Der Fall Alstom
Im Sommer 2003 schrammte Alstom nur knapp an der Pleite vorbei. Die Regierung unter Jean-Pierre Raffarin entwickelte daraufhin gemeinsam mit dem Mischkonzern und den kreditgebenden Banken einen Rettungsplan, an dem sich der Staat beteiligen wollte. Es gelte, eine Pleite zu verhindern, die weltweit 110 000 Arbeitsplätze gefährden würde, hieß es. Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy setzte den Rettungsplan, der staatliche Subventionen von 2,5 Mrd. Euro vorsieht, nach mehreren Treffen mit EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti durch. Die EU-Kommission billigte den Plan gegen Auflagen. So muß der Hersteller von Gasturbinen, Schiffen und dem Hochgeschwindigkeitszuges TGV innerhalb der nächsten vier Jahre mit anderen europäischen Konzernen langfristige Industriepartnerschaften eingehen. Siemens hatte Interesse an Teilen des Konzerns geäußert und gehofft, die Industrieturbinensparte übernehmen zu können. Allerdings machte Sarkozy den Münchenern einen Strich durch die Rechnung, denn er lehnte das brüsk ab: "Alstom ist eine Blüte der französischen Industrie, die auf keinen Fall zerschlagen werden darf." Gespräche über eine Teilfusion seien vom Tisch, erklärte Siemens-Chef Heinrich von Pierer kürzlich in Paris. Dort stellte er eine großangelegte Image-Kampagne vor, die Beobachter als Versuch werten, die Wogen in der Alstom-Affäre zu glätten. In Frankreich war die Kritik, die Siemens an dem staatlichen Rettungsplan geäußert hatte, nicht gut angekommen. So hatte Siemens moniert, daß Alstom Staatshilfen nutze, um Aufträge zu Dumpingpreisen anzunehmen. wü
Artikel erschienen "Die Welt" ,16. November 2004