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Europa kauft sich Zeit: Doch der Energieschock bleibt

Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise. Doch Europas Regierungen vermeiden harte Sparappelle. Stattdessen fließen Milliarden in Entlastungen. Für Anleger könnte genau das zum Problem werden.
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Die wehende Flagge der EU.
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Viele Länder reagieren bereits. Australien, Ägypten und andere Staaten wollen Kraftstoff sparen. Sie fördern Homeoffice, begrenzen den Flugverkehr oder stärken den öffentlichen Nahverkehr.

Europa hält sich dagegen weitgehend zurück. Nur wenige Regierungen setzen auf klare Sparappelle. Die Lage ist bislang weniger dramatisch als 2022. Damals kappte Russland nach dem Angriff auf die Ukraine große Teile seiner Gaslieferungen nach Europa. Die Preise stiegen auf Rekordstände.

Heute fürchten viele Regierungen vor allem die Reaktion der Bürger. Energiepreise und Lebenshaltungskosten sind in Europa hochsensible Themen. Analysten sehen deshalb einen klaren Trend. Regierungen geben lieber Geld aus, um Haushalte zu entlasten, als Bürger zum Sparen aufzufordern.

Phuc-Vinh Nguyen vom Jacques Delors Energy Centre sagte Reuters, Maßnahmen zur Senkung der Nachfrage seien von Natur aus unpopulär. Politiker wollten dafür offenbar nicht zu viel politisches Kapital einsetzen.

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Nach Angaben seines Zentrums zielen von mehr als 180 europäischen Maßnahmen gegen die Energiekrise weniger als zehn darauf ab, den Verbrauch zu senken. Die meisten davon sind freiwillig. Auch in den jüngsten Empfehlungen der Europäischen Union fehlten konkrete Vorschläge wie autofreie Tage oder mehr Homeoffice.

Stattdessen dominieren Entlastungen. Europäische Regierungen haben bislang fast 14 Milliarden Euro für Maßnahmen gegen die Energiekrise bereitgestellt. Das ist deutlich weniger als die rund 500 Milliarden Euro aus dem Jahr 2022. Dennoch belasten auch diese Hilfen die angespannten Haushalte.

Viele Maßnahmen greifen breit

Deutschland, Spanien, Polen und andere Länder senken Kraftstoffsteuern. Kritiker warnen, solche Schritte seien teuer und schwächten den Anreiz zum Energiesparen. Ilian Mihov von der Wirtschaftshochschule Insead sieht den Ölpreisschock im Grunde als globale Kohlenstoffsteuer. Schon der Ölschock der 1970er-Jahre habe Autobauer gezwungen, sparsamere Fahrzeuge zu entwickeln.

Anders als 2022 sind die europäischen Gaspreise heute deutlich niedriger. Zudem gibt es bislang keine akuten Kraftstoffengpässe. Viele Regierungen fürchten, dass harte Sparappelle Panik oder Hamsterkäufe auslösen könnten. Polens Energieminister Milosz Motyka setzt auf weiche Vorschläge und hofft, dass Autofahrer ihr Verhalten anpassen.

Einige Politiker halten Sparmaßnahmen für sinnvoll. Michael Bloss, Europaabgeordneter der Grünen, sagte Reuters, in einer Knappheitssituation lasse sich der Preis durch niedrigere Nachfrage senken. Viele aktuelle Maßnahmen führten dagegen eher zu höherem Verbrauch.

Anleger müssen sich auf verändertes Umfeld einstellen

Robert Lancastle, Senior Fondsmanager bei J O Hambro, sieht die aktuellen Marktbewegungen nicht als kurzfristige Reaktion auf geopolitische Spannungen. Für ihn zeigen sie einen strukturellen Wandel. Er sieht am Ölmarkt mehr Aufwärts- als Abwärtsrisiken. In einem anhaltend schwierigen Szenario hält er Preise von 130 US-Dollar oder mehr für möglich. Das hätte direkte Folgen für Inflation, Zinsen und Bewertungen.

Für Anleger bedeute das eine neue Priorität. Reine Effizienzgewinne verlören an Bedeutung. Robuste Lieferketten, Energieinfrastruktur und Selbstversorgung würden wichtiger werden. Der Energieschock sei damit nicht nur ein politisches Problem. Er werde zunehmend zu einem zentralen Thema für Märkte und Portfolios.

Lancastle hat deshalb das Engagement im Energiesektor deutlich erhöht. Im Fokus stehen Flüssigerdgas, europäisches und asiatisches Gas sowie Uran.

Autor: sbh-Redaktion/neb


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