Börsentrend:Tiefer Fall zum Wochenausklang

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Börsentrend:Tiefer Fall zum Wochenausklang

 
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Börsentrend
01.08.2008 17:43
Tiefer Fall zum Wochenausklang
von Lothar Gries
Die Berg- und Talfahrt an den Aktienmärkten hat sich auch am letzten Tag der Woche fortgesetzt. Nach einem kurzen Aufbäumen am Nachmittag fiel der Dax zum Schluss wie ein Stein in den Keller. Und noch ist kein Ende der Zitterpartie absehbar.
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Der Leitindex beendete den Xetra-Handel mit einem kräftigen Verlust von 83 Punkten bei 6396 Zählern. Dabei war er zuvor, im Anschluss an den US-Arbeitsmarktbericht, noch auf 6489 Punkte geklettert, zehn Punkte höher als der Schlusskurs am Donnerstag.

Der Ölpreis ist am Freitagnachmittag um mehr als vier Dollar nach oben gesprungen. Für die US-Sorte WTI zahlten Händler wieder mehr als 128 Dollar. Die Nordseesorte Brent war zu 127,30 Dollar zu haben. Analysten führten den Anstieg vorrangig auf technisch ausgelöste Geschäfte zurück. Auch eine mögliche Verschärfung des Konflikts um das iranische Atomprogramm wurde als Grund genannt. LBBW-Rohstoffanalyst Frank Schallenberger verwies zudem auf ein am Sonntag auslaufendes Ultimatum des Westens an den Iran, wodurch der Atomkonflikt wieder verstärkt in den Fokus des Marktes rücken könnte.

Dagegen ist die Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt besser als befürchtet. Den neuesten Zahlen zufolge fiel die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im Juli um 51.000 zum Vormonat. Volkswirte hatten mit einem Rückgang um 72.000 gerechnet. Auch der Beschäftigungsabbau für die Vormonate Mai und Juni wurde um insgesamt 26.000 Stellen niedriger als bislang ermittelt ausgewiesen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 5,7 Prozent.

Gut gehalten hat sich im Juli auch die US-Industrie. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager sank lediglich auf 50,0 von 50,2 Punkten im Vormonat und deutete damit auf eine Stagnation hin, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte.


Märkte bleiben volatil
Ein Ende der Zitterpartie für die deutschen Aktienanleger ist nach Einschätzung von Börsianern vorerst nicht in Sicht. Die Unsicherheit über die Aussichten für die Weltkonjunktur und die Unternehmensgewinne werde wohl auch in der neuen Woche für größere Kursausschläge beim Dax sorgen. Entsprechend gespannt warteten die Investoren auf eventuelle Reaktionen der Notenbanken in den USA und der Euro-Zone. "Berichtssaison und Konjunktursorgen werden gegeneinander antreten müssen", sagt Kapitalmarktanalyst Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. "Deshalb gehe ich eher davon aus, dass der Markt schwächelt und volatil bleibt.

GM mit Mega-Verlust
Der angeschlagene Autobauer General Motors hat den drittschlimmsten Verlust seiner Geschichte eingefahren. Für das zweite Quartal gab der US-Konzern einen Nettoverlust von 15,5 Milliarden Dollar nach einem Gewinn von 891 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum bekannt. Der Verlust je Aktie betrug dabei ohne Sonderposten 11,21 Dollar. Der Umsatz lag bei 38,2 Milliarden Dollar nach 46,7 Milliarden Dollar vor Jahresfrist. Für die Verluste machte GM unter anderem einen Rückgang des Absatzes in Nordamerika um ein Fünftel verantwortlich. Die Aktie verliert in New York mehr als sechs Prozent.

Deutsche Bank mit schlechterem Rating
Die Ratingagentur Standard & Poor's hat ihre langfristige Bonitätsbewertung der Deutschen Bank um eine Stufe auf "AA-" herabgestuft. Damit liegt das für die Kosten der Refinanzierung wichtige Rating des größten deutschen Geldhauses nun auf dem Niveau der meisten anderen Investmentbanken wie Goldman Sachs, JP Morgan Chase oder Credit Suisse. Es gebe keinen Grund mehr für die Annahme, dass die Deutsche Bank im aktuell schwierigen operativen Marktumfeld besser dastehe als die wichtigsten Wettbewerber, so S & P.

BMW größter Dax-Verlierer
Abwärts ziehen auch die Papiere von BMW, nachdem das Unternehmen am Morgen seine bisherigen Prognosen für das laufende Jahr zurückgeschraubt hat. Das bisherige Ziel eines Gewinns vor Steuern von mindestens 3,78 Milliarden Euro gilt nicht mehr. BMW gab kein neues Gewinnziel für 2008 mehr aus, sondern teilte lediglich mit, dass die Umsatzrendite vor Steuern bei mehr als vier Prozent liegen wird. Da der Konzern in diesem Jahr allenfalls ein leichtes Umsatzplus schaffen dürfte, entspräche die genannte Zielmarke einem Vorsteuergewinn von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro. Die Aktie fällt um knapp sieben Prozent. Die Papiere ziehen auch Daimler, und VW ins Minus. Dabei haben die beiden Autobauer ihren US-Absatz im Juli kräftig gesteigert.

Unicredit überrascht mit starkem Gewinn
Der italienische Finanzkonzern Unicredit hat im zweiten Quartal einen Netto-Gewinn von 1,87 Milliarden Euro erzielt und damit die Erwartungen übertroffen. Analysten hatten einer Reuters-Umfrage zufolge im Schnitt mit 1,67 Milliarden Euro gerechnet. Die Kernkapitalquote (Tier 1) nach Basel I erreichte den am Freitag vorgelegten Zahlen zufolge 5,55 Prozent. Die Mutter der Münchner HVB bekräftigte zugleich ihr Jahresziel einer Kapitalquote von 6,2 Prozent unter Basel II. Das Portfolio der mit Forderungen besicherten Wertpapiere sei in dem Vierteljahr um 1,1 Milliarden Euro verkleinert worden, teilte der Konzern weiter mit.

US-Bank IndyMac will Gläubigerschutz
Die zusammengebrochene US-Hypotheken- und Bausparbank IndyMac will den nach amerikanischem Recht möglichen Gläubigerschutz beantragen. Mit dem Schritt wäre der geplante Verkauf der gesamten Bank oder zumindest von Teilen leichter abzuwickeln. Die inzwischen von der zuständigen Bankenaufsicht geführte Bank kündigte ihr Vorhaben am Nachmittag in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht an.

Linde lässt Anleger gleichgültig
Die robusten Quartalszahlen des Münchner Industriegaseherstellers stoßen bei den Anlegern auf wenig Begeisterung. Dabei ist das operative Ergebnis in den ersten sechs Monaten währungsbereinigt um 15 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro gestiegen. Der Überschuss sank allerdings auf 402 Millionen Euro nach 614 Millionen Euro ein Jahr, als Linde von Beteiligungsverkäufen profitiert hatte. Die Zahlen haben einem Händler zufolge die Erwartungen übertroffen.

Stada stürzt tief
Die Papiere des Generikaherstellers sind am Nachmittag um mehr als sechs Prozent auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. "Das Vertrauen ist nach dem enttäuschenden Ausblick auf das zweite Halbjahr erstmal weg", begründete ein Börsianer weitere Anschlussverkäufe mit der entsprechenden Meldung vom Montag. Es gebe immer noch Fonds, die hierauf reagieren und Positionen abbauen müssten. Es sei allerdings nur eine Frage der Zeit, bis auf ermäßigtem Niveau wieder Übernahmegerüchte die Runde machen, heißt es auf dem Parkett.

Deutsche Börse bestätigt Prognose
Der Börsenbetreiber hat im zweiten Quartal vor allem dank strikter Kostenkontrolle ihr operatives Ergebnis deutlich gesteigert. Der Umsatz stieg ebenfalls, doch blieb der Zuwachs hinter den Markterwartungen zurück. Zusammen mit dem sehr starken ersten Quartal erzielte die Börse trotz der Finanzkrise ein Rekordhalbjahr und bestätigte am Donnerstagabend ihre Prognose für ein weiteres Ergebniswachstum im laufenden Jahr.

Lufthansa einigt sich auf höhere Löhne
Lufthansa-Aktien arbeiten sich von einem anfänglichen Kursminus ins Plus vor. Denn die Lufthansa verkündete das Ende des Tarifstreits. Rückwirkend zum 1. Juli 2008 sollen die Beschäftigten 5,1 Prozent mehr Lohn bekommen. Positiv sei, dass sich die Gewerkschaft Verdi und Lufthansa nun doch relativ rasch geeinigt hätten, so ein Händler. Allerdings dürfte der Tarifabschluss den Konzern im zweiten Jahr der Laufzeit knapp 100 Millionen Euro kosten.

Fresenius freut sich über künftige Tochter
Die Aktien von Fresenius profitieren von guten Zahlen ihrer künftigen Tochter APP Pharmaceuticals. Der Gesundheitskonzern hatte Anfang des Monats die Übernahme von APP durch die US-Tochter Kabi für 2,4 Milliarden Euro bekannt gegeben. Viele Börsianer hatten den Kaufpreis als relativ hoch kritisiert. Der Markt sollte die Übernahmepläne von Fresenius nun positiver sehen, erklärten die Commerzbank-Analysten. Die Zahlen böten eine bessere Transparenz.

Wacker Construction im freien Fall
Nach Kursverlusten am Vormittag von zeitweise 18 Prozent, kann sich die Aktie von Wacker Construction zuletzt zwar etwas fangen, beendet aber den Handel 11 Prozent niedriger als gestern. Das ist die Quittung für die unerwartete Gewinnwarnung vom Donnerstagabend. Das Unternehmen rechnet wegen der schwächeren Weltkonjunktur nur noch mit einem Umsatz von mindestens 870 Millionen Euro und einer operativen Gewinnmarge von mindestens elf Prozent. Bislang lautete das selbst gesteckte Ziel mehr als eine Milliarde Euro Umsatz und mindestens 17 Prozent Rendite.

Medigene mit höherem Verlust
Auch die Medigene-Aktie verliert. Der Biotechnologiekonzern hat im ersten Halbjahr seine Verluste ausgeweitet. Aufgrund von Einmaleffekten sowie Mehrausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung stieg der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) um neun Prozent auf 17,1 Millionen Euro. Im Gesamtjahr soll der operative Verlust aber zurückgehen. Außerdem soll der Umsatz deutlich steigen.

Lafarge enttäuscht
Die Titel von Lafarge haben sich am Freitag um über sieben Prozent verbilligt und damit unter enttäuschenden Halbjahreszahlen gelitten. Händlern zufolge fiel der operative Gewinn des französischen Zementproduzenten im ersten Halbjahr geringer aus als erwartet.

EDF hat kein Interesse an British Energy
Der französische Versorger EdF hat Spekulationen über eine milliardenschwere Übernahme des Atomkraftwerkbetreibers British Energy zunichtegemacht. Electricite de France teilte in der Nacht zum Freitag mit, nicht für das britische Unternehmen zu bieten. Nach intensiven Diskussionen sei man zu der Auffassung gelangt, dass die Bedingungen derzeit nicht stimmten. Am Markt waren Übernahmespekulationen hochgekocht, nachdem EdF am Donnerstag kurzfristig für den folgenden Vormittag eine Pressekonferenz angesetzt hatte.
sauter.ja-nee.de


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