Rheinmetall-Aktie rutscht ab – Analysten dämpfen Erwartungen, geopolitische Entwicklungen belasten
Am Donnerstag kam es zu einem spürbaren Kursrückgang bei der Aktie des Düsseldorfer Rüstungskonzerns Rheinmetall AG. Das Papier verlor im Tagesverlauf bis zu 9,5 Prozent und notierte zeitweise bei 1.520,20 Euro, bevor es sich zum Handelsschluss leicht erholen konnte und mit einem Minus von 6,5 Prozent aus dem Handel ging. Damit verzeichnete Rheinmetall (Rheinmetall Aktie) den größten Tagesverlust seit April des Vorjahres.
Zum einen führte eine beginnende Entspannung im geopolitischen Konflikt zwischen dem Iran und den USA zu branchenweiten Gewinnmitnahmen. Zum anderen trugen leicht reduzierte Analystenprognosen zum Verkaufsdruck bei. Gleichzeitig nutzten hochrangige Unternehmensinsider das Kursniveau für Zukäufe im größeren Stil.
Gewinnmitnahmen nach geopolitischen Entspannungszeichen
Die gesamte Rüstungsbranche geriet am Donnerstag unter Druck. Der Grund: Neue Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Iran-Konflikt. Irans stellvertretender Außenminister Abbas Araghchi kündigte für Freitag Gespräche mit den USA in Oman an. Damit keimte an den Märkten kurzfristig Optimismus auf, was sich negativ auf die Kurse von Rüstungswerten auswirkte. Neben Rheinmetall verbuchten auch Unternehmen wie Renk und Hensoldt temporäre Kursverluste von rund vier Prozent.
Solche Entspannungszeichen in geopolitischen Krisenregionen führen erfahrungsgemäß zu kurzfristigen Gewinnmitnahmen in der Rüstungsindustrie. Die Branche ist stark von globalen Unsicherheiten und Verteidigungsbudgets abhängig.


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Steigender Kurs
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Fallender Kurs
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Put
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Analysten: Umsatzausblick hinter Erwartungen
Ein wesentlicher Auslöser für den Kursrückgang war ein verhaltener Ausblick auf die mittelfristige Geschäftsentwicklung von Rheinmetall. Zwar bestätigten sowohl die Privatbank Berenberg als auch die US-Investmentbank Jefferies ihre positiven Einstufungen der Aktie, reduzierten jedoch die Kursziele geringfügig.
Laut Jefferies erwartet das Unternehmen für das Jahr 2026 einen Umsatz zwischen 13 und 14 Milliarden Euro, was rund 12 Prozent unter dem aktuellen Konsens liegt. Auch beim operativen Ergebnis (EBIT) wird mit 2,4 bis 2,8 Milliarden Euro weniger prognostiziert als bislang von Marktteilnehmern erwartet.
Die Analysten sehen dennoch keine fundamentale Trendwende. Vielmehr bewerten sie die Reduktionen als temporäre Anpassungen auf Basis aktueller Managementaussagen in einem Analysten-Call. Jefferies betonte, dass Rheinmetall weiterhin von steigenden Verteidigungsausgaben in Europa profitiere und bis Ende 2025 schuldenfrei sein dürfte. Zudem erwarte das Unternehmen eine signifikante Anzahlung von 3,75 Milliarden Euro für die Lieferung des Radpanzers Boxer – ein bedeutender Impuls für den freien Cashflow.
Die Kursziele wurden leicht zurückgenommen:
Jefferies: von 2170 auf 2060 Euro
Trotz der Rücknahmen ergibt sich auf Basis des aktuellen Kursniveaus weiterhin ein Aufwärtspotenzial von über 30 Prozent.
Insider zeigen Vertrauen: Käufe durch Vorstand und Aufsichtsrat
Trotz des Kursrückgangs signalisierten Unternehmensinsider Zuversicht: Am Donnerstag kaufte CEO Armin Papperger über seine ATP Holding Rheinmetall-Aktien im Wert von rund 300.000 Euro zum Kurs von 1.572,50 Euro.
Auch Aufsichtsratsmitglied Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), stockte seine Position auf. Er erwarb Aktien im Wert von knapp 58.000 Euro zu Kursen von 1.561 und 1.555 Euro.
Derartige Käufe durch Vorstand und Aufsichtsrat gelten als Vertrauenssignal an den Markt – insbesondere in einer Phase erhöhter Volatilität. Rheinmetall-Insider hatten bereits in der Vergangenheit regelmäßig Rücksetzer genutzt, um ihre Beteiligungen aufzustocken, besonders seit dem massiven Kursanstieg der Aktie infolge des Ukraine-Krieges.
Seit Jahresbeginn 2022 hat die Rheinmetall-Aktie um rund 1.800 Prozent zugelegt und zählt damit zu den stärksten Werten im MDAX-Umfeld.
FCAS-Kampfflugzeugprojekt vor dem Aus – Deutschland prüft Alternativen
Parallel zur Unternehmensentwicklung gerät ein europäisches Großprojekt zunehmend in Schieflage: das FCAS-Programm (Future Combat Air System), ein Gemeinschaftsprojekt von Frankreich, Deutschland und Spanien, zur Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs samt Begleitsystemen. Das Programm galt als europäische Antwort auf den steigenden Druck zur militärischen Eigenständigkeit.
Doch inzwischen ist der Streit zwischen den Partnern – insbesondere zwischen Dassault Aviation und Airbus eskaliert. Zentrale Punkte der Auseinandersetzung betreffen die Projektführung, Aufgabenteilung und den Umgang mit geistigem Eigentum. Besonders umstritten ist die Rolle Deutschlands, dessen industrielle Fähigkeiten von Dassault öffentlich infrage gestellt wurden.
Mehrere Stimmen aus Politik und Industrie, darunter Vertreter der CDU, SPD und der IG Metall fordern inzwischen einen Ausstieg aus der Zusammenarbeit mit Frankreich. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich zuletzt skeptisch über den Fortgang des Projekts in aktueller Form.
GCAP rückt in den Fokus – Deutschland und neue Partner?
Eine potenzielle Alternative könnte das bereits weit fortgeschrittene GCAP-Projekt (Global Combat Air Programme) sein, das von Großbritannien, Italien und Japan vorangetrieben wird. Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto signalisierte ausdrücklich Offenheit für eine Beteiligung Deutschlands. Auch Österreich hat Interesse angemeldet.
Die Initiative sieht die Entwicklung eines Kampfjets bis 2035 vor und gilt technisch als weiter als FCAS. Allerdings kämpft das Programm mit Budgetproblemen, insbesondere auf britischer Seite. Laut Einschätzung des früheren Generals Richard Barrons fehlen dem britischen Verteidigungsetat bis 2030 rund 32 Milliarden Euro, was auch GCAP belasten könnte.
Ein Einstieg Deutschlands wäre daher sowohl technologisch als auch finanziell bedeutend. Doch auch andere Optionen werden geprüft: So zeigte sich der schwedische Konzern Saab, Hersteller des Gripen-Jets, offen für eine Kooperation mit Deutschland. Voraussetzung sei allerdings der politische Wille, betonte CEO Micael Johansson.
Airbus warnt vor Deindustrialisierung bei schwacher Rolle
Ein zentrales Problem bei einem GCAP-Beitritt wäre die industrielle Teilhabe Deutschlands. Airbus warnte bereits, dass eine untergeordnete Rolle Deutschlands als z.B. reiner Importeur, massive Auswirkungen auf die nationale Luft- und Raumfahrtindustrie hätte. Verteidigungsexperte Emil Archambault von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik warnte, dass der Erhalt von Kompetenzen und Fachwissen in Deutschland auf dem Spiel stehe.
Die Frage bleibt offen: Wird Deutschland sich für eine eigenständige Entwicklung, eine GCAP-Beteiligung oder eine Kooperation mit Saab entscheiden?
Fazit:
Die Rheinmetall-Aktie steht aktuell an einem kritischen Punkt. Kurzfristige Belastungen durch geopolitische Entspannungen und konservative Prognosen trüben das Bild, doch mittel- bis langfristig bleibt der strukturelle Rückenwind durch steigende Verteidigungsausgaben in Europa bestehen. Gleichzeitig werfen die Entwicklungen rund um das FCAS-Projekt grundlegende Fragen zur Rolle Deutschlands in der militärischen Luftfahrttechnologie auf. Für Rheinmetall als bedeutenden Systemzulieferer bleibt das Thema von strategischer Relevanz.