Die US-Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche deutlich an Dynamik verloren. Besonders betroffen waren Technologie- und KI-Aktien, während sich der Dow Jones vergleichsweise stabil hielt. Der Nasdaq fiel um 2,1 % und unterschritt seine Tiefs von Anfang Juni, was als negatives charttechnisches Signal gilt. Der S&P 500 verlor 0,6 % und bewegte sich zeitweise unter seine wichtige 50-Tage-Linie. Belastet wurden die Märkte vor allem durch den starken Anstieg der Ölpreise und der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, die auf 4,68 % stiegen.
Im Mittelpunkt stehen nun die Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne Apple, Microsoft, Meta und Amazon. Besonders kritisch beobachten Anleger die Ausgaben für künstliche Intelligenz (KI). Alphabet hatte nach der Vorlage seiner Zahlen angekündigt, die Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur weiter deutlich zu erhöhen, obwohl der freie Cashflow bereits rückläufig war. Dies löste Zweifel aus, ob sich die milliardenschweren KI-Investitionen kurzfristig überhaupt rentieren. Anleger befürchten nun, dass Microsoft, Meta und Amazon ähnliche Ankündigungen machen könnten. Gleichzeitig sind Halbleiter- und KI-Hardware-Unternehmen wie Seagate, SK Hynix oder Samsung in einer schwierigen Situation: Sie profitieren zwar von den hohen Investitionen der Tech-Konzerne, wären aber stark betroffen, falls diese ihre Ausgaben künftig reduzieren.
Apple bildet derzeit eine Ausnahme. Das Unternehmen hat sich bisher bei den milliardenschweren KI-Investitionen zurückgehalten und gilt deshalb vielen Investoren als finanziell disziplinierter. Die Aktie entwickelte sich zuletzt deutlich besser als andere große Technologiewerte und stieg am Freitag vor den Quartalszahlen um 3,4 %.
Neben den Unternehmenszahlen richtet sich der Blick auf die Sitzung der US-Notenbank Fed. Für die kommende Sitzung wird eine Zinserhöhung zwar nur mit rund 38 % Wahrscheinlichkeit erwartet, bis September rechnen die Märkte jedoch bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 %. Höhere Zinsen würden insbesondere wachstumsstarke Technologieunternehmen zusätzlich belasten.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt die geopolitische Lage. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran könnten die Ölpreise weiter nach oben treiben. Gleichzeitig sorgten Berichte über mögliche neue Gespräche zwischen den USA und dem Iran – vermittelt durch Pakistan und China – am Freitag kurzfristig für sinkende Ölpreise und eine leichte Erholung an den Börsen. Insgesamt legte der Ölpreis auf Wochensicht jedoch um mehr als 9 % zu.
Während Technologie- und Halbleiterwerte unter Druck standen, entwickelten sich andere Branchen deutlich besser. Energieunternehmen profitierten vom Ölpreisanstieg. Auch Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen zeigten Stärke, ebenso große Pharma- und Biotechnologiewerte wie Eli Lilly, Johnson & Johnson und Merck. Zudem hielten sich einige Reise- und Fluggesellschaften, darunter Delta Air Lines und Viking Holdings, vergleichsweise gut.
Der Ausblick bleibt angespannt. In der kommenden Woche treffen gleich mehrere potenziell marktbewegende Ereignisse zusammen: die Quartalszahlen der größten Technologieunternehmen, die Fed-Sitzung sowie mögliche Entwicklungen im Nahostkonflikt. Diese Kombination dürfte für hohe Volatilität sorgen. Selbst eine Erholung der großen Indizes bedeutet nicht zwangsläufig, dass besonders angeschlagene Technologie- und KI-Aktien wieder steigen. Deshalb empfehlen Marktbeobachter derzeit eine eher defensive Positionierung, eine reduzierte Aktienquote sowie klar definierte Kauf- und Verkaufsstrategien, bis sich ein klarerer Markttrend herausbildet.
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