BÜROKINO: Film ab, der Chef ist weg


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BÜROKINO: Film ab, der Chef ist weg

 
31.07.02 09:11
Die Hälfte der Belegschaft ist im Urlaub, die Auftragslage ist mies, und draußen hat es 30 Grad Celsius im Schatten: Wie gut, dass auf jedem Tisch ein Rechner steht. Der wird - Freeware sei Dank - flugs zum Bürokino umfunktioniert. Im Überblick: Sechs Programme, die den PC zur Leinwand machen.
 
Billig ist sie nicht, die digitale Lebenswelt: Sowohl im Privaten als auch im Geschäftsleben lassen wir uns den Kollegen Computer viel Geld kosten. Neben der im Halbjahres-Rhythmus veraltenden Hardware ist die Software der wichtigste Kostenfaktor. Die ist vor allem dann teuer, wenn sie unbedingt nötig ist. Kleine Programme für spezialisierte Anwendungen, Lustiges oder Nützliches für zwischendurch gibt es hingegen erstens wie Sand am Meer und zweitens oft völlig kostenlos.
Das gilt auch für die zahlreichen Player-Programme, die Videofilme auf den PC zaubern. Dafür reichen Quicktime, Real oder Media Player oft nicht aus: Diese Programme entwickeln sich immer mehr in Richtung Abspielsoftware für gestreamte (also in einem kontinuierlichen Datenfluss übertragene) Videodateien. An den WMV- oder VCD-Formaten scheitern sie hingegen.

Insbesondere Letzteres erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Als VCD lassen sich ganze Filme auf eine normale CD brennen, in durchaus noch akzeptabler Qualität. Zehntausende solcher Filme schwirren natürlich auch durchs Netz, leicht zu finden über P2P-Dienste wie eDonkey (als auf Film spezialisierte P2P-Börse) oder auch die Dienste des FastTrack-Netzes. Seit Breitband sich wirklich breit macht und die Kopierschutzlösungen für DVD nur noch Makulatur sind, ist so gut wie alles nicht nur verfügbar, sondern das auch noch schnell. So erlebt die "Video-CD" im Kielwasser des DVD-Erfolgs doch noch einmal eine kleine Blütezeit.

Mit diesen wird der PC in seiner Grundausstattung aber nicht fertig: Er braucht Software. Die entpuppt sich nach kurzer Suche als so kostengünstig wie das per DSL aus dem Web gesaugte Pay-TV-Programm von jenseits des Atlantik: Sie ist generell umsonst (Freeware), zumindest aber sehr preiswert (Shareware).

Das passende Programm für die Vielzahl der möglichen Dateiformate findet man, indem man beispielsweise bei Download.com nicht nach Software, sondern nach Dateitypen sucht: Die Suchanfrage "VCD" etwa bringt schon gute Ergebnisse (Ripper und Player), der Zusatz "Player" engt es weitgehend auf Abspielsoftware ein - Bingo.


Global DiVX Player 1.9.5


2.085.208 Menschen luden sich seit März 2002 die Programmversion 1.9.5 des Global-Players herunter, der damit zu den populärsten Abspielprogrammen zählen dürfte. Das Programm lockt unter anderem mit Schlankheit: Gerade einmal 574 K sind schnell heruntergeladen, selbst per Modem. Dafür soll das kleine Panel aber trotzdem alles können: Als vollwertigen Ersatz für den Media Player sieht ihn der Hersteller Wolfs Layer - und mehr.

Denn der Player spielt nicht nur DiVX, AVI, MPEG, VCD, ASF und WMV in Fenstern von skalierbarer Größe bis hin zum (schön gelösten) Vollbild. Er unterstützt auch VCD.

Die Benutzerführung dürfte allerdings - geschenkter Gaul oder nicht - etwas üppiger ausfallen: Nach allen Features, die über das Bedienfeld eines CD-Players hinausgehen, darf man sich wund suchen.

Findet man sie dann, kommt durchaus Freude auf: Der kleine Player kann eine Menge. Alle möglichen Präferenzen sind fest einstellbar, und schnell findet man heraus, dass hier vieles davon abhängt, was man sich gerade ansieht: Etliche Einstellungen erschließen sich erst in Verbindung mit einem bestimmten Dateiformat.

Fast alles passiert hier per rechter Maustaste, doch scheint der Player sogar Tastatur-Kurzbefehlen zu gehorchen ("b" springt beispielsweise zwischen Szenen). Schade nur, dass diese Befehle nirgendwo aufgedröselt sind. Das verlangt schon detektivische Fähigkeiten - aber irgendwann findet man dann angeblich sogar eine klassische Boss-Taste.

Fazit: Klein, durchaus fein, etwas zu kompliziert und dabei zu wenig erklärt - aber tauglich fürs Bürokino. Begeisterung kommt deshalb nicht unbedingt auf, sicher aber Zufriedenheit mit dem Produkt. Der Global-Player bedient alle Windows-Plattformen ab 95.

QuickVCD Player 3.0


Klein ist der Quickie für ein Freeware-Programm nicht unbedingt: Immerhin 1,71 Megabyte bringt er auf die virtuelle Waage. Programmierer Imran Zaheer konnte mit seinem Produkt seit März 2001 rund 615.000 User locken - mit Versprechungen wie diesen:

QuickVCD, schreibt er, sei ein "einfacher Media-Player, speziell für das Abspielen von VCDs". Bequem soll das gehen, und dem User größtmöglichen Komfort bieten. Das stimmt so weit, stellt man schon nach kurzem Reinschnüffeln fest - und ist doch im ersten Augenblick verblüfft bis irritiert.

Denn was einen da anguckt, ist nichts als der Media Player von Microsoft - "aufgebohrt", sozusagen. Tatsächlich setzt QuickVCD auf dem Microsoft-Player auf, der darum auch vorab schon in seiner Version 6 oder höher installiert sein muss. Nach der QuickVCD-Kur hat er ein paar andere Knöpfe und Features - was okay ist und auch ganz gut funktioniert.

Völlig unverständlich ist dagegen, dass der QuickVCD im User-Ranking bei Download.com im direkten Vergleich zu einem Konkurrenten wie dem Global Player erheblich besser abschneidet: Dem Programm fehlt ein essenzielles Merkmal eines wirklich guten Players: ein Vollbildmodus. So taugt QuickVCD vielleicht fürs Daumenkino, für viel mehr aber nicht

Cinematograph 2.1.2.1


Der virtuelle Filmprojektor (260.000 Downloads seit März 2002) ist Futter für Minimalisten: Auf einen Mini-Download (517 K) folgt eine ultraschnelle Installation - und so geht das auch weiter. Das Programm bietet auf den ersten Blick wirklich wenig: Film ab, Film anhalten, vorspulen, zurückspulen, Bild groß, Bild klein - das war alles an Features, was sich sofort und intuitiv erschließt. Andererseits, wer will mehr?

Schon mit diesem Leistungsspektrum kann der Cinematograph alles, was er können muss - und in vielerlei Hinsicht mehr als seine Konkurrenten. So bedient er problemlos die Dateiformate DVD, MPEG, DivX, VCD, S-Video Compact Disc, AVI, WMV und QuickTime - "unter anderem", wie der Programmierer CVS Information Systems versichert.

Den Rest der Schönheit entdeckt man im Detail: Cinematograph entpuppt sich bei näherem Hinsehen als der Player mit den meisten Features und Einstellmöglichkeiten. Das geht von Zoom-Funktionen über Zeitlupen bis hin zur Grundeinstellung der Wiedergabegeschwindigkeit, und sogar an einen kleinen "Kinderfilter" haben die Macher gedacht und verbuchen dafür mehr als nur Achtungspunkte.

Schwächen hat das Produkt aber leider auch. Zum einen versagt es im Test unter Windows 95 (das es angeblich unterstützt, faktisch aber mit digitalem Schluckauf quittiert und per allgemeiner Schutzverletzung weit von sich weist). Zum anderen ist es "umsonst" nur für 30 Tage: Der Cinematograph ist Shareware. Die Registrierung kostet immerhin 35 Dollar und ist damit das teuerste Programm im Test - doch es gibt schlechtere Programme, für die man mehr Geld bezahlen darf. Es gibt allerdings auch Konkurrenten, die nur wenig weniger völlig umsonst anbieten.

Fazit: Das ist ein Programm wie ein wirklich gutes Auto: Sieht nach nichts aus und fährt und fährt und fährt... Voll tauglich fürs Bürokino - und auch, um den heimischen Rechner mal als TV-Ersatz einzusetzen. Das wohl beste Programm im Test und vielleicht auch deshalb kostenpflichtig, denn auch Programmierer müssen leben: Der 30-Tage-Test lohnt allemal.

RVCDPlayer 2.0


Und noch einmal huckepack: Auch der RVCDPlayer setzt auf dem Microsoft Media Player auf - und gehört zu den eher großen Programmen im Player-Angebot. Die Software funktioniert auf allen Windows-Plattformen - und auch sonst in jeder Hinsicht problemlos. Ausgeliefert als ZIP-Datei entpackt sich das Programm erst nach dem 2,3 MByte-Download zu seiner vollen Größe von immerhin fast 4 MByte (Installations- und Programmdateien).

"Ravi's VCD-Player" kombiniert den Media Player mit einem weiteren Fenster, über das der Load von Filmen, aber auch die Zusammenstellung von Playlists gesteuert wird: das ist durchaus praktisch. Alle Funktionen laufen problemlos, ruckelfrei gehen die Beispielfilme über den Bildschirm - in allen gewählten Größen bis hin zum Vollbild.

Wählt man dies, verschwindet das Bedienpanel nach wenigen Sekunden. Braucht man es wieder, genügt ein kleiner Wackler an der Maus: das Bild läuft ungestört weiter, doch am unteren Bildrand erscheinen die "Knöpfe". Gut so.

RVCD zielt auf Film-, aber auch auf Audiodateien: Durch die Playlist-Funktion macht er sowohl Mediaplayer als auch Winamp Konkurrenz.

Der Player selbst gibt als zu verarbeitende Dateitypen nur "Video-Files" und "Audio-Files" vor. Welche genau er da verdaut und welche nicht, darüber gibt es keinerlei Auskünfte. Auf jeden Fall nicht alles, was wir ihm im Test zumuteten: RVCD spielt WMV, AVI, VCD, MPG und MP3, jedoch keine MOV-Dateien und keine Real-Medien. Aber dafür ist die Kiste erstens auch umsonst und zweitens wirklich gut: Besser war im Test nur der Cinematograph bewertet, RVCD ist die kostenlose Alternative zu dieser Shareware.

Fazit: Größer und in den Dateiformaten wählerischer als viele Konkurrenten. Läuft aber zuverlässig und darf als Bürokino-tauglich gelten. Die Playlist-Funktion wird sammelwütigen Musik- und Film-Freaks gefallen.

Nostra Divx Player 1.0.0


Nostra ist mit 500 K der kleinste Player im Feld und wurde seit Februar 2002 immerhin 60.000 Mal heruntergeladen. Ihr Produkt loben die Compton Studios als "vollwertigen Ersatz für den Media-Player", der alle gängigen Dateiformate verarbeite. Das kann man soweit bestätigen.

Das "Interface", die Bedienoberfläche des Programms, halten die Macher für "radikal anders", und es sieht auch ganz niedlich aus. Dafür kann es so gut wie nichts: Stop, Start, zurückspulen (aber nicht vor-) - das war's schon fast. In den Settings lässt sich der Vollbild-Modus vorgeben wie auch die Abspielgeschwindigkeit des Films regulieren. Okay, das braucht man selten, freut sich dann aber, wenn man's braucht und geboten bekommt.

Auch Playlists unterstützt die Freeware und hätte auch darum mehr Freunde verdient, weil sie - nach Beteuerung der Macher - "keine Spyware" enthält.

Fazit: Solide, minimalistisch, unaufwendig, aber auch arm an Features. Die Navigation innerhalb des Films lässt Raum für Wünsche, doch die Grundfunktionen beherrscht Nostra reibungslos.

Ladybug Player 2001


Das kleinste Programm aus dem Netware-Stall nennt sich neuerdings "XP", weil es auch da noch mitkann - obwohl es, bereits seit November 2000 auf dem Markt, mit die niedrigsten Ansprüche an den Rechner stellt.    
 
Glücklich wird der Player mit VCD, MPEG, AVI Video und MP3, WAV, MIDI und AU-Dateien (die soll es auch noch geben).

All diese Formate verarbeitet das Programm auch dann noch, wenn nur 75 MHz im Rechner pulsen, nur 16 MByte Hirn bemüht werden und ein tausendfach absturzerfahrenes Windows 95 versucht, den "Bluescreen" nicht zu oft zu zeigen.

Ladybug ist wieder so ein Fall wie der Cinematograph: Sofort will man ihn loben und wagt es kaum in diesem Umfeld. Denn schließlich kostet auch dieser Kandidat Geld, und mit 29,95 Dollar noch nicht einmal so wenig. Wieder aber ist der Download und Test trotzdem zu empfehlen: Probieren kostet nichts, und das Programm hat was zu bieten.


Testergebnisse im Schnellüberblick. Ein Wort zu Spyware


Free- und Shareware ist eine feine Sache - aber sie transportiert oft heimliche Trittbrettfahrer. Nach unserem Test fand sich auf den Rechnern die Spyware Safenow, die dafür sorgt, dass einem die interessante Werbepost aber auch nie ausgeht. Mit welchem Programm sie ins System geriet, ist oft über die Deinstallation der Spyware zu erschließen, weil viele Programme den Geist aufgeben, sobald man den kleinen Schnüffler los wird.

Doch nicht in diesem Fall. Auch nachdem Ad-Aware behilflich war, die Schnüffelsoftware ins virtuelle Nirvana zu versenken, entwickelte keines der Programme Probleme. Gut so, was soll's also: Weg mit der Spyware. Der entsprechende Check sollte sowieso zum Standard-Procedere gehören, wenn man sich auf Free- und Shareware einlässt. Auch Ad-Aware, eines der derzeit besten Programme zur Bekämpfung von Spyware, bekommt man natürlich kostenlos bei Download.com: Gleich mit runterladen!

Fazit

Ein Media-Player muss nur wenige Dinge können. So lang der Film läuft, ein gewisses "Navigieren" im Film möglich ist, das Bild auch bildschirmfüllend genossen werden kann, ist die Welt eigentlich in Ordnung. Nervend ist allerdings, wenn man für jedes Format einen anderen Player braucht: Je mehr Dateiformate er also beherrscht, um so besser. Ein schickes Interface braucht das Ding dagegen nicht: Hier geht es um ein Werkzeug, das - sobald der Film läuft - sehr gern völlig unsichtbar verschwinden darf.

Als erste Wahl dürfen aus diesen Gründen eigentlich nur drei Player gelten:

Cinematograph: Kostenpflichtig, aber konkurrenzfähig in jeder Hinsicht - der beste Player im Test

Global DiVX: Intuitiv zu bedienen, zuverlässig, flexibel - eine anspruchslose, aber solide Alternative

RVCD: Ravi's Player ist vielleicht der unprofessionellst gemachte im Feld - aber er hat alles, was Freaks sich wünschen. Die beste Alternative zum Cinematograph: Gut möglich, dass der nach dem Test nicht so schnell wieder von Redakteurs Rechner verschwindet


spiegel.de

Gruß
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