auszug: " Ich gehe davon aus, dass wir Anfang Mai weitere Informationen von Freenet bekommen", sagte Dommermuth. Bei den letzten Gesprächen habe Freenet keine Details zur Verfügung gestellt, mit denen United Internet das Geschäft hätte bewerten können."
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Frankfurt (Reuters) - Beim Telekommunikationsunternehmen Freenet werden die Karten neu gemischt: Die Norddeutschen nehmen die Übernahmegespräche mit den Konkurrenten United Internet und Drillisch wieder auf.
Innerhalb der nächsten zwei Monate solle es ein Ergebnis geben, wie die Unternehmen mitteilten. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth bezeichnete am Freitag sowohl eine komplette Übernahme als auch einen Kauf von Teilen als Option. Er hatte sich am Vortag mit Freenet-Chef Eckhard Spoerr getroffen.
Ob sich die Konkurrenten einigen werden, ist völlig offen. Denn Freenet fährt zweigleisig und spricht auch mit dem Finanzinvestor Permira über den Erwerb von dessen Mobilfunkdienstleister Debitel. Finanzieren könnte Freenet die Transaktion, indem die Firma sich von der Sparte Breitbandanschlüsse (DSL) und Internetportale trennt.
Dommermuth sagte, er wolle Freenet eine Alternative bieten. Er schloss aus, eine um das Debitel-Geschäft gestärkte Freenet zu übernehmen. Eine Konsolidierung welcher Art auch immer werde schon so kompliziert genug, abgesehen von Milliardenaufwendungen für Debitel. Das sei auch eine Finanzierungsfrage. Dommermuth machte deutlich, dass er derzeit nicht plane, das eigene DSL-Geschäft abzugeben - auch wenn die Gespräche mit Freenet nicht zum Erfolg führen sollten.
United Internet hält zusammen mit Drillisch über die gemeinschaftliche MSP Holding GmbH gut 25 Prozent an Freenet und damit eine Sperrminorität, mit der wichtige Entscheidungen auf der Hauptversammlung blockiert werden können. United Internet hat Interesse am DSL- und Webhosting-Geschäft von Freenet, während Drillisch gerne Zugriff auf das Mobilfunkgeschäft hätte.
Die Freenet-Aktionäre dürfen bei einer möglichen Übernahme allerdings nicht auf eine hohe Prämie hoffen. Als Grenze habe sich United Internet 20 Prozent auf den Freenet-Aktienkurs vom Donnerstag gesetzt, sagte Dommermuth. "Wir könnten also bis 12,80 Euro je Aktie gehen."
Die Ankündigungen der Unternehmen trieben den Kurs von Freenet am Freitag bereits auf bis zu 12,92 Euro, ein Plus von über 19 Prozent zum Schlusskurs vom Vortag.
Eine Übernahme könne United Internet problemlos stemmen, sagte Dommermuth. Sein Unternehmen verfüge über nicht ausgeschöpfte Kreditlinien und stehe im Dialog mit den Hausbanken für mögliche weitere. Zudem habe United 22 Millionen eigene Aktien zurückgekauft, die derzeit 300 Millionen Euro Wert seien. " Ich gehe davon aus, dass wir Anfang Mai weitere Informationen von Freenet bekommen", sagte Dommermuth. Bei den letzten Gesprächen habe Freenet keine Details zur Verfügung gestellt, mit denen United Internet das Geschäft hätte bewerten können.
Auch die Düsseldorfer Versatel, an der United Internet ebenfalls eine Sperrminorität hält, hat bereits Interesse am DSL-Geschäft von Freenet bekundet. Dommermuth ließ offen, ob er ein solches Vorhaben unterstützen würde: "Wir würden eine Kapitalerhöhung mittragen, wenn es dafür einen vernünftigen Grund gibt", sagte er lediglich. United Internet unterstütze die Strategie des Managements und mache sich derzeit keine Gedanken darüber, wie eine mögliche Anteilserhöhung zu finanzieren wäre. "Die Apax-Anteile werden uns derzeit nicht zum Kauf angeboten", erläuterte Dommermuth. Der Finanzinvestor hält rund 44 Prozent an Versatel und prüft Kreisen zufolge strategische Optionen.
- Nikola Rotscheroth -