Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Gold fällt, Lithium steigt – warum zwei Rohstoffe plötzlich die Märkte bewegen

Der Goldpreis hat nach seinem Rekordlauf deutlich nachgegeben, während Lithium durch politische Eingriffe und steigende Nachfrage wieder teurer wird. Zwei Rohstoffe zeigen derzeit exemplarisch, wie stark geopolitische Spannungen und strategische Rohstoffpolitik die globalen Märkte verändern.
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Nahaufnahme eines großen Goldnuggets
Quelle: - ©iStock
Gold 4.835,81 $ Gold Chart +0,95%
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Goldpreis korrigiert nach Rekordlauf

Noch zu Beginn des Jahres schien der Goldmarkt in einer klaren Aufwärtsbewegung gefangen. Der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls kletterte zeitweise auf mehr als 5500 US-Dollar und markierte damit mehrere neue Höchststände. Inzwischen hat sich das Bild deutlich gedreht: Ein erheblicher Teil der Jahresgewinne ist wieder verloren gegangen.

Allein an einem Handelstag fiel der Goldpreis (Goldkurs) zeitweise um über 400 US-Dollar. Auslöser der jüngsten Marktturbulenzen war die geopolitische Eskalation im Nahen Osten, nachdem US-Präsident Donald Trump dem Iran ein Ultimatum gestellt und Angriffe auf Energieinfrastruktur angedroht hatte.

Dass ausgerechnet Gold in einer solchen Situation unter Druck gerät, wirkt zunächst paradox. Schließlich gilt das Edelmetall seit Jahrzehnten als klassische Krisenanlage. Doch nach Einschätzung von John Reade, Chefmarktstratege des World Gold Council (WGC), folgt der Markt damit einem historischen Muster.

„Auch in der frühen Phase der Finanzkrise und der Coronakrise sahen wir zunächst, dass Gold liquidiert wurde“, erklärt Reade.

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Der Grund liegt weniger im Vertrauen in das Metall selbst als vielmehr in der Funktionsweise moderner Finanzmärkte: In akuten Stressphasen verkaufen Investoren häufig auch sichere Vermögenswerte, um Liquidität zu schaffen oder Risiken im Portfolio schnell zu reduzieren.

Asiatische Investoren als kurzfristiger Preistreiber

Besonders auffällig ist derzeit die Rolle asiatischer Marktteilnehmer. Nach Beobachtung des WGC reduzieren Investoren in der Region aktuell ihre Engagements deutlich.

Ein Teil der starken Preisbewegungen findet zu Handelsbeginn in Asien statt – also genau dann, wenn Investoren in China, Indien oder Südostasien aktiv werden. Die Märkte dort sind besonders sensibel für Energiepreisrisiken, da viele Volkswirtschaften stark von Energieimporten abhängig sind.

Der jüngste Preisrutsch fiel entsprechend mit schwachen Aktienmärkten in Asien zusammen. In solchen Situationen werden liquide Vermögenswerte wozu auch Gold gehört häufig verkauft.

Bemerkenswert ist jedoch ein struktureller Trend: Die Nachfrage aus Asien ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, insbesondere über goldgedeckte ETFs. Neue Investorengruppen haben den Markt betreten, was nach Ansicht von Reade auch zur gestiegenen Volatilität beiträgt.

Eine nüchterne Beobachtung: Je breiter die Anlegerbasis, desto stärker reagieren Preise auf kurzfristige Kapitalbewegungen.

Alte Sorgen verschwinden nicht

Hinzu kommt, dass der starke Preisanstieg im Jahr 2025 von mehreren Faktoren getragen wurde, die aktuell kurzfristig in den Hintergrund getreten sind. Dazu gehörten:

  • Zweifel an der Stabilität des US-Dollars

  • Diskussionen über die Unabhängigkeit der Federal Reserve

  • Erwartungen umfangreicher Zinssenkungen in den USA

  • wirtschaftspolitische Unsicherheiten rund um die US-Regierung

Diese Themen sind jedoch nicht verschwunden. Sie werden lediglich von den unmittelbaren geopolitischen Risiken überlagert. Insofern wirkt die aktuelle Goldkorrektur eher wie eine Liquiditätsreaktion als wie ein grundlegender Stimmungsumschwung gegenüber dem Edelmetall.

Stagflation als mögliches Szenario

Mittelfristig sieht Reade sogar ein Umfeld, das historisch besonders günstig für Gold war: Stagflation – also eine Kombination aus hoher Inflation und schwachem Wirtschaftswachstum.

Ein möglicher Auslöser dafür wären dauerhaft erhöhte Energiepreise infolge der Spannungen im Nahen Osten. Steigende Transport- und Produktionskosten könnten sich dann entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausbreiten.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, warum dieses Szenario für Gold relevant ist: Während der 1970er-Jahre, als Ölpreisschocks und Inflation die Weltwirtschaft prägten, verzeichnete das Edelmetall einen der stärksten langfristigen Preisanstiege seiner Geschichte.

Zentralbanken zwischen Käufen und Verkäufen

Ein weiterer struktureller Faktor für den Goldmarkt sind die Zentralbanken. Seit rund vier Jahren treiben vor allem Länder außerhalb des westlichen Wirtschaftsraums die Nachfrage nach oben.

Doch selbst hier zeigen sich erste Veränderungen. Ghana und Tansania haben zuletzt Goldverkäufe angekündigt. Hintergrund ist unter anderem der Rückgang internationaler Hilfszahlungen für Schwellenländer, wodurch Haushaltslücken entstehen.

Der Verkauf von Goldreserven kann kurzfristig Liquidität schaffen, was eine klassische Strategie in Zeiten fiskalischen Drucks ist. 

Langfristig dürfte jedoch ein anderer Trend dominieren: der Wunsch vieler Staaten, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Initiativen für alternative Zahlungssysteme existieren bereits, auch wenn eine vollständig goldgedeckte BRICS-Währung nach Einschätzung von Reade derzeit unwahrscheinlich erscheint.

Die Dominanz des Dollars könnte sich über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren schrittweise verringern. Für Gold bleibt diese Entwicklung strukturell relevant.

Lithium: Simbabwe greift in den Markt ein

Während der Goldmarkt mit kurzfristiger Volatilität ringt, sorgt ein anderer Rohstoff für strukturelle Verschiebungen in der Industrie: Lithium.

Die Regierung von Simbabwe hat Ende Februar überraschend beschlossen, den Export von unverarbeitetem Lithium sofort zu verbieten. Die Maßnahme trifft einen Markt, der ohnehin unter wachsender Nachfrage steht.

Simbabwe liefert rund 9 Prozent der weltweiten Lithiumproduktion und ist damit ein wichtiger Akteur in der globalen Batterielieferkette. Rund 87 Prozent der Lithiumproduktion vor allem für Elektrofahrzeuge und Energiespeicher fließen in Batterien.

Die Entscheidung ließ die Preise unmittelbar reagieren. An der chinesischen Terminbörse Guangzhou Futures Exchange sprang der Lithiumpreis kurzfristig um etwa sechs Prozent nach oben.

Rohstoffnationalismus gewinnt an Bedeutung

Das Vorgehen Simbabwes ist Teil eines breiteren Trends. Immer mehr rohstoffreiche Staaten versuchen, einen größeren Teil der Wertschöpfung im eigenen Land zu halten.

Die Strategie ist klar: Statt lediglich Rohstoffe zu exportieren, sollen lokale Industrien entstehen, die einen Teil der Weiterverarbeitung übernehmen.

In Simbabwe bedeutet das konkret: Künftig soll nicht mehr nur lithiumhaltiges Gestein ausgeführt werden, sondern mindestens Lithiumsulfat, ein deutlich höherwertiges Zwischenprodukt in der Batterieproduktion.

Dieser Schritt zwingt Bergbauunternehmen dazu, Verarbeitungsanlagen im Land aufzubauen.

China als dominanter Investor

Der Schritt kommt allerdings in einem Umfeld, in dem chinesische Unternehmen bereits eine starke Position aufgebaut haben. Sie kontrollieren einen großen Teil der Lithiumminen in Simbabwe.

Allein 2025 exportierte das Land rund 1,13 Millionen Tonnen Lithiumkonzentrat.

Mehrere chinesische Konzerne investieren bereits in lokale Verarbeitungskapazitäten. Das Unternehmen Zhejiang Huayou Cobalt errichtet beispielsweise eine Anlage zur Produktion von Lithiumsulfat, die noch in diesem Jahr in Betrieb gehen könnte.

Damit sichern sich chinesische Firmen frühzeitig Zugang zu höherwertigen Produktionsstufen.

Chance und Herausforderung für Europa

Für Europa eröffnet die Entwicklung dennoch Möglichkeiten. Derzeit findet ein Großteil der globalen Lithiumverarbeitung in China statt, was erhebliche Abhängigkeiten schafft.

Sollten afrikanische Länder mehr lokale Raffineriekapazitäten aufbauen, könnten europäische Industrieunternehmen mit technologischem Know-how eine größere Rolle spielen.

Allerdings bleiben politische Risiken erheblich. Simbabwe wird weiterhin autoritär regiert, und Investoren erinnern sich an Jahrzehnte wirtschaftspolitischer Instabilität unter Robert Mugabe.

Zudem sind chinesische Unternehmen häufig bereit, schneller zu investieren und stärker auf politische Anforderungen der Gastgeberländer einzugehen.

Lithiumpreise könnten weiter steigen

Analysten erwarten bereits einen angespannten Markt. Cameron Hughes von der CRU Group rechnet für das laufende Jahr mit einem Lithiumdefizit, insbesondere aufgrund der starken Nachfrage aus der Batterieindustrie.

Der Preis für Lithiumcarbonat hat sich bereits deutlich bewegt:

  • Mitte 2025: etwa 8 US-Dollar pro Kilogramm

  • aktuell: rund 20 US-Dollar pro Kilogramm

Ein Anstieg in Richtung 30 US-Dollar gilt nicht als Basisszenario, wird aber auch nicht ausgeschlossen.

Für Endkunden wie etwa Käufer von Elektroautos dürften die Effekte allerdings begrenzt bleiben. Zwischen Rohstoff und fertiger Batterie liegen zahlreiche Verarbeitungsschritte, die Preisschwankungen teilweise abfedern.

Afrikas strategische Rohstoffpolitik

Der Schritt Simbabwes ist zudem Teil einer größeren Strategie. Bereits vor fast zwei Jahrzehnten formulierte die Afrikanische Union ihre sogenannte Rohstoffvision.

Ziel ist es, mehr industrielle Wertschöpfung auf dem Kontinent zu schaffen. Besonders relevant sind dabei Länder mit großen Rohstoffvorkommen:

  • Demokratische Republik Kongo: rund 70 % der globalen Kobaltproduktion

  • Guinea: weltweit größte Bauxitreserven

  • Südafrika: etwa 90 % der Platinmetallreserven

  • Sambia: bedeutender Kupferexporteur

  • Gabun: zweitgrößter Manganproduzent

  • Mosambik: wichtiger Grafitlieferant

Für Industrienationen bedeutet diese Entwicklung eine zunehmende Rohstoffpolitik statt reiner Marktlogik.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie sieht daher auch staatliche Instrumente als mögliche Antwort – etwa strategische Rohstoffreserven, die Preise stabilisieren könnten.

Zwei Märkte, ein gemeinsames Thema

Ob Gold oder Lithium – beide Märkte spiegeln letztlich denselben globalen Trend wider: Rohstoffe werden zunehmend geopolitisch geprägt.

Beim Gold zeigt sich dies in der Rolle von Zentralbanken und geopolitischen Spannungen. Beim Lithium in der wachsenden Macht rohstoffreicher Staaten, die ihre Ressourcen strategischer einsetzen.

Für Unternehmen und Investoren bedeutet das vor allem eines: Die Dynamik der Rohstoffmärkte wird in den kommenden Jahren weniger von kurzfristigen Nachfragezyklen und stärker von politischen Entscheidungen und globalen Machtverschiebungen bestimmt.

Eine Entwicklung, die sich bereits heute deutlich abzeichnet und die Rohstoffe wieder stärker ins Zentrum wirtschaftspolitischer Strategien rückt.
Für Anlegerinnen und Anleger bleibt die Gewissheit, dass beide Rohstoffe in der aktuellen global betrachteten geopolitischen und wirtschaftlichen Lage weiterhin erhöhte Nachfrage verzeichnen werden, wenngleich diese durch eine erhöhte Volatilität flankiert werden könnten. 


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