
Anleger jubeln über erneuten Trump-Rückzieher
Die für zwei Wochen vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sorgt am Mittwoch für eine Erholungsrallye an den weltweiten Aktien- und Anleihenmärkten. Während sich der Preis für Rohöl der Sorte Brent zweistellig verbilligt, legt hierzulande der deutsche Leitindex DAX angeführt von Infineon und Siemens Energy um rund 5 Prozent zu.
Damit erwischt er nicht nur einen der besten Handelstage seit langer Zeit, sondern klettert auch über 24.000 Punkte und kehrt damit zurück auf den höchsten Stand seit rund einem Monat. Gegenüber dem Jahresauftakt steht jetzt nur noch ein Minus von 1,5 Prozent zu Buche. Viele Anlegerinnen und Anleger erhoffen sich jetzt eine rasche Rückkehr zu den früheren Hochs und eine weitere Rekordjagd.

Verkaufssignale deuten auf nachhaltige Trendwende im DAX hin
Die jüngsten Verluste haben das Chartbild des DAX ganz erheblich eingetrübt. Ausgehend von einem Doppel-Top bei rund 25.500 Punkten, das aus technischer Perspektive als das Ergebnis der bearishen Divergenzen im RSI und MACD verstanden werden kann, korrigierte der deutsche Leitindex in den vergangenen Wochen stark.
Dabei kam es zum Unterschreiten zahlreicher Unterstützungen, allen voran der 50- und der 200-Tage-Linie sowie der Marke von 23.000 Punkten, wo in den zurückliegenden 12 Monaten bereits 12 Verkaufsversuche aufgehalten werden konnten.
Mithilfe der jüngsten Erholungsgewinne ist dem DAX zwar die Rückkehr über die Widerstands- beziehungsweise jetzt wieder Unterstützungszone zwischen 23.000 und 23.500 Punkten gelungen, doch genau im Bereich der gleitenden Durchschnitte ist die Rallye am Mittwoch zum Erliegen gekommen.
Das festigt deren Charakter als Widerstand und unterstreicht gemeinsam mit dem noch weit unter der Nulllinie liegenden MACD, dass im DAX eine neue, übergeordnete Trendphase begonnen haben dürfte – nicht zuletzt, weil es in den gleitenden Durchschnitten mit einem Death Cross zu einem klaren Verkaufssignal gekommen ist. Ein solches lag zuletzt im Dezember 2023 sowie unmittelbar nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine vor, vor die technische Ausgangslage der jetzigen äußerst ähnlich war.
Diese Indizien deuten darauf hin, dass der DAX bereits sämtliches Erholungspotenzial ausgeschöpft haben könnte, und sich jetzt wieder zur Unterseite orientiert
Brüchiger Waffenstillstand ändert an der Gesamtlage nur wenig
Aus fundamentaler Seite hat sich durch den Waffenstillstand nur wenig verändert. Die Energiepreise liegen noch immer deutlich über dem Niveau von vor wenigen Wochen und dürften angesichts der weitreichenden Zerstörung von Förder- und Transportinfrastruktur in der Golfregion, deren Wiederherstellung Monate oder sogar Jahre andauern könnte, nicht allzu bald auf deutlich niedrigere Notierungen zurückkehren. Das bedeutet anhaltend hohen Inflationsdruck, der sich in dauerhaft höheren Leitzinsen niederschlagen könnte. Genau die sind für einen historisch teuren Aktienmarkt jedoch Gift.
Auch an potenziellen Belastungsfaktoren wie der Private-Equity-Krise, steigenden Delinquenzen bei Verbraucherkrediten und sinkenden Wachstumsaussichten sowie einer nachlassenden Dynamik auf dem Arbeitsmarkt ändert sich nur wenig. Im Gegenteil dürfte der Iran-Krieg, selbst wenn eine dauerhafte Friedenslösung gefunden werden sollte, diese Gefahrenherde durch die stark gestiegenen Realzinsen nur angefacht haben. Die Aussichten für den Aktienmarkt haben sich also nachhaltig verschlechtert und die Folgen können nicht kurzfristig einfach beseitigt und aus dem Weg geräumt werden.
Das könnte dich auch interessieren | 07.04.26 - ARIVA.DE Redaktion |
Fazit: Geschenk annehmen und noch mehr Cash beiseiteschaffen!
Anlegerinnen und Anleger sollten das Geschenk, das ihnen Donald Trump mit seinem abermaligen Rückzieher und der größten strategischen Niederlage der USA seit vielen Jahrzehnten gemacht hat, annehmen und die jüngste Kurserholung für einen Ausstieg aus dem Aktienmarkt beziehungsweise dem Aufbau größerer Cash-Positionen nutzen.
Sowohl technisch als auch fundamental deutet alles darauf hin, dass jetzt nicht mehr "Buy the dip", sondern "Sell the rip" gilt. Genau einer solcher Rip liegt jetzt vor, entsprechend sollte auch gehandelt werden. Darüber hinaus besteht jederzeit die Gefahr, dass schon der nächste Tweet jede Friedenshoffnung zunichtemachen könnte. Cash ist in Phasen wie diesen gegenüber Risikoanlagen King!
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
