Anlegermagazine: Nieten aus der Druckerpresse


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calexa:

Anlegermagazine: Nieten aus der Druckerpresse

 
31.01.02 13:26
Mit Aktientipps und Gewinnprognosen schürten Anlegermagazine die Hoffnung auf den großen Gewinn an der Börse. Eine Studie hat jetzt ermittelt, wie die Anlegerzeitschriften das Vermögen ihrer Leserschaft vernichteten.

Die Erwartungen waren nicht hoch, trotzdem führte die Studie zu einer herben Enttäuschung. Statistiker der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Essen wollten wissen, ob man Geld verdient, wenn man sich auf die Empfehlungen der Finanz-Fachzeitschriften verlässt. Das niederschmetternde Ergebnis: Die Chancen sind gering.
Lediglich fünf Prozent der insgesamt 5985 Tipps aller sechs untersuchten Magazine im Zeitraum von Januar bis Juni 2001 verhalfen dem Anleger zu einem Papier mit längerfristig steigenden Kursen. Knapp ein Drittel aller Empfehlungen erwiesen sich als Nieten: Absteiger-Papiere mit stetig fallenden Notierungen. Am Ende zu Verlusten führten sogar 38,6 Prozent der empfohlenen Aktien. Darin enthalten sind auch Papiere, die zunächst anzogen, dann aber abstürzten.

Am wenigsten Nieten holten sich die Anleger ins Portfolio, die sich auf das Magazin "Börse Online" verließen. Immerhin zehn Prozent der empfohlenen Papiere entwickelten sich stetig aufwärts. Doch das half dem Anleger wenig: Ein Viertel der Empfehlungen führte zu sofortigen Verlusten.

Peter von der Lippe, Leiter des Lehrstuhls Statistik an der Universität Essen, gab den Anstoß zu der Studie, weil ihm aufgefallen war, dass viele Empfehlungen in den Zeitschriften nur einmal erwähnt wurden und danach in der Versenkung verschwanden. Auffällig war auch der hohe Anteil der Kaufempfehlungen, obwohl die Kurse an den Börsen stetig nach unten gingen.

Als besonders problematisch fielen von der Lippe und seinen Kollegen die so genannten Chart-Analysen auf. Mit deren Hilfe werde dem Leser suggeriert, dass Prognosen mit größerer Treffsicherheit abzugeben wären, kritisierten die Wissenschaftler - in Wahrheit entpuppten sich die Aussagen vielfach als hohle Phrasen, die "die den Leser wegen ihres mehrdeutigen und nichtssagenden Inhalts völlig allein lassen."

Grundsätzlich spiele die Chart-Analyse für kurz- bis mittelfristige Kaufentscheidungen zwar in Fachkreisen eine Rolle, weil sie die Einflüsse der Marktteilnehmer untereinander mit einbezögen, doch ohne die entsprechende Fachkenntnis könne man sie nicht zu seinem Vorteil nutzen. Die Erfolgsquote der untersuchten Zeitschriften lasse aber den Schluss zu, dass die Chart-Analyse hier nicht mit der gebotenen Sorgfalt vorgenommen worden sei.

Fazit von Andreas Kladroba, Mitautor der Studie: "Kleinanleger sollten ihr Geld lieber in sichere, wenn auch weniger renditeträchtige Anlagen stecken."
(Quelle: www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,179718,00.html)

So long,
Calexa
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mod:

danke, den Artikel habe ich gesucht. Viele Grüsse o.T.

 
31.01.02 13:28
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calexa:

Hier die Einzelergebnisse

 
31.01.02 13:31
"Geld idee"
38 Prozent der Empfehlungen führten zu sicheren Verlusten
 
Verlag: Heinrich-Bauer-Verlag
Auflage*:260.500

"Geld idee" gab zwischen Januar und Juni 2001 insgesamt 443 Empfehlungen ab. Darunter waren:
340 Empfehlungen "Kaufen"
051 Empfehlungen "Verkaufen"
052 Empfehlungen "Halten"
23 Empfehlungen zu Neuemissionen, davon: 21 "zeichnen", 2 "nicht zeichnen"


"Focus Money"
40 Prozent der Empfehlungen führten zu sicheren Verlusten
 
Verlag: Focus Magazin Verlag
Auflage*: 224.000

"Focus Money" gab zwischen Januar und Juni 2001 insgesamt 957 Empfehlungen ab. Darunter waren:
740 Empfehlungen "Kaufen"
061 Empfehlungen "Verkaufen"
156 Empfehlungen "Halten"
13 Empfehlungen zu Neuemissionen, davon: 8 "zeichnen", 5 "nicht zeichnen"


"Aktien Research" (heute: "Aktien&Co.")
38 Prozent der Empfehlungen führten zu sicheren Verlusten
 
Verlag: FINANZEN Verlagsgesellschaft für Kapitalmarktinformation
Auflage*: 50.500

"Aktien Research" gab zwischen Januar und Juni 2001 insgesamt 1341 Empfehlungen ab. Darunter waren:
929 Empfehlungen "Kaufen"
164 Empfehlungen "Verkaufen"
248 Empfehlungen "Halten"
13 Empfehlungen zu Neuemissionen, davon: 9 "zeichnen", 4 "nicht zeichnen"


 
"DM" (jetzt: "DM EURO")
45 Prozent der Empfehlungen führten zu sicheren Verlusten

Verlag: Handelsblatt
Auflage*: 263.500

"DM" gab zwischen Januar und Juni 2001 insgesamt 469 Empfehlungen ab. Darunter waren:
151 Empfehlungen "Kaufen"
054 Empfehlungen "Verkaufen"
264 Empfehlungen "Halten"
4 Empfehlungen zu Neuemissionen, alle "zeichnen"


"Börse Online"

30 Prozent der Empfehlungen führten zu sicheren Verlusten
 
Verlag: Gruner+Jahr WirtschaftsPresse
Auflage*: 273.500

"Börse Online" gab zwischen Januar und Juni 2001 insgesamt 1693 Empfehlungen ab. Darunter waren:
1107 Empfehlungen "Kaufen"
0212 Empfehlungen "Verkaufen"
0374 Empfehlungen "Halten"
42 Empfehlungen zu Neuemissionen, davon 16 Mal "zeichnen"



"Die Telebörse"
41 Prozent der Empfehlungen führten zu sicheren Verlusten
 
Verlag: Verlagsgruppe Handelsblatt
Auflage*:196.000

Telebörse gab zwischen Januar und Juni 2001 insgesamt 1082 Empfehlungen ab. Darunter waren:
735 Empfehlungen "Kaufen"
111 Empfehlungen "Verkaufen"
236 Empfehlungen "Halten"
22 Empfehlungen zu Neuemissionen, davon: 17 "zeichnen", 5 "nicht zeichnen"

So long,
Calexa
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Brummer:

Die einzigen die bei den Empfehlungen verdienen

 
31.01.02 13:35
sind die Herausgeber der Hefte.

Gruß Brummer
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calexa:

Das ist richtig. Und alle haben es irgendwie

 
31.01.02 13:40
geahnt. Jetzt gibt es wenigstens mal eine Statistik, die nicht so einfach wegzudiskutieren sein wird.

Die Verlage werden auf jeden Fall weitermachen wie bisher, und viele Leute werden auch weiterhin kaufen.....

So long,
Calexa
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calexa:

noch einmal up o.T.

 
31.01.02 14:16
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ingenti:

eines stört mich allerdings an der sache

 
31.01.02 14:34
wäre die studie ein 12-18 monate eher gemacht worden wäre sie sicherlich ganz anders ausgefallen. das ganze ist doch auch abhängig vom gesamtmarkt. und der war doch in den letzten 18 monaten recht schlecht, zumindest für die, die auf steigende kurse gesetzt haben. und das tuen die meißten und die magaziene deshalb auch.
was jetzt aber nicht heißen soll, daß sogenannte analysten nicht in erster linie in die eigene oder in die tasche ihrer bekannten oder ihres arbeitgebers wirtschaften und alles andere als unabhängig sind.
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derGURU:

in der Hausse kann jeder Idiot Geld verdienen

 
31.01.02 14:47
aber nur der, der es auch in schwierigen Börsenzeiten (Baisse, Seitwärtstrend) schafft, ist wirklich gut.
BO kann ich seit der RD4-Niedermache eh nicht mehr ab, an ein ganz dolles Ding kann ich mich noch gut entsinnen: Blue c  bei 12 Euro unbedingt kaufen, Ziel 20 oder so, Kurs gibt nach, bei 10 Euro kaufen mit ziel 12, Kurs gibt nach, bei 8 Euro kaufen mit Ziel 10 später noch mal kaufen und dann hört man nix mehr, heuiger Kurs 0,35!
Die können von mir aus Pleite gehen, ausser dem Jünemann gibts dort nur Luschen. Hoffentlich hält Bodo sein Versprechen und macht jetzt Ernst mit der Klage!
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calexa:

Börse Online habe ich ca ein Jahr lang gelesen

 
31.01.02 19:04
Dann habe ich festgestellt, daß es so ist, wie als würde man eine Fernsehillustrierte lesen, nur halt zum Thema Börse: Genauso seicht.

So long,
Calexa
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taos:

Anlageempfehlungen

 
31.01.02 19:19
Anlegermagazine geben Anlageempfehlungen

Diese Empfehlung mag zu dem Zeitpunkt und für das Unternehmen auch stimmen. Nur es bedeutet nicht das die Aktienkurse auch steigen. Wüsste jemand von den Analysten gennau, welche Aktien sich wie entwickeln: ja warum sollte dann noch arbeiten?

Ein Anlegermagazin kann Denkanstöße geben, aber Fachwissen und eigene Recherche kann kein Magazin ersetzen.

Taos

Antworten
calexa:

Du nimmst mir das Wort aus der Seele Taos o.T.

 
31.01.02 20:50
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