Fortschrittliche Kampfluftfahrzeug-Drohne, die über Wolken fliegt
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Nicolas Fuchs Nicolas Fuchs
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Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.

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Mit Auterion auf Drohnen statt Panzer: Läutet Rheinmetall das Ende der Leopard-Ära ein?

Die Rüstungsindustrie erlebt einen strategischen Kurswechsel: Mit der Beteiligung an Auterion stärkt Rheinmetall seine Drohnenkompetenz und stellt damit traditionelle Panzerprojekte wie den Leopard zunehmend infrage. Der Wandel hin zu softwarebasierter Kriegsführung könnte das Ende einer jahrzehntelangen Ära einläuten.
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Rheinmetall investiert in Auterion: Drohnensoftware statt Kampfpanzer im Zentrum künftiger Rüstungsstrategien

Die Beteiligung des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall AG (ISIN: DE0007030009) an dem US-amerikanischen Drohnensoftware-Unternehmen Auterion markiert eine richtungsweisende Entwicklung in der europäischen Verteidigungsindustrie. In einem Interview mit Reuters erklärte Lorenz Meier, CEO von Auterion, dass die Investition „bedeutend“ sei, aber nicht zu einer Übernahme führe. Vielmehr solle die Partnerschaft helfen, den Auftragsbestand des Softwareunternehmens zu erhöhen und insbesondere die Marktposition in Europa zu stärken.

Rheinmetalls strategischer Einstieg erfolgt vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Wandels in der militärischen Bedrohungsanalyse: Während der Leopard-Kampfpanzer jahrzehntelang das Rückgrat der Bundeswehr bildete, rücken heute softwaregesteuerte Drohnensysteme zunehmend in den Fokus. Dies zeigte sich nicht zuletzt auch im Ukraine Krieg. 

Auterion: Ein wachstumsstarkes Softwareunternehmen im Verteidigungsbereich

Auterion, 2018 gegründet und seit kurzem profitabel, gilt als technologischer Vorreiter im Bereich der offenen Softwareplattformen für unbemannte Systeme. Das Unternehmen verzeichnet einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro bei aktuell 160 Mitarbeitenden – Tendenz steigend. Die Softwarelösungen von Auterion kommen bereits in Drohnen von Rheinmetall (Rheinmetall Aktie) zum Einsatz und unterstützen Systeme, die unter anderem für Loitering Munition konzipiert sind. Dabei handelt es sich um sogenannte "Kamikazedrohnen", die über dem Ziel kreisen, bis sie zur Zerstörung angreifen.

Die Kundenliste von Auterion ist bemerkenswert: Neben den USA zählen auch die Ukraine, Großbritannien, die Niederlande und Taiwan zu dem Nutzerkreis. Laut Meier erwartet Auterion nach einer erfolgreichen Vorführung eines Schwarmkontrollsystems in Deutschland einen weiteren Großauftrag.

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Mit der neuen Kapitalbeteiligung von Rheinmetall soll die Zusammenarbeit nun intensiviert werden. Dies geschieht insbesondere mit Blick auf die Standardisierung von Drohnentechnologien für europäische Armeen.

Rheinmetalls Kurswechsel: M&A-Strategie fokussiert auf Luftverteidigung und Drohnentechnik

Rheinmetall-CEO Armin Papperger betonte bei einem Analysten-Call, dass Rheinmetall mit dem Kauf von Auterion-Anteilen kein Übernahmeziel verfolge. Stattdessen verfolge man gezielt eine Technologiepartnerschaft, die sich in das umfassendere Konzept eines Umbaus des Konzerns einfügt.

Ab 2025 wird Rheinmetall eine eigene Luftverteidigungseinheit schaffen, die mittelfristig ein Umsatzpotenzial von 3 bis 4 Milliarden Euro bieten soll. Der Bedarf sei laut Papperger insbesondere durch das wachsende Interesse europäischer Staaten an effektiven Drohnenabwehrsystemen getrieben. Das zeigt sich bereits in der Entwicklung des Flakpanzers Skyranger, der künftig auch Leopard-Panzer in offenem Gelände schützen soll.

Durch die Beteiligung an Auterion sichert sich Rheinmetall nicht nur den Zugang zu modernster Drohnensoftware, sondern positioniert sich zugleich als Systemintegrator für vernetzte Waffentechnologie, einem Bereich der durch zunehmende digitale Kriegsführung stark an Bedeutung gewinnt.

Kampfpanzer unter strategischem Druck: Leopard 2 und die „Panzerblase“

Parallel zur strategischen Neuausrichtung im Bereich Drohnen stellt sich die Frage nach der Zukunft des klassischen Kampfpanzers. Derzeit nimmt die Bundeswehr 123 neue Leopard-2A8-Panzer in ihre Bestände auf, um die Panzerbrigade 45 in Litauen zu stärken. Diese sollen vor allem im Rahmen der NATO zur Abschreckung gegenüber Russland dienen. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf rund 3,5 Milliarden Euro.

Doch innerhalb der Industrie mehren sich kritische Stimmen. Rheinmetall selbst sieht im Leopard keinen wesentlichen Wachstumstreiber mehr. Papperger betont: „Die entscheidende Rolle werden neben dem Boxer die Schützenpanzer Lynx und Puma (Puma Aktie) spielen.“ Die Bundeswehr hat laut Bundeshaushaltsentwurf 2026 Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von über 60 Milliarden Euro für gepanzerte Plattformen eingeplant – wofür genau, ist noch offen.

Gleichzeitig warnt die Branche vor einer möglichen „Panzerblase“. Die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg zeigen: Auch technologisch überlegene Kampfpanzer wie der Leopard 2 stoßen in modernen Konfliktszenarien schnell an ihre Grenzen. Drohnen dominieren das Gefechtsfeld, nicht zuletzt durch ihre Reichweite, Präzision und Flexibilität.

KNDS: Leo 3 und der technologische Paradigmenwechsel

Trotz der Zweifel treibt der Panzerhersteller KNDS (ein Joint Venture von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Hersteller Nexter) die Entwicklung des Leopard 3 voran. Unter dem internen Namen „Leo 3“ oder offiziell Leopard 2 A-RC 3.0 entsteht ein Kampfpanzer, der technologisch deutlich über bisherige Modelle hinausgehen soll.

Die wichtigsten Neuerungen umfassen:

  • eine vollautomatisierte, ferngesteuerte Turmeinheit,

  • Reduktion der Besatzung von vier auf drei Soldaten,

  • neue Sensorik von Hensoldt AG (ISIN: DE000HAG0005),

  • ein stärkeres Triebwerk (Projekt „Olymp“) und

  • eine 130-Millimeter-Kanone von Rheinmetall, die 50 % mehr Feuerkraft als das bisherige Kaliber 120 mm liefert.

Ein erster Prototyp soll 2026 in die Erprobung durch die Bundeswehr gehen. Für KNDS ist der Leopard 3 nicht nur ein Technologieprojekt, sondern auch eine wirtschaftliche Chance: Das Unternehmen prüft einen Börsengang im Jahr 2026, die Vorbereitungen laufen bereits.

Die Zukunft der Kriegsführung ist softwarebasiert

Doch selbst modernisierte Kampfpanzer stoßen auf grundsätzliche Kritik. Experten wie Marc Wietfeld, CEO von Arx Robotics, fordern ein Umdenken: Die Bundeswehr solle künftig auf softwarebasierte Fähigkeiten setzen, um mit geringeren Kosten maximale Wirkung zu erzielen. In Stellungskriegen wie in der Ukraine könnten Panzer zum logistischen Nachteil werden, während autonome Systeme, Schwarmdrohnen und präzisionsgelenkte Marschflugkörper eine größere strategische Relevanz entfalten.

Ein Thesenpapier von Airbus-Aufsichtsratschef René Obermann und Ökonom Moritz Schularick schlägt in dieselbe Kerbe. Die Autoren plädieren dafür, bis 2030 rund ein Drittel des deutschen Rüstungsbeschaffungsetats in disruptive Technologien zu investieren. Gemeint sind also Projekte, wie sie auch Auterion vorantreibt.

Fazit             

Die Beteiligung von Rheinmetall an Auterion ist kein gewöhnlicher Finanzdeal, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels im Verteidigungssektor. Während klassische Waffensysteme wie der Leopard-Panzer weiterhin modernisiert werden, verschieben sich die Prioritäten deutlich in Richtung vernetzter, softwaregestützter Systeme mit hoher Agilität und geringeren operativen Kosten. 

Rheinmetall setzt mit der Partnerschaft auf eine strategische Diversifikation und Auterion dürfte von der neuen Reichweite im europäischen Markt profitieren. Für die Bundeswehr und die NATO-Mitgliedsstaaten stellt sich derweil die grundsätzliche Frage, ob mehr Stahl und Kettenfahrzeuge wirklich Sicherheit bringen, oder ob nicht vielmehr Software, Sensorik und Autonomie die künftige Antwort auf asymmetrische Bedrohungen liefern müssen.


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