdeckt, befindet sich in einer schwierigen Situation. Einerseits legte der Ölpreis, angetrieben von der Hoffnung auf eine Erholung der Weltwirtschaft, seit Jahresbeginn um knapp 57 Prozent zu. Andererseits ist die Nachfrage nach wie vor schwach. Gerade bei Ölprodukten befinden sich die Lagerbestände in den Industrieländern auf historischen Hochs.
Der am Donnerstag vorgestellte Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) für August verdeutlicht das Dilemma. Die IEA hob die Nachfrageprognose für 2009 und 2010 um jeweils 0,5 Millionen auf 84,4 beziehungsweise 85,7 Millionen Barrel täglich an. Das begründete sie mit einem stärkeren Verbrauch in den USA, China und anderen asiatischen Ländern.
Gleichzeitig betonte die IEA den großen Lagerüberhang. In den westlichen Industriestaaten legten die Bestände im Juli um 12,8 auf 2778 Millionen Barrel zu. Das sind 4,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Sie reichen für rund 62 Tage. Hinzugerechnet werden darüberhinaus 50 bis 55 Millionen Barrel, die Ende August in Tankern gebunkert wurden.
"Die Schwäche bei Heizöl und Diesel stellt die Stärke und Nachhaltigkeit der industriellen Erholung in Frage", schrieben die IEA-Experten. "Die Vorräte könnten weiter zulegen, sofern sich heraustellen sollte, dass der Nachfrageanstieg in China zuletzt vor allem dem Aufbau von Puffern und eben nicht einem anziehen Verbrauch geschuldet war."
In den Vereinigten Staaten ist der Überhang bei mittleren Destillaten besonders augenfällig. Die Menge lag zuletzt mit 163,6 Millionen Barrel auf dem höchsten Stand seit 26 Jahren. [Dazu passt, dass die Kapazitätsauslastung der Industrie auf 26-Jahrestief steht. Auch der niedrige Gaspreis wird dadurch erklärbar - A.L.] Die Bestände bei Heizöl, Diesel und Flugzeugtreibstoff befinden sich nach Angaben des US-Energieministeriums 37 Prozent, 19 Prozent und 9 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. "Wir schwimmen regelrecht in dem Zeug", sagte Stephen Schork, Herausgeber des Schork Report. Etwas knapper geht es bei Benzin zu, wenn auch die Autofahrsaison 2009 mit dem Labor Day am vergangenen Montag beendet ist.
Ölpreis bleibt anfällig
Ein Abbau des gewaltigen Überhangs gehe voraussichtlich nur langsam vonstatten, sagte Tim Evans, Analyst bei Citi Futures Perspectives. Er erwartet für Dezember, dass der Markt kurzzeitig mit 1,1 Millionen Barrel täglich unterversorgt ist. Im ersten Quartal 2010 werde sich das Bild jedoch wieder umkehren und mehr Öl auf dem Markt sein, als erforderlich ist.
Selbst ein Defizit für das Gesamtjahr 2010 werde die Lagerbestände nicht schnell aufzehren. "Das geschieht, wenn überhaupt, nur in kleinen Schritten. Der Ölpreis bleibt also anfällig, sofern an den Terminmärkten spekulative Kaufpositionen aufgelöst werden", schrieb Evans in einem Researchbericht.
www.ftd.de/finanzen/maerkte/rohstoffe/...illaten/50007707.html
Blei fällt wie Blei:
Schlusskurs am 9.9.09 war 2400, aktuell 2086. Es könnte sich um einen "austoppenden Kirchturm-Chart" handeln. Einen vergleichbar scharfen Preisverfall beim Blei gab es zuletzt vor fast genau einem Jahr (Ende Sept. 2008).
