Lieber CashBurnAdvisor, hatte leider ein paar Tage keine Möglichkeit, einzusteigen. Möchte aber auf Deine Position in # 3259 antworten. Zuerst mit Dank für Deine Wertschätzung mir gegenüber, das freut mich - und teile ich überigens auch Dir gegenüber !! Keine Frage, es gibt nicht zu jedem Punkt eine inhaltliche Übereinstimmung. Das finde ich auch durchaus befruchtend.
Zum Shortywesen hab ich "immer schon" ein schlechtes Verhältnis. Beginnt schon damit, dass ich Leeverkäufe vom Geschäftsmodell verstehe, es aber irgendwie befremdlich finde, wenn man etwas verkauft, das man nicht hat. Auch wenn man sich das ausborgt und dafür eben "Miete" zahlt. Alles mal etwas pointiert ausgedrückt. Man stelle sich vor, das wäre im gesamten realen Lebensbereich ein Modell - man könnte dann Grundstücke verkaufen, die einem nicht gehören oder auch nur Äpfel. Anschließend bemühe man sich, aus einer Region einen "Slum" zu machen (oder die Äpfel verderben zu lassen) und kaufe alles zum halben Preis zurück. Für mich nicht unbedingt eine die Gesellschaft positiv entwickelnde Angelegenheit - auch wenn man daran verdienen kann.
Für mich führt das in der Folge zu der Sichtweise, dass ICH das Leerverkaufswesen als etwas sehr Destruktives empfinde. Es geht nicht darum, dass man an einem Unternehmen partizipieren will (Dividenden) oder an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung (Kursgewinne). Das hat nun aber nichts damit zu tun, dass man sich von seinen Anteilen trennt, wenn man erwartet, dass diese fallen (oder, so wie ich bei AT&S, auch nicht trennt, obwohl sie fallen). Leerverkäufer setzen darauf, dass Kurse fallen, dass es Unternehmen (aus Sicht der Shorties) möglichst bald möglichst schlecht geht, damit der Kurs möglichst tief falle. Einige - auch hier im Forum - vermuten, dass Shorties AKTIV daran arbeiten, dass Kurse fallen - und zwar nicht, weil es wirtschaftlich opportun wäre, sondern einfach, um den Kurs nach unten zu drücken um DARAN zu verdienen; treibt man das weit genug, dann kann das Unternehmen in Schwierigkeiten bringen (EK - Quote, KUV Verschlechterung und in weiterer Folge dadurch Beeinflussung von Kreditaufnahmen oder auch nur deren Konditionen, Gefahr feindlicher Übernahmen oder auch "nur" Einstieg ungewünschter Miteigentümer, die sich bei einem "korrekten" Kurs das nicht leisten können oder wollen - und am Ende auch Gefahr des Verlustes von Arbeitsplätzen wenn neue, weniger am Unternehmen interessierte Miteigentümer "maximale Kostensenkungsprogramme" auferlegen, weil man damit auf kurze Sicht Gewinne optimiert). Ich bin möglicher Weise zu idealistisch, aber ich sehe die Börse als Ort, an dem Unternehmen von Investoren Mittel erhalten, um sich wirtschaftlich entfalten zu können - und natürlich MÜSSEN die Investoren dafür belohnt werden, sei es nun in Form von Dividenden (meine bevorzugte Sicht) oder eben in steigenden Kursen. Aber jedenfalls - für mich - das Gegenteil von Leerverkäufen.
Daher kommt meine "Abneigung" Shorties gegenüber (und: mir wichtig: ich unterstelle Dir ganz sicher NICHT !!! - dass Du ein Freund dieser "Investitionsoption" bist, möchte nur meine Position erläutern).
Ich denke auch, dass die für das Börseleben verantwortlichen Gesetzgeber durchaus eine Erkenntnis zum Instrument der Shortsellers haben - und haben diese Option genau dann, wenn es (aus Sicht der Poltik) problemtaisch ist - also in der letzten Pandemie zum Beispiel - verboten. Und das sehe ich nun ebenfalls hinterfragenswert - denn wenn es etwas gibt, das man in Krisenzeiten für gefährlich genug hält, dass es die wirtschaftliche Entwicklung gefährdert (sonst hätt man's ja nicht verboten, in dieser Zeit), warum sollte das dann in weniger krisenhaften Zeiten - sagen wir mal in einer "nur - weltweiten Rezession" dann gestattet bleiben ?? Warum dann eben überhaupt ?? Für mich einfach inkonsequent.
Um im Eingangsbild zu reden: Stehe ich nicht im Grundbuch, kann ich ein Grundstück auch nicht verkaufen. Und das finde ich gut so.
Darum meine Position, die Leerverkäufe sollten wegen ihres destruktiven und in weiterer Folge unternehmensgefährdenden Geschäftsmodells von der Börse verbannt werden. Man kann ja in irgendwelchen Wettbüros derartiges zulassen. Aber da bin ich vermutlich - trotz meines Alters - zu extrem. Vielleicht aber auch gerade wegen meines Alters.