Den Auftakt macht das ETF MVRV (Market Value to Realized Value). Das misst das Verhältnis zwischen aktuellem Bitcoin-Preis und dem volumengewichteten Einstand aller ETF-Zuflüsse. Ein Wert über eins signalisiert Gewinne, ein Wert darunter unrealisierte Verluste.

Im Januar und Februar 2026 fiel der Indikator in die tiefste Verlustzone seit Start der ETFs. Trotzdem blieb der große Ausverkauf aus. Zwar verzeichneten die US-Spot-ETFs in den ersten acht Wochen des Jahres Nettoabflüsse von rund 4,5 Milliarden US-Dollar, gemessen an den Beständen von etwa 1,3 Millionen BTC entsprach das jedoch nur rund vier Prozent.
Dennoch scheint der Abverkauf das allgemeine Sentiment der ETF-Anleger wenig getrübt zu haben, denn bereits im März drehte der Trend wieder. Die Indexfonds verzeichneten Nettozuflüsse von 1,32 Milliarden US-Dollar, im April folgten weitere 2,44 Milliarden. Allen Bitcoin ETFs gelang es so, den Rückgang der Vormonate zu absorbieren, ohne ihre Kernpositionen aufzugeben.
Die Geschwindigkeit, mit der diese Aufholjagd vollzogen wurde, ließ manchen Analysten auf eine Überhitzung des Marktes schließen. Das zeigt etwa der Bitcoin Bubble Index (BBI). Diese Metrik bewertet, ob der Markt überhitzt oder unterbewertet ist. Der aktuelle Messwert liegt bei -1,74 Prozent. Der Markt hat nach diesem Indikator noch Luft nach oben, denn erst ab 38 Prozent sprechen Analysten von einer Überhitzung. Die Annäherung an das ETF-Einstandsniveau erfolgt also nicht aus einer euphorischen Marktphase heraus.

Die These unterstützt auch der sogenannte Puell Multiple, der Auskunft über die jährlichen Einnahmen der Miner gibt. Liegt der Wert unter eins, verdienen die Unternehmen weniger als im Durchschnitt und zögern tendenziell eher mit Verkäufen der eigenen Bestände. Aktueller Wert: 0,8736.
Parallel zeigt sich an den Futures-Märkten weiterhin Kaufinteresse. Insgesamt flossen in Bitcoin in den letzten sieben Tagen etwas mehr als 6 Milliarden US-Dollar, knapp eine halbe Milliarde davon in den letzten 24 Stunden. Doch langsam drehen die Inflows ins Negative. In den letzten zwölf Stunden flossen 342 Millionen US‑Dollar aus der Kryptowährung ab. Dennoch hält die Zone der 82.000 US-Dollar bislang.

Es scheint, als verschiebe sich die Marktstruktur. Daten von Coinglass zeigen, dass sich das Bitcoin Long-Term-Holder-SOPR (Spent Output Profit Ratio) aktuell um 0,95 pendelt. Das bedeutet konkret, dass ein Teil der Investoren, die Bitcoin mindestens 155 Tage gehalten haben, ihre Bestände inzwischen sogar leicht unter dem Einstiegskurs verkaufen.

Genau dieses Angebot wird zunehmend von institutionellen Käufern aufgenommen. Der Markt erlebt damit eine stille Rotation. Während ältere Krypto-Holder Positionen abbauen, wandert Bitcoin schrittweise in ETF-Strukturen und klassische Finanzprodukte.
Tatsächlich zeigt sich diese Woche vor allem eines: Die Bitcoin-Käuferschaft wandelt sich. Die Spot-ETFs übernehmen zunehmend die Rolle, die früher überzeugte Langzeitinvestoren innehatten. Sie werden zum strukturellen Anker des Zyklus. Und damit rücken auch neue Metriken in den Fokus, auf die Anleger achten müssen.
An vorderster Front: das ETF MVRV. Steigt es über eins, lägen alle ETFs erstmals seit Februar wieder in der Gewinnzone. Doch dafür muss Bitcoin erstmal nachhaltig die 82.000 US-Dollar überwinden. Scheitert der Markt dagegen erneut an dieser Zone, rücken die großen Kaufpreiszonen zwischen 74.000 und 80.000 US-Dollar wieder in den Fokus. Dann stellt sich eine Frage, die keine On-Chain-Metrik beantworten kann: Wie stabil bleibt eine Käufergruppe, die Bitcoin nicht aus Überzeugung hält, sondern als Teil ihrer Investmentstrategie?
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