Freenet-Chef bereitet Zerschlagung vor
Die Zerschlagung des Mobilfunk- und Internetkonzerns Freenet ist offensichtlich nur noch eine Frage der Zeit. Vorstandschef Eckhard Spoerr seinen Widerstand dagegen aufgegeben. Er glaubt, "nichts Positives" mehr bewirken zu können.
Schon seit Wochen fordern mehrere Großaktionäre wie der Mobilfunkanbieter Drillisch, der Fonds Hermes und der Investor Florian Homm einen Teilverkauf des Mobilfunk-Konzerns Freenet. „Wir arbeiten nicht an einer Abwehrstrategie. Wir haben festgestellt, dass ein Teilverkauf für die Aktionäre mehr Wert schafft“, sagte Spoerr WELT ONLINE. Der Manager bestätigte indirekt, dass es bereits Verkaufsgespräche mit Interessenten für die Einzelteile Mobilfunk und Internet gibt.
Einen Tag zuvor hatte Konkurrent Drillisch überraschend mitgeteilt, nach der Übernahme eines großen Aktienpakets mit nunmehr 29 Prozent größter Aktionär von Freenet geworden zu sein. „Sobald Drillisch die Aktien auch offiziell hält, werden wir uns mit dem Management zusammensetzen“, sagte Spoerr weiter. „Mit diesen neuen Verhältnissen können wir nichts Positives mehr für den Konzern Freenet bewirken“, sagte Spoerr.
Drillisch-Chef Paschalis Choulidis will Mobilcom als drittgrößten Mobilfunkanbieter Deutschlands übernehmen und den Rest des Freenet-Konzerns verkaufen. Für das Internetgeschäft interessieren sich nach Branchenangaben Konkurrenten wie United Internet, Arcor oder Hansenet. Ihr Interesse bezieht sich auf das DSL-Breitbandgeschäft und die hohe Zahl der Internet-Kunden des Freenet-Portals. Zuletzt hatte Freenet allerdings Probleme, Neukunden zu gewinnen.
„In den Gesprächen hat sich gezeigt, dass es eine breitere Käuferschicht für einzelne Teile unseres Konzerns gibt als für den Gesamtkonzern“, sagte Spoerr. Und ganz offensichtlich unterstützten die Großaktionäre nicht die langfristige Strategie seines Vorstands. Ursprünglich wollte Spoerr durch den Aufbau des mobilen Internets organisch wachsen.
Einige Bankanalysten bewerten den Gesamtwert von Freenet derzeit niedriger als die Summe der Einzelteile. So kommt SES-Research auf einen Verkaufswert des Mobilfunkgeschäfts von etwa 600 Mio. Euro und des Internetgeschäfts von bis zu 840 Mio. Euro. Zusammen mit den anderen Konzernteilen ergeben sich bis zu 2,2 Mrd. Euro Verkaufswert gegenüber rund 1,7 Mrd. Euro aktuellem Börsenwert der Freenet AG.
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Noch vor wenigen Wochen hatte Spoerr in Interviews ausgeschlossen, Mobilcom aus dem Konzern herauszulösen und zu verkaufen. Nun steht nicht nur Mobilcom, sondern mit Freenet auch der zweite Teil des Konzerns zum Verkauf. Es sei eben eine andere Situation, wenn eine große Mehrheit der Aktionäre die Strategie nicht mehr mittrage. Nach einem zwei Jahre dauernden Rechtsstreit waren Mobilcom und Freenet gerade erst im Sommer zusammengelegt worden. Zu seiner persönlichen Zukunft sagte Jungmanager Spoerr lediglich: „Wer immer Freenet erwirbt, erwirbt auch mich.“