ARIVA.DE Redaktion  | 
aufrufe Aufrufe: 3448

Übernahmepoker um die Commerzbank: UniCredit startet neuen Anlauf – annehmen oder ablehnen?

Der Übernahmepoker um die Commerzbank geht in die nächste Runde. Die italienische Großbank UniCredit hat ein freiwilliges Umtauschangebot vorgelegt, um ihre Beteiligung an dem Frankfurter Institut auszubauen. Während Politik und Bankführung Widerstand signalisieren, sehen einige Ökonomen und Analysten durchaus strategische Logik hinter dem Vorstoß.
play Anhören
share Teilen
feedback Feedback
copy Kopieren
newsletter
font_big Schrift vergrößern
Für dich zusammengefasst:
Hinweis
Commerzbank-Tower in Frankfurt am Main.
Quelle: - pixabay.com
Commerzbank AG 34,82 € Commerzbank AG Chart -3,12%
Zugehörige Wertpapiere:
UniCredit SpA 65,80 € UniCredit SpA Chart -0,63%
Zugehörige Wertpapiere:

Der Übernahmekampf um die Commerzbank (Commerzbank Aktie) spitzt sich zu. Die Mailänder Großbank UniCredit hat ein freiwilliges Umtauschangebot vorgelegt, um ihren Anteil an dem deutschen Institut auf über 30 Prozent zu erhöhen.

Nach Angaben von UniCredit soll das Angebot Anfang Mai starten und vier Wochen laufen. Der Abschluss der Transaktion wäre – vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen – für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen. Die italienische Bank hält bereits rund 26 Prozent der Commerzbank-Aktien sowie weitere etwa vier Prozent über Total (Total Aktie) Return Swaps.

Mit dem Schritt will UniCredit die im deutschen Übernahmerecht wichtige Schwelle von 30 Prozent überschreiten. Ab diesem Punkt gilt ein Aktionär offiziell als kontrollierender Anteilseigner und muss ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten.

Die Bewertung des Angebots dürfte laut UniCredit bei rund 30,8 Euro pro Aktie liegen. Grundlage ist ein erwartetes Umtauschverhältnis von 0,485 UniCredit-Aktien für eine Commerzbank-Aktie. Damit läge der Aufschlag lediglich bei rund vier Prozent auf den jüngsten Schlusskurs – aus Sicht vieler Marktteilnehmer ein eher moderates Angebot.

Knockout von Ing Markets Werbung

Passende Knock-Outs

Strategie Hebel
Steigender Kurs
Call
5
10
20
Fallender Kurs
Put
5
10
20
Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen finden Sie jeweils hier: DE000NB21Y09 , DE000NB58J04 , DE000NB58JP3 , DE000NB3BA67 , DE000NB2VBG8 , DE000NB3LC22 . Bitte informieren Sie sich vor Erwerb ausführlich über Funktionsweise und Risiken der Produkte. Bitte beachten Sie auch die weiteren Hinweise zu dieser Werbung.

Politisch stößt der Vorstoß jedoch weiterhin auf Widerstand. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands stellte sich am Montag erneut hinter die Commerzbank. SPD-Politikerin Frauke Heiligenstadt erklärte, die Bank sei systemrelevant und habe bewiesen, dass sie auch eigenständig erfolgreich arbeiten könne. Parteichef Lars Klingbeil habe UniCredit mehrfach aufgefordert, von Übernahmeversuchen Abstand zu nehmen.

Auch die Bundesregierung bleibt skeptisch. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums betonte, der Bund unterstütze weiterhin die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank. Eine feindliche Übernahme sei insbesondere angesichts der systemischen Bedeutung des Instituts nicht akzeptabel.

Unter Ökonomen ist die Bewertung dagegen differenzierter. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates der Bundesregierung, sprach sich dafür aus, grenzüberschreitende Bankenfusionen zumindest ernsthaft zu prüfen. Der europäische Bankensektor sei weiterhin zu stark national geprägt und weniger produktiv als internationale Wettbewerber.

Auch Analysten sehen strategische Argumente für eine mögliche Fusion. Experten des Researchhauses Third Bridge verweisen darauf, dass sich die regionalen Präsenzgebiete beider Banken gut ergänzen und es nur geringe Überschneidungen gebe. Gleichzeitig könnte eine größere Bank mehr Skaleneffekte erzielen.

Die Führung der Commerzbank bleibt jedoch zurückhaltend. Vorstandschefin Bettina Orlopp betonte, der Vorstoß sei nicht mit der Bank abgestimmt. Zudem enthalte das angebotene Umtauschverhältnis faktisch keine Prämie für die Aktionäre.

Die Bank setzt stattdessen weiterhin auf ihre Eigenständigkeit und verweist auf ihre Strategie "Momentum 2028". Diese sieht unter anderem eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent, eine Cost-Income-Ratio von 50 Prozent und einen Nettogewinn von 4,2 Milliarden Euro vor.

Analysten halten die Ziele zwar für ambitioniert, aber grundsätzlich erreichbar – sofern sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen entsprechend entwickeln.

Fazit:

Auch wenn sich Bund und Commerzbank weiterhin verbal querstellen, hat das die UniCredit und ihren Chef Andrea Orcel bislang selten gestört. Das aktuelle Angebot wirkt wie ein weiterer Testballon aus Mailand. Anleger sollten das Angebot jedoch noch nicht annehmen, sondern abwarten. In den kommenden Monaten dürfte ein besseres folgen.

Dieses Video wird aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen nicht abgespielt. Wenn Sie dieses Video betrachten möchten, geben Sie bitte hier die Einwilligung, dass wir Ihnen Youtube-Videos anzeigen dürfen.

Redaktion Ariva/MW
 


Für dich aus unserer Redaktion zusammengestellt

Dein Kommentar zum Artikel im Forum

Jetzt anmelden und diskutieren Registrieren Login

Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.


Weitere Artikel des Autors

Themen im Trend