09.07.13 07:34
aktiencheck.de EXKLUSIV
Hamburg (www.aktiencheck.de) - Der todkranke Patient, das im Insolvenzverfahren befindliche Hamburger Solar-
Unternehmen Conergy, atmet wieder.
Notarzt und Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz hat die Atmung zumindest
vorerst wieder hergestellt.
Die Produktion im Hauptwerk in Frankfurt an der Oder soll wieder anrollen.
Wenn‘s nach der Verwandtschaft gegangen wäre, wäre der Tod geweihte Patient
jetzt wahrscheinlich schon unter der Erde. Die auf das spärliche Erbe lauernden
Banken hätten vor Eintreffen des Notarztes am liebsten schon den letzten
Sargdeckel zugenagelt.
Doch die gierige Verwandtschaft wurde vom Insolvenzverwalter nun erst mal zur
Tür hinaus geworfen. Das Sagen hat jetzt der Insolvenzverwalter und das ist
offenbar auch gut so. Die Chancen auf ein Überleben des jämmerlich kranken
Patienten dürften damit deutlich gestiegen sein. Zumindest einige hundert der
insgesamt 1.200 Arbeitsplätze könnten damit vielleicht gerettet werden. Arbeit
wäre zumindest reichlich vorhanden.
Zur gierigen Verwandtschaft zählen vor allem auch die Krisenbank Commerzbank
sowie die Bad Bank der Pleite-Landesbank West LB, die Erste
Abwicklungsanstalt. Beide Banken waren Dank unsäglicher Management-Fehler
ebenfalls todkrank und wurden nur dank teuerster Apparate-Medizin und vor allem
der Staatsknete am Leben erhalten. Ausgerechnet die beiden Dauerpatienten
wollten nun Oma mit dem ohnehin leeren Sparstrumpf unterm Kissen lebendig
beerdigen.
Rechtsanwalt Sven-Holger Undritz von der Kanzlei White & Case gilt als
erfahrener Insolvenzverwalter. Über 300 Firmen hat der Experte für
zahlungsunfähige Unternehmen bereits betreut. Undritz mag das Überleben der
armen Oma Conergy sicher stellen. Die Enkel und Conergy-Aktionäre werden
aufgrund des ohnehin leeren Sparstrumpfes am Ende aber vermutlich trotzdem mit
leeren Händen da stehen. Aber vielleicht werden sie sich im Gegensatz zu den
Eltern, den gierigen Banken, freuen, wenn die kranke und gebrechliche Oma doch
noch ein paar Jahre länger lebt.
Risikobewusste Anleger sollten der Conergy-Aktie fern bleiben. Die todkranke
Oma Conergy ist derzeit nur etwas für nervenstarke Zocker, die hoffen, dass die
kranke alte Dame nach der Not-OP noch ein paar Runden durch den Heim-Garten
laufen kann. Aber auch die Zocker sollten besser die Finger von Oma Conergy
lassen. Sterben müssen wir alle irgendwann und für Oma Conergy tickt die Uhr
immer lauter. Die Krankheit scheint trotz modernster Medizin tödlich.
Die Conergy-Aktie stürzte gestern noch etwas tiefer in die Krise und verlor erneut
13,04% auf 0,10 Euro. (09.07.2013/ac/e/a)