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Exodus der Ethereum-Elite: Insider-Verkäufe schüren Panik am Markt

Über 50 Millionen US-Dollar flossen allein in dieser Woche von den Wallets der Ethereum-Prominenz ab. Die On-chain-Daten sind eindeutig. Die Motive sind es nicht.

Zu einer Woche, in der der ETH-Kurs Anlegern genug Sorge über die Zukunft ihres Assets bereitet, kommen jetzt auch noch Verkäufe von ausgerechnet jenen Figuren, die für den Aufstieg des Ethereum-Ökosystems stehen. Vitalik Buterin hat inzwischen mehr als zehn Millionen US-Dollar an ETH abgestoßen. Aave-Gründer Stani Kulechov verkauft ETH im Millionenwert – und investiert in eine 30-Millionen-US-Dollar-Villa in Londons Nobelviertel Notting Hill. Auch der Ethereum-nahe Gründer Konstantin Lomashuk soll bis zu 28 Millionen US-Dollar an ETH über den Market Maker Wintermute abgestoßen haben.

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Zusammen über 50 Millionen US-Dollar, bewegt von den Architekten des Netzwerks, mitten in einem der schwersten Einbrüche, die diese Branche je erlebt hat. Ein Glaubensverlust der alten Ethereum-Elite?

Vitaliks Millionen-Transfers

Die Wahrheit liegt – wie immer – irgendwo dazwischen. Buterin rahmte seine Verkäufe in einem ausführlichen Statement auf X ein. Die Ethereum Foundation befinde sich in einer Phase “milder Austerität”, schrieb er. Er übernehme persönlich Aufgaben, die sonst als Sonderprojekte der Stiftung gelaufen wären. Konkret: 16.384 ETH sollen über die kommenden Jahre in Open-Source-Hardware, Privacy-Tools und dezentrale Infrastruktur fließen.

“Ethereum für Menschen, die es brauchen”, formulierte Buterin. “Keine Konzern-Pampe, sondern Selbstbestimmung.” Kein Exit also, sondern eine Umschichtung innerhalb der eigenen Vision.

Zusammen mit Buterins neuer Agenda zur Skalierung der L1 lässt sich klar pro Ethereum argumentieren. Dass er seine Initiative ausgerechnet wenige Wochen vor einem statistischen Ausreißer-Crash in die Wege leitet, lässt sich als unglückliches Timing verbuchen.

Beton-Gold statt “Digital Oil”

Bei Kulechov sieht die Sache anders aus. Laut Bloomberg kaufte der Aave-Gründer bereits im November eine viktorianische Villa in Londons Notting Hill – für 22 Millionen Pfund, umgerechnet rund 30 Millionen US-Dollar. Fünf Stockwerke, Panoramablick. Kulechov selbst kommentierte auf X: “Ihr wollt euch irgendwann eine Villa leisten? Meldet euch bei aave.com an.”

Damit ist Kulechov nicht der erste DeFi-Gründer, der seinen Krypto-Reichtum in Betongold umwandelt. Curve-Gründer Michael Egorov machte 2023 nach einem Exploit seines Protokolls vor allem dadurch Schlagzeilen, dass er im Wettlauf gegen eine Multimillionen-Dollar-Liquidierung seine 40-Millionen-US-Dollar-Villa in Melbourne beinahe verloren hätte.

Ein Token-Problem, kein Ethereum-Problem

Bei allen hier Genannten liegen die ursprünglichen ETH-Kaufkurse so niedrig, dass sie selbst nach einem Crash von 50 Prozent mit komfortablem Plus verkaufen können. Ein Fluch, der auf der gesamten Branche lastet: Bitcoin erlebte zwischen 2024 und 2025 die historisch größte Distribution von Long-Term-Holdern.

Es bleibt offen, ob das ein Mangel an Glaube ist oder der verdiente Lohn für die Entwicklung einer Technologie, die auf dem Weg zur essenziellen Infrastruktur des Finanzwesens ist. BTC und ETH zeigen jedenfalls, dass auch vermeintlich begrenzte Vermögenswerte noch immer stark an ihren vermeintlich überzeugtesten Haltern hängen. Aber getreu Jordi Vissers IPO-Theorie hat, sobald die Großen anklopfen, jeder Überzeugte seinen Preis.

Damit ergibt sich ein unbequemes Szenario für Krypto-Anleger: eine jahrelang andauernde Distribution von der frühen Gründerschaft hin zu institutionellen Nutzern. Exodus der Early Adopters, Entry der Late Majority. Ein quälend langsamer Prozess, der – wie einst beim Platzen der Dotcom-Blase – auch ohne neue Allzeithochs vonstatten gehen kann.

Wer kauft, wenn die Gründer gehen?

Die Gründer-Verkäufe treffen auf einen ohnehin fragilen Markt. Inmitten eines beispiellosen Crashs scheint ETH überproportional aus den Portfolios vieler Anleger zu fliegen. Dem eben aufgesetzten Narrativ zufolge liegt das möglicherweise daran, dass ETH für viele die Wette schlechthin für 2026 war – das Jahr, das ganz im Zeichen der Tokenisierung und RWA-Adoption stehen sollte.

Niemand Geringeres als BlackRock-CEO Larry Fink erklärte Ethereum erst kürzlich zur “Mautstraße der Tokenisierung“. Standard-Chartered-Analysten riefen 2026 zum Jahr Ethereums aus, mit einem Kursziel von 7.500 US-Dollar. Eine Wette, die viele Anleger offenbar gerne eingingen – mal mit mehr, mal mit weniger Hebel.

Aber Krypto wäre nicht Krypto, wenn der Weg zum Tokenisierungsparadies nicht mit massiven Verwerfungen gepflastert wäre. Ein “Feature”, wie Ethereum-Bulle Tom Lee, der selbst einen ETH-Buchverlust von mehreren Milliarden US-Dollar verzeichnet, kürzlich erklärte.

Gut möglich, dass wir derzeit die übliche Bereinigung sehen, die die Spreu vom Weizen trennt – und institutionellen Anlegern eine perfekte Einstiegschance bietet. Was diesen Crash von anderen unterscheidet: Die Bottom-Caller kommen nicht aus der Branche, sondern heißen JPMorgan oder TD Cowen.

“Max Pain” voraus

Auch ohne einen FTX-artigen Kollaps fordert dieser Markt seine Tribute. Es trifft jene Investoren, die sich sicher waren, dass ETH vergangene Tiefstände nicht wieder testen würde. Neben einigen Walen auf Hyperliquid steht vor allem die asiatische Trading-Firma Trend Research im Feuer, die bis heute eine halbe Milliarde US-Dollar an ETH liquidiert hat, um offene Kredite zu bedienen.

Laut On-chain-Daten zeichnen sich zudem drei große Liquidationscluster ab: Trend Research hält 356.150 ETH im Wert von 671 Millionen US-Dollar, mit Liquidationspreisen zwischen 1.562 und 1.698 US-Dollar. Joseph Lubin und zwei unbekannte Wale sitzen auf 293.302 ETH (553 Millionen US-Dollar), Liquidation zwischen 1.329 und 1.368 US-Dollar. 7 Siblings halten 286.733 ETH (541 Millionen US-Dollar) mit Schwellen bei 1.075 und 1.029 US-Dollar. Fällt ETH unter 1.562 US-Dollar, drohen Kaskadeneffekte.

Doch das Leid der einen wird zur Chance der anderen. Auf der Käuferseite: die Wal-Walletcluster 7 Siblings, die in den vergangenen Stunden 9.023 ETH für 18 Millionen US-Dollar nachgekauft haben. Laut Daten von Alphractal zu einem Zeitpunkt, an dem ETH den sogenannten Investor Price bei rund 1.950 US-Dollar erreicht hat – ein Niveau, an dem historisch Käufer eingestiegen sind.

Kein Glaubensbruch

Der aktuelle Crash hat wenig mit den Fundamentals des Ethereum-Ökosystems zu tun. Die Warteschlange für Ethereum-Staking ist derzeit etwa 71 Tage lang. Das bedeutet: ETH-Inhaber warten lieber mehr als zwei Monate, um ihre Token zu staken, als sie zu verkaufen. Aktive Adressen befinden sich auf einem Allzeithoch, während die Gebühren im Netzwerk so niedrig sind wie zuletzt 2020.

Die Verkäufe der Gründer verstärken ein Narrativ, das ohnehin im Raum steht. Aber Narrative und Realität sind im Krypto-Markt selten deckungsgleich. Für Anleger zählt am Ende nicht, warum Vitalik verkauft – sondern wer die Nerven behält, um die Bereinigung durchzustehen.

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