Anthropic, das Unternehmen hinter dem KI-Chatbot Claude, hat neue juristische Tools veröffentlicht, die weit über klassische Assistenzfunktionen hinausgehen. Die KI automatisiert Vertragsprüfungen, die Vorprüfung von Geheimhaltungsvereinbarungen, Compliance-Workflows, juristische Briefings und standardisierte Antworten. Damit greift Anthropic direkt in Wertschöpfungsketten ein, die bislang von etablierten Daten- und Informationsanbietern dominiert wurden.
Für Börsenbetreiber wie die Deutsche Börse ist das besonders heikel. Zwar betreibt der Konzern keinen juristischen Verlag, doch das Geschäftsmodell hat sich in den vergangenen Jahren klar in Richtung datengetriebener Dienstleistungen verschoben. Markt-, Referenz- und Regulierungsdaten, Analyseplattformen und zunehmend KI-gestützte Auswertungen gelten als zentrale Wachstumstreiber. Genau hier setzt die Sorge der Investoren an: Wenn leistungsfähige KI-Modelle Daten nicht nur auswerten, sondern ganze Analyse- und Entscheidungsprozesse automatisieren, droht eine schleichende Entwertung klassischer Datenprodukte.
Die Deutsche Börse ist damit nicht wegen des Handelsgeschäfts unter Druck geraten, sondern wegen ihrer Rolle als Datenanbieter. Investoren stellen sich die Frage, ob hohe Margen auf Daten, Indizes und Analyseplattformen in einer Welt generativer KI langfristig haltbar sind oder ob neue Anbieter wie Anthropic einen wachsenden Teil der Werte abschöpfen.
Breiter Abverkauf im Daten- und Informationssektor
| Strategie | Hebel | |||
| Steigender Kurs |
Call
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5
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10
|
20
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| Fallender Kurs |
Put
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5
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10
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20
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Die Reaktion an den Märkten fiel heftig aus. Die in London notierte Aktie von Relx verlor fast 13 Prozent, Wolters Kluwer brach um rund 10 Prozent ein. Beide Unternehmen gelten als Schwergewichte bei juristischen Daten und Softwarelösungen. Auch angrenzende Geschäftsmodelle gerieten unter Druck: Der Bildungsverlag Pearson verlor 3,8 Prozent, der Datendienstleister Experian sowie die London Stock Exchange Group büßten jeweils fast 8 Prozent ein. Selbst in den USA blieb die Entwicklung nicht folgenlos: Die Aktie der Nasdaq verlor ebenfalls fast 9 Prozent.
In diesem Umfeld rutschte die Aktie der Deutschen Börse "nur" um 4,1 Prozent ab. Das Minus wirkt auf den ersten Blick deutlich, fällt im Branchenvergleich jedoch moderater aus. Trotzdem sollten Anleger bei den augführten Aktien vorsichtiger werden. Ein Blick auf den Chart von SAP (SAP Aktie) reicht, um zu erahnen welches Ausmaß diese Belastung durch Anthropic werden könnte.
Redaktion Arriva/MW
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