Neue Indizien deuten darauf hin, dass die Zahlen des Telematik-Anbieters ComROAD bereits seit geraumer Zeit falsch waren. Damit geraten die Wirtschaftsprüfer von KPMG, die ComROADs Abschlüsse jahrelang testierten, zunehmend unter Druck. Nun denken Juristen über Schadenersatzklagen nach.
München - Die gefälschten 2001er Umsätze bei dem Nemax-50-Unternehmen sind vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Es gebe deutliche Hinweise darauf, dass auch die Umsätze in den Jahren 1998 bis 2000 zu einem Großteil nicht existierten, sagte ein Finanzexperte am Freitag in München.
"Wahrscheinlich sind Aktionäre, Analysten und der Aufsichtsrat von Anfang an betrogen worden", sagte er. Anders als der Abschluss 2001 seien die Bilanzen vor 2001 von Wirtschaftsprüfern der Gesellschaft KPMG testiert worden. "Die Parallelen zum Fall Flowtex sind sehr groß", sagte der Experte.
Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) räumte KPMG indirekt ein, dass auch die früheren Bilanzen unrichtig gewesen sein könnten. Es bestehe der Verdacht, dass "mit hoher Wahrscheinlichkeit" auch Umsätze in den Jahren vor 2001 fingiert wurden.
KPMG hatte den ComROAD-Jahresabschlüssen von 1996 bis 2000 uneingeschränkte Testate erteilt. Nach "SZ"-Angaben erklärte die Gesellschaft, sie habe ComROAD bereits vor 2001 auf Probleme hingewiesen, ohne dass ein "begründeter Anlass zur Testatseinschränkung" erkennbar gewesen sei. Für eine endgültige Beurteilung müssten jedoch die Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgewartet werden.
Aktionärsschützer hatten KPMG bereits am Donnerstag aufgefordert, ihre Rolle im Fall ComROAD umfassend aufzuklären. Die Wirtschaftsprüfer hatten ihr Mandat vor wenigen Wochen wegen des Betrugverdachts niedergelegt. Nach einer Sonderprüfung durch die Gesellschaft Rödl & Partner gab der neue ComROAD-Vorstand am Mittwoch bekannt, dass wohl nur ein Bruchteil des Umsatzes aus dem Jahr 2001 tatsächlich existierte, 98 Prozent des Umsatzes seien hingegen über Geschäftspartner in Asien verbucht worden, die es anscheinend nicht gab. Die Münchner Staatsanwaltschaft sieht ihren Verdacht durch das Ergebnis der Sonderprüfung erhärtet.
Prospekthaftungsklagen möglich?
Die Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner sind nach eigenen Angaben derzeit dabei, die Bilanzen für die Jahre 1998 bis 2000 gründlich zu analysieren. Zu den Ergebnissen wollte sich ein Sprecher am Freitag nicht äußern. "Wir sind noch eifrig dabei, alles zu prüfen", sagte er. Die Prüfung wird voraussichtlich noch einige Zeit dauern. "Zwei bis drei Monate sind realistisch", sagte der Sprecher.
Geprüft werden sollen nun auch die Abschlüsse 1998, 1999 und 2000, sagte der geschäftsführende Partner Bernd Rödl dem "Handelsblatt". Dabei befasse man sich insbesondere mit den Kundenbeziehungen zu den ausländischen Abnehmern. Neben dem asiatischen Raum gehe es dabei auch um die Länder Spanien, USA und Neuseeland.
Firmengründer, Ex-CEO und Großaktionär Bodo Schnabel sitzt wegen des Verdachts des Kursbetrugs bereits seit Ende März in Untersuchungshaft. Es bestehe der dringende Tatverdacht des Kursbetrugs sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft München I, Manfred Wick.
Außerdem liege der Haftgrund der Fluchtgefahr vor. Man habe befürchten müssen, dass sich Schnabel auf sein Anwesen in Florida absetzen wollte.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt in insgesamt 16 Fällen gegen Schnabel wegen des Verdachts der Verbreitung unzutreffender Umsatzzahlen. Unter anderem geht es um den Verkaufsprospekt zum Börsengang von ComROAD im Jahre 1999; darüber hinaus werden mehrere Ad-hoc-Meldungen aus den Jahren 2000 und 2001 untersucht.
Juristen prüfen inzwischen die Frage, ob die möglicherweise falschen Angaben im Verkaufsprospekt eine Klage gegen die beteiligten Emissionsbanken Concord Effekten und Hauck & Aufhäuser rechtfertigen.
Hintergrund: Das Emissionsprospekt basiert auf der Bilanz des Jahres 1998. Darin wurde die nicht existierende Hongkonger VT Electronics als einer von insgesamt zwei Auftragsproduzenten genannt, doch offenbar haben weder die Wirtschaftsprüfer noch die Emissionsbanken deren Existenz geprüft.
Nach Ansicht einiger Fachleute bietet sich hier für geschädigte Anleger ein Ansatz. Wie Rechtsanwalt Stephan Hutter von der Kanzlei Shearman & Sterling der "Financial Times Deutschland" sagte, müssen derartige Angaben im Emissionsprospekt genau geprüft werden, wenn sie von "wesentlicher Bedeutung für das Unternehmen" sind. Andernfalls hafteten die Banken für die Vollständigkeit des Prospektes. Die betroffenen Anleger könnten von den Banken Entschädigung bis zum vollständigen Verlustbetrag einklagen.
Schnabel-Gattin wehrt sich
Rechtliche Schritte will offensichtlich auch Schnabels Ehefrau Ingrid einleiten. Sie saß jahrelang im Aufsichtsrat des Unternehmens und will sich nun gegen ihre Abberufung wehren. Sie habe nicht an der Buchhaltung und der Erstellung des Jahresabschlusses mitgewirkt, teilte ihr Anwalt am Freitag mit.
Die ComROAD-Aktie notierte am Montag unverändert bei 30 Cent. Nach Ausbruch des Bilanzskandals hatte sich der Kurs am Mittwoch halbiert und am Donnerstag um weitere mehr als 20 Prozent nachgegeben.
Gruß
Happy End

www.comroad.com
München - Die gefälschten 2001er Umsätze bei dem Nemax-50-Unternehmen sind vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Es gebe deutliche Hinweise darauf, dass auch die Umsätze in den Jahren 1998 bis 2000 zu einem Großteil nicht existierten, sagte ein Finanzexperte am Freitag in München.
"Wahrscheinlich sind Aktionäre, Analysten und der Aufsichtsrat von Anfang an betrogen worden", sagte er. Anders als der Abschluss 2001 seien die Bilanzen vor 2001 von Wirtschaftsprüfern der Gesellschaft KPMG testiert worden. "Die Parallelen zum Fall Flowtex sind sehr groß", sagte der Experte.
Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) räumte KPMG indirekt ein, dass auch die früheren Bilanzen unrichtig gewesen sein könnten. Es bestehe der Verdacht, dass "mit hoher Wahrscheinlichkeit" auch Umsätze in den Jahren vor 2001 fingiert wurden.
KPMG hatte den ComROAD-Jahresabschlüssen von 1996 bis 2000 uneingeschränkte Testate erteilt. Nach "SZ"-Angaben erklärte die Gesellschaft, sie habe ComROAD bereits vor 2001 auf Probleme hingewiesen, ohne dass ein "begründeter Anlass zur Testatseinschränkung" erkennbar gewesen sei. Für eine endgültige Beurteilung müssten jedoch die Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgewartet werden.
Aktionärsschützer hatten KPMG bereits am Donnerstag aufgefordert, ihre Rolle im Fall ComROAD umfassend aufzuklären. Die Wirtschaftsprüfer hatten ihr Mandat vor wenigen Wochen wegen des Betrugverdachts niedergelegt. Nach einer Sonderprüfung durch die Gesellschaft Rödl & Partner gab der neue ComROAD-Vorstand am Mittwoch bekannt, dass wohl nur ein Bruchteil des Umsatzes aus dem Jahr 2001 tatsächlich existierte, 98 Prozent des Umsatzes seien hingegen über Geschäftspartner in Asien verbucht worden, die es anscheinend nicht gab. Die Münchner Staatsanwaltschaft sieht ihren Verdacht durch das Ergebnis der Sonderprüfung erhärtet.
Prospekthaftungsklagen möglich?
Die Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner sind nach eigenen Angaben derzeit dabei, die Bilanzen für die Jahre 1998 bis 2000 gründlich zu analysieren. Zu den Ergebnissen wollte sich ein Sprecher am Freitag nicht äußern. "Wir sind noch eifrig dabei, alles zu prüfen", sagte er. Die Prüfung wird voraussichtlich noch einige Zeit dauern. "Zwei bis drei Monate sind realistisch", sagte der Sprecher.
Geprüft werden sollen nun auch die Abschlüsse 1998, 1999 und 2000, sagte der geschäftsführende Partner Bernd Rödl dem "Handelsblatt". Dabei befasse man sich insbesondere mit den Kundenbeziehungen zu den ausländischen Abnehmern. Neben dem asiatischen Raum gehe es dabei auch um die Länder Spanien, USA und Neuseeland.
Firmengründer, Ex-CEO und Großaktionär Bodo Schnabel sitzt wegen des Verdachts des Kursbetrugs bereits seit Ende März in Untersuchungshaft. Es bestehe der dringende Tatverdacht des Kursbetrugs sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft München I, Manfred Wick.
Außerdem liege der Haftgrund der Fluchtgefahr vor. Man habe befürchten müssen, dass sich Schnabel auf sein Anwesen in Florida absetzen wollte.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt in insgesamt 16 Fällen gegen Schnabel wegen des Verdachts der Verbreitung unzutreffender Umsatzzahlen. Unter anderem geht es um den Verkaufsprospekt zum Börsengang von ComROAD im Jahre 1999; darüber hinaus werden mehrere Ad-hoc-Meldungen aus den Jahren 2000 und 2001 untersucht.
Juristen prüfen inzwischen die Frage, ob die möglicherweise falschen Angaben im Verkaufsprospekt eine Klage gegen die beteiligten Emissionsbanken Concord Effekten und Hauck & Aufhäuser rechtfertigen.
Hintergrund: Das Emissionsprospekt basiert auf der Bilanz des Jahres 1998. Darin wurde die nicht existierende Hongkonger VT Electronics als einer von insgesamt zwei Auftragsproduzenten genannt, doch offenbar haben weder die Wirtschaftsprüfer noch die Emissionsbanken deren Existenz geprüft.
Nach Ansicht einiger Fachleute bietet sich hier für geschädigte Anleger ein Ansatz. Wie Rechtsanwalt Stephan Hutter von der Kanzlei Shearman & Sterling der "Financial Times Deutschland" sagte, müssen derartige Angaben im Emissionsprospekt genau geprüft werden, wenn sie von "wesentlicher Bedeutung für das Unternehmen" sind. Andernfalls hafteten die Banken für die Vollständigkeit des Prospektes. Die betroffenen Anleger könnten von den Banken Entschädigung bis zum vollständigen Verlustbetrag einklagen.
Schnabel-Gattin wehrt sich
Rechtliche Schritte will offensichtlich auch Schnabels Ehefrau Ingrid einleiten. Sie saß jahrelang im Aufsichtsrat des Unternehmens und will sich nun gegen ihre Abberufung wehren. Sie habe nicht an der Buchhaltung und der Erstellung des Jahresabschlusses mitgewirkt, teilte ihr Anwalt am Freitag mit.
Die ComROAD-Aktie notierte am Montag unverändert bei 30 Cent. Nach Ausbruch des Bilanzskandals hatte sich der Kurs am Mittwoch halbiert und am Donnerstag um weitere mehr als 20 Prozent nachgegeben.
Gruß
Happy End

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