Versager im Vorstand! 08:35 31.08.07
Es ist mal wieder typisch. Da richtet einer einen Scherbenhaufen an, stürzt aufgrund seines Versagens viele unschuldige Angestellte und Familien in existenzielle Nöte und verlässt dann das Unternehmen „auf eigenen Wunsch“. Wie soeben im Fall der Sachsen LB geschehen. Herbert Süß und seine gesamten Vorstandskollegen werden ausgewechselt. Ob er noch einen Beratervertrag nachgeschmissen bekommt? Ich weis es nicht. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß.[...]
[...]Szenenwechsel Freenet: Vorstandschef Spoerr, der ursprünglich einen Merger zwischen der alten MobilCom und Freenet nicht wollte, entscheidet sich aus Machtstreben und gegen seine Überzeugung doch dafür, zahlt nur um seinen Posten zu behalten Sonderausschüttungen vor allem an Großaktionäre, wo andere den Gürtel enger schnallen würden und wird jetzt wieder gegen seinen Willen, das Unternehmen wieder zerschlagen müssen. Steht also wieder da, wo er ursprünglich gestartet ist. Geschadet hat ihm das nicht. Mit 3,8 Mio. Euro Vorstandsgehalt und Aktienoptionen von 50 Mio. Euro für den Gesamtvorstand lässt es sich schon leben. Am Unternehmen allerdings scheint die Entwicklung vorbei gegangen zu sein. Morgan Stanley bietet es derzeit wie Sauerbier an. Keiner ist bereit die Freenet als Ganzes zu kaufen.
Das sind nur ein paar Beispiele dafür, wie katastrophal Unternehmen geführt werden dürfen, ohne dass die entsprechenden Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden. Und wenn, dann mit dieser saublöden Floskel des „auf eigenen Wunsch“ gegangen zu sein und mit dem, was allgemein als der „goldenen Handschlag“ bezeichnet wird. Dabei haben Sie teils Milliardenwerte vernichtet und zahlreiche Anleger durch ihr Verhalten geschädigt. Ich frage mich, wie das möglich sein kann und was mit den Aufsichtsorganen los ist. Wie kann man – wie im Fall Freenet geschehen – Aktienoptionen im Wert von 50 Mio. Euro an einen Vorstand gewähren, der ein Unternehmen führt, dass als Ganzes keiner haben will und gegen den derzeit sogar wie in der Wirtschaftswoche zu lesen, eine Klage wegen Betrugs, Untreue Insiderhandel und Geldwäsche in Kiel, Hamburg und bei der SEC in New York eingereicht wurde? Herr Thoma, der Aufsichtsratsvorsitzender sollte das mal erklären.
Um diesem Wildwuchs Herr zu werden, benötigen wir schärfere Gesetze im Wirtschaftsstrafrecht. Auch müssten die entsprechenden Ermittler besser ausgestattet werden. Aber wie das so oft ist: Hier traut sich keiner ran und dort wird gespart.
Ich befürchte, dass wir auch weiter mit diesen Herren leben müssen. Unsere Antwort darauf: Finger weg von diesen Aktien.
Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.
Ihr Norbert Lohrke
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