28.4.2009 18:39Bank of America: Aktionäre fordern Lewis
Ken Lewis ist auf der Hauptversammlung der Bank of America mächtig unter Druck: Eine Reihe institutioneller Investoren fordert die Abwahl des Aufsichtsratschef der angeschlagenen Bank of America. Das Desaster um die Übernahme der Investment-Bank Merrill Lynch könnte Lewis zum Verhängnis werden - seine Glaubwürdigkeit ist bereits beschädigt.
NEW YORK. Dem Chef des angeschlagenen US-Großinstitut Bank of America (BoA), Ken Lewis, steht morgen eine turbulente Hauptversammlung bevor. "Die Investoren haben das Vertrauen in den Vorstandschef und den Aufsichtsrat verloren", sagte Denise Nappier, die für den 20 Mrd. Dollar schweren Pensionsfonds des Bundesstaates Connecticut verantwortlich ist. Sie und eine Reihe andere institutioneller Investoren fordern die Abwahl von Lewis in seiner Funktion als Chairman (Aufsichtsratschef). Sie werfen ihm vor, ihnen vor der Abstimmung über den Kauf der Investmentbank Merrill Ende 2008 bewusst nichts von deren Milliardenverlusten gesagt zu haben.
Lewis hatte im September 2008 Merrill erworben und damit vermutlich vor der Insolvenz gerettet. Sah er zwischenzeitlich wie der strahlende Gewinner der Krise aus, verkehrte sich sein Image schnell ins Gegenteil. Der erste Teil des PR-Desasters war die Auszahlung von Millionenboni an Merrill-Banker noch vor dem Vollzug der Übernahme zum 1. Januar 2009. Lewis versuchte dies mehr schlecht als recht durch die Entlassung von Ex-Merrill-Chef John Thain aufzufangen.
Für die Aktionäre weitaus wichtiger dürfte jedoch sein, dass sie vor der Abstimmung über den Zukauf Anfang Dezember 2008 nicht über einen Verlust von 15,9 Mrd. Dollar für das vierte Quartal bei der Investmentbank informiert wurden. Dieser machte im Januar weitere 20 Mrd. Dollar an Staatshilfen für BoA nötig. Der Kurs der Aktie hat seit der Ankündigung der Merrill-Übernahme 75 Prozent an Wert verloren.
Die Übernahme droht zudem zu einem Politskandal zu werden, der die Glaubwürdigkeit von Lewis weiter beschädigt. Gegenüber dem New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo rechtfertigte er sein Schweigen über die Verluste mit Druck von Aufsehern und Regierung. Er gab zu verstehen, Notenbank-Chef Ben Bernanke und der damalige Finanzminister Henry Paulson hätten aus Sorge um die Stabilität des Finanzsystems auf einen Vollzug der Übernahme bestanden. Er sei gedrängt worden, den Verlust nicht zu veröffentlichen. Die Reaktion der Notenbank kam prompt und war eine öffentliche Ohrfeige für Lewis. "Niemand bei der Federal Reserve hat Ken Lewis oder die Bank of America zum Thema Veröffentlichung beraten", sagte eine Sprecherin. Ein Paulson-Sprecher äußerte sich dazu ähnlich.
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