Achtung Bullenfalle


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Pichel:

Achtung Bullenfalle

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30.06.03 10:50
Nach 3 Monaten Kursrallye an den Aktienmärkten ist der Optimismus wieder zurückgekehrt!

Technisch hat sich das Bild, trotz des Rücksetzers zum Wochenschluß augenscheinlich deutlich aufgehellt u. vielerorts spricht man von positiven Daten bei den Unternehmen und von positiven Entwicklungen bei vielen Instrumenten der Wirtschaftssteuerung.
Dies ist ein Phänomen, das ich bei allem Realismus absolut nicht in dieser Tragweite nachvollziehen u. unterstützen kann!

Stimmungsumschwung von einem ins nächste Extrem

Fakt ist, dass wir vor 3 Monaten in einer derart negativen Stimmung gefangen waren, dass alles völlig negativ gesehen wurde u. jeder täglich die Kursziele für den Crash nur nach unten angepasst hat.

Genau die Analysten, die damals eben so negativ und vorsichtig waren, was die Zukunftsaussichten angeht stehen jetzt in vorderster Reihe der Frontgaukler u. Marktschreier und verkünden, wo es nur geht das Ende der Baisse! Aber ist es nicht vielmehr so ,dass wir binnen extrem kurzer Zeit von einem Stimmungsextrem ins nächste gewandert sind?

So negativ, wie vor 3 Monaten alles war - so positiv u. rosarot wird es jetzt gemalt!
Grundsätzlich hat sich nicht viel geändert!
Die Börsen sind nun wieder auf bzw. über dem Niveau v. vor der Irakkrise (deren Beginn im Prinzip ja im November 2002 lag, was die konkrete Wahrnehmung der Börsen angeht).

Fehleinschätzungen über Ursachen u. Wirkungen

Der erwartete Einbruch des Ölpreis, den ich pers. nie verstehen konnte und nie so dramatisch gesehen habe, ist ausgeblieben, Kursziele v. 18-22 Dollar bleiben wohl Hirngespinste u. Wunschträume unverbesserlicher Bullen!
Dafür sorgt
1. die Opec,

2. ergibt sich das schon aus der logischen Herleitung, denn die Annahme fallender Ölpreise ging ja daraus hervor, dass man große Lieferungen aus dem Irak nach Kriegsende erwartet hatte. Dies wird aber bis auf weiteres eingedämmt bleiben, denn die amerikanische Besatzungsmacht hat dies zwar unter Kontrolle, doch sind große Teile der Infrastruktur zerstört! Während des Kriegs machten die Plünderer auch vor den Ölförderstationen nicht halt, ergo ist ein großer Teil nur bedingt oder überhaupt nicht einsatzfähig!


Des weiteren ist und bleibt der Euro einfach stark.

Dies hat sowohl positive, als auch negative Auswirkungen!

Die Importpreise fallen, was gut für Unternehmen ist u. für Verbraucher, so sie gewillt sind zu investieren!!!
Doch genau da haben wir schon das nächste Problem - 50% der Unternehmen gibt aktuell bekannt, dass man die Investitionen weiter zurückfahren will in den kommenden 6 Monaten u. nur ca. 14% der Unternehmen wollen mehr investieren.

Ähnlich sieht es bei den Verbrauchern aus. Was nützen denn die niedrigen Importpreise, wenn ich arbeitslos oder mit deutlich gekürztem Gehalt halb auf der Strasse sitze. In Zeiten wo aufgrund gestiegener Existenz- und Zukunftsängste die psychische Verfassung dermaßen schlecht ist, steht vielen der Sinn nach allem, nur nicht nach Investitionen, das typische Phänomen des "Angstsparens" also.

Die Leute sind durch die Entwicklung der letzten Jahre regelrecht verschreckt worden u. das ist so leicht nicht zu beheben.

Zurück zum Euro!

Negative Auswirkung einer starken Währung ist, dass die Exporte entsprechend teurer werden und somit dauerhaft hohe Währungen schaden können.

Des weiteren resultiert der starke Euro nicht etwa aus blühenden Wirtschaftslandschaften in hiesigen Regionen, sondern einfach nur aus dem schwachen Dollar! Dessen Schwäche ist teilweise hausgemacht(Kapitalabluß in USA), zum anderen gewollt, denn mit einer Politik des schwachen Dollars will man von Seiten der Bush Administration das große Defizit in der Handelsbilanz bekämpfen.

Doch dauerhaft kann es kaum förderlich sein, wenn die Kapitalströme sich von der Leitwirtschaft der Welt in Mitläuferökonomien verlagern, da in vielen Ländern einfach die Strukturen nicht entspr. stabil sind- z.B. Deutschland!

Was hat sich noch geändert in den letzten Wochen außer den Aktienkursen???

Herzlich wenig möchte ich behaupten!

Überinterpretation der akt. Daten

Die Unternehmensdaten sind ein glatter Hohn bzw. die Bewertung selbiger!
Eingehaltene Planzahlen werden frenetisch bejubelt u. mit Kursaufschlägen gefeiert, wie dies zuletzt zu Haussezeiten der Fall war.
Dabei zeigt sich, wie stimmungsanfällig und herdengetrieben die Börsianer sind.
Die Zahlen, die jetzt mit Ach und Krach erreicht werden basieren auf mehrfach gesenkten Erwartungen und überwiegend aus Kostensenkungsmassnahmen, wie Entlassungen, Reduktion der Produktionstätigkeit usw.!
Nicht aber aus der laufenden Geschäftstätigkeit!!!
Der Konsument hält sich weiter dezent zurück, obwohl er theoretisch schon voll reinhauen müsste!
Schliesslich fallen die Preise bereits bei vielen Verbrauchsgütern:
Nur mal ein kleiner Auszug der diese deflationäre Tendenz in bestimmten Bereichen belegt:
Haushaltswaren -0,8
Sportausrüstung -1,5
Nahrungsmittel -1,8
Fernseher -2,8 usw. (alles in %/Vorjahr)

Zinsschraube fast ausgereizt, die Wirkung?

Des weiteren wurden die Zinsen nochmals gesenkt, womit wir uns in USA u. Euroland auf historischen Niedrigstständen bewegen!

Niedrige Zinsen - Prima dann gehts rauf!

Das scheint der einhellige Tenor zu sein!
Doch gerade hier sehe ich eine immense Gefahr für die kommenden Jahre!
Denn bislang verpufften die Zinssenkungen weitestgehend u. zeigten nahezu keinerlei Wirkung!
Und nun bewegen wir uns auf ein Niveau zu, wo der Spielraum immer kl. wird u. somit ein weiteres Instrument des exogenen Eingreifens nicht nur wegzufallen droht, sondern auf mittlere Sicht sogar konträre Wirkung entfalten könnte, wenn nämlich irgendwann die Zinsen im Rahmen anziehender Inflation wieder erhöht werden.
Dauerhaft niedrige Zinsen sind kein Allheilmittel.
Sie können kurzfristig eine Entwicklung bremsen bzw. abfedern u. teilweise entlasten, doch auch hier kann eine nachhaltig positive Wirkung nur erzielt werden, wenn der ureigene Charakter von einer pos. Wirtschaft mit diesen niedrigen Zinsen einhergeht.

Und damit meine ich ganz klar die Triebfedern u. Voraussetzungen für einen Aufschwung - nämlich sinkende Arbeitslosigkeit(haben wir nicht), steigende Investitionen, niedrige Verschuldung (besser schuldenfrei) u. nat. einfach nur Nachfrage seitens der Konsumenten. Und genau hier setzen meine großen Bedenken an.

Überheblichkeit wird bitter bestraft werden

Wir haben gerade in USA die letzte Blase nicht annähernd verdaut u. abgebaut u. sind schon auf dem Weg die Pumpe für die nächste Blase anzusetzen u. mit der Wortwahl "Pumpe" treffe ich da den Nagel auf den Kopf, denn nichts anderes sehen wir derzeit überall!

Manipulationen u. permanentes Eingreifen in den natürlichen Marktverlauf.

Die USA setzen bewusst auf einen starken Aktienmarkt, schwachen Dollar, und niedrige Zinsen, um die Probleme zu beheben. So will man über einen starken Aktienmarkt (der in USA sehr eng mit d. Wirtschaft korr. ist) u. niedrigen Zinsen, sowie Steueranreizen künstlich eine natürlich nicht vorhandene Nachfrage an gesättigten Märkten erzeugen. Das kann kurzfristig eine leichte Stimulation u. eine scheinbare Entspannung bringen, doch mittelfristig tut man sich damit keinen Gefallen, wenn man mittels Manipulationen u. massivem exogenen Eingreifen den natürlichen. Marktverlauf stört u. völlig verändert!

Es gibt unzählige Beispiele aus dem normalen Leben, die genau das zeigen.

Was passiert denn, wenn man ein Gefühl wie Hunger oder Durst dadurch bekämpft, dass man entsprechend Nahrung zuführt oder trinkt......kurzfristig stellt sich ein vorübergehendes Zufriedenheitsgefühl ein, doch irgendwann übergibt man sich, sollte es das Maß des Notwendigen überschreiten!

Was passiert denn wenn man natürliche Flussverläufe durch Begradigungen abändert?
Sieht toll aus u. man kann drum herum vielleicht schöne Häuslein bauen, irgendwann schlägt die Natur aber zurück u. sucht sich den nat. Verlauf, es gibt Überschwemmungen und alles manipulativ erzeugte (Häuser, wo vorher Wasser war) wird vernichtet!
Die größte Gefahr des Menschen liegt darin zu glauben, er könne die Natur mit seinem Wissen u. diversen Instrumenten beherrschen, was in der Vergangenheit selten gut gegangen ist u. auch in der Zukunft nicht der Fall sein wird. Doch genau dies sehen wir gerade.

Es gibt durchaus Parallelen zu den vergangenen Crashs u. Deflationsszenarien, doch die werden v. 2/3 der Ökonomen mit der Argumentation weggewischt, dass man ja aus der Vergangenheit gelernt habe und jetzt viel mehr Instrumente habe um gegenzusteuern. Doch in der ersten BWL-Vorlesung (!) lernt man schon, dass der Markt sich seinen Weg bahnt und sich jegliche kurzfristigen Eingriffe gleich welcher Art mittelfristig austarieren.

Und solange der Markt sich nicht von selbst bereinigt hat (sprich: Unternehmen und Staat entschuldet, Lager leer, Nachfrage naturgemäß da, weil Auto kaputt, Fernseher kaputt usw., und wieder Leute in den Unternehmen eingestellt werden u. nicht rausgeworfen) wird es keinen Aufschwung geben u. man verzögert die Sache nur unnötig u. macht es möglicherweise noch schlimmer.

Es ist ein völlig normaler zyklischer Prozess, dass auf einen Boom mit vielen Innovationen (Handy, Internet, PC) eine Konsolidierung folgt u. dabei eine breite Bereinigung stattfindet. Aus einer Baisse ging man nie mit solchen Schulden, solchen KGV´s u. solchen maroden u. hochgefährlichen Strukturen heraus, das gab es nicht!

Es wird also vielmehr versucht mittels warmer u. besänftigender Worte die Leute zum Konsum zu treiben, die Unternehmen zur Investition anzuregen und so einen künstl. Aufschwung zu erzeugen, doch das ging bisher niemals gut.

Seit Jahren ständig Durchhalteparolen u. immer wieder schlaue Reden der Politiker u. Wirtschafter.
Doch bislang gab es immer wieder ordentlich auf den Deckel u. ich rechne auch diesmal fest damit, vielleicht nicht in den nächsten Wochen, nicht im Herbst aber spät. im kommenden Jahr schlägt die Realität bitter zu!

Mal abgesehen davon, dass ein solcher Aufschwung, wie wir ihn hatten, nicht nach 3 Jahren einfach beendet sein dürfte, war nie so u. wäre zyklisch vollkommen untypisch! 5-7 Jahre sind solche Zyklen im Regelfall, was auch in mein Grobbild passen würde, wonach wir tendenziell bis 2004 steigen (beinhaltet die erwartete Korrektur Richtung 2800 im Juli/August), dann massiv fallen u. danach eine hohe Chance auf einen nachhaltigen Boden haben.

Durch die in Mode gekommenen Absicherungs- bzw. Hedge u. Shortgeschäfte entstehen immer wieder neue Blasen. Denn solche Rallyes werden zu 80% nur von shortcoverings getragen u. da war ja einiges offen. Fundamental untermauert wäre der aktuelle Anstieg erst mit Wachstumsraten v. 2,5-3 % u. nicht mit solchem "Geklecker"! Frappierend ist die Entwicklung des Deutschen BIP im internationalen Vergleich.

Nimmt man den Vergleich mit Europa, so waren wir ja schon immer hinten dran, aber der Spread wurde immer grösser in den letzten 3 Jahren.

Fazit:

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir gerade an einer Mega-Bullenfalle basteln, in die wir spätestens im Jahr 2004 übel tappen werden. Bei genauer Betrachtung gab es immer wieder solche Phasen in Bärenmärkten u. gerade die sind so tückisch, wie sonst nichts anderes.


Technisch betrachtet

Ein Paradevergleich lässt sich dabei mit der Entwicklung der Trends u. Indikatoren bei der Erholung des Dax v. 3540 auf 5580 ziehen! Da wurde auch der damalige ABT kurzweilig geknackt (aktuell in USA) u. die Monatsindikatoren sprangen kurz auf Long um u. man sprach v. Ende der Korrektur! Die Stimmung war da auch ähnlich positiv, was dann kam wissen wir alle.

ABT werden immer wieder geknackt - das ist normal, doch wie nachhaltig ist eben die Frage.

Ich betone nochmals, dass es hier nicht bedeuten soll, dass wir zwangsläufig nochmal neue Lows markieren werden aber wie ich schon mehrfach betonte ist nach oben der Deckel ab einem best. Niveau einfach drauf, denn wir haben ja bereits jetzt einen Bullenmarkt eingepreist in USA!

Folgendes Szenario stelle ich mir vor: bis Ende August DAX Richtung 2800/2900, danach eine zweite Bullenrallye, die uns durchaus bis in den Bereich 3800/4200 (je nach Übertreibungswelle) bringen kann, danach Test der alten Tiefststände um den Bereich 2200 (2004).

Viel Erfolg!

www.bardtke-trading.de


Gruß Pichel Achtung Bullenfalle 1078621

Antworten
diplom-oekon.:

Zinssenkung

 
30.06.03 11:04
Gerade jetzt kommen die Zinssenkungen wieder zum tragen, da die Banken
bei verbessertem Ausblick eher bereit sind, Geld an die Unternehmen zu verleihen und
nur deshalb hat die FED weiter  gesenkt.

Generell: überall lese ich wir sind in eine "MEGA-Bullenfalle", dadurch weiss ich, dass genau
dieses nicht eintreffen wird, so wie bisher auch (Aktienkurse bzw. Weltwirtschaft ist nicht vorhersehbar)
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hjw2:

wer bekommt kredite, dipl. oek. ? o. T.

 
30.06.03 11:15
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Happy End:

Ich frage mich, wer hier euphorisch ist?

 
30.06.03 11:20
Ich jedenfalls nicht
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