Earnings-Schock bei Li Auto: Nach BYD, Xiaomi und XPeng enttäuscht der nächste China-Autobauer

Markus Weingran Markus Weingran
Markus Weingran Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit Finanzexperte Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.

 | 
aufrufe Aufrufe: 2235
A-
A+
Lesemodus
playAudio
playTeilen
Sorge um Chinas Autobauer wird größer
KI-generiert mit DALL-E
Chinas Elektroauto-Riesen geraten immer stärker unter Druck. Nach BYD, Xiaomi und XPeng liefert nun auch Li Auto schwache Zahlen: Der Umsatz fällt, die Marge bricht ein und der freie Cashflow rutscht tief ins Minus. Die Aktie gibt nach – und Anleger fragen sich, ob der Preiskrieg in China gerade erst richtig teuer wird.
Für dich zusammengefasst:
Hinweis

Der Druck auf Chinas Autobauer nimmt weiter zu. Nach enttäuschenden Signalen von BYD, Xiaomi und XPeng reiht sich nun auch Li Auto in die Liste der Problemfälle ein. Der chinesische Hersteller von New-Energy-Vehicles hat für das erste Quartal 2026 Zahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick zwar nicht komplett katastrophal wirken, bei genauerem Hinsehen aber erhebliche Schwächen offenbaren.

Die Aktie reagierte entsprechend nervös. Im US-Handel gab das Papier nach Vorlage der Zahlen nach und näherte sich wieder seinem 52-Wochen-Tief. Für Anleger ist das ein deutliches Warnsignal: Der Markt traut den Wachstumsversprechen chinesischer E-Auto-Hersteller zunehmend weniger, solange Margen, Preise und Cashflow gleichzeitig unter Druck geraten.

Umsatz runter, Auslieferungen rauf: Das Problem liegt im Preis

Li Auto erzielte im ersten Quartal einen Umsatz von 23,0 Milliarden Renminbi. Das entspricht einem Rückgang von 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Minus von 20,1 Prozent gegenüber dem Schlussquartal 2025. Gleichzeitig stiegen die Auslieferungen im Jahresvergleich leicht auf 95.142 Fahrzeuge.

Werte aus dem Artikel:
BYD Aktie 9,981 € +0,50%
Li Auto Aktie 15,015 $ -3,38%
Xiaomi Aktie 3,0995 € -1,88%
XPeng Aktie 16,43 $ -0,06%

Genau darin liegt das Problem. Li Auto verkauft zwar mehr Fahrzeuge als im Vorjahresquartal, erlöst damit aber weniger Geld. Der Grund ist ein ungünstigerer Produktmix und ein niedrigerer durchschnittlicher Verkaufspreis. In einem Markt, in dem immer mehr Hersteller mit Rabatten, Modellwechseln und aggressiven Preisen um Kunden kämpfen, reicht Volumenwachstum allein nicht mehr aus.

Die Fahrzeugumsätze sanken um 12,7 Prozent auf 21,5 Milliarden Renminbi. Noch deutlicher wurde der Druck bei den Margen sichtbar.

Die Marge bricht ein

Die Bruttomarge fiel im ersten Quartal auf nur noch 7,9 Prozent. Im Vorjahresquartal hatte sie noch bei 20,5 Prozent gelegen, im vierten Quartal 2025 bei 17,8 Prozent. Noch härter traf es die Fahrzeugmarge: Sie rutschte auf 6,1 Prozent ab, nach 19,8 Prozent ein Jahr zuvor.

Damit wird klar, wie stark der Preiskampf inzwischen auf die Profitabilität durchschlägt. Li Auto ist kein kleiner Herausforderer mehr, sondern einer der bekanntesten chinesischen Premium-EV-Anbieter. Wenn selbst ein Unternehmen mit starker Marke, hoher Bekanntheit und großem Kassenbestand solche Margeneinbußen hinnehmen muss, sagt das viel über die Lage im gesamten Markt aus.

Der Bruttogewinn brach um 66,0 Prozent auf 1,8 Milliarden Renminbi ein. Aus einem operativen Gewinn von 271,7 Millionen Renminbi im Vorjahresquartal wurde nun ein operativer Verlust von 3,0 Milliarden Renminbi. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 2,3 Milliarden Renminbi.

Cashflow sendet zusätzliches Warnsignal

Besonders kritisch ist der freie Cashflow. Dieser lag im ersten Quartal bei minus 7,4 Milliarden Renminbi. Im vierten Quartal 2025 hatte Li Auto noch einen positiven freien Cashflow von 2,5 Milliarden Renminbi erzielt.

Auch der operative Cashflow rutschte tief ins Minus. Li Auto verbrauchte im operativen Geschäft 6,1 Milliarden Renminbi. Das zeigt: Die Ergebnisprobleme sind nicht nur eine bilanzielle Frage, sondern belasten auch die Mittelzuflüsse.

Immerhin bleibt die Bilanz solide. Zum Ende des ersten Quartals verfügte Li Auto über eine Cash-Position von 94,3 Milliarden Renminbi. Das verschafft dem Unternehmen Zeit. Doch die Anleger sehen derzeit vor allem die Geschwindigkeit, mit der Profitabilität und Cashflow erodieren.

Der Ausblick macht es nicht besser

Auch der Ausblick konnte die Sorgen nicht zerstreuen. Für das zweite Quartal erwartet Li Auto 95.000 bis 100.000 Auslieferungen. Das wäre ein Rückgang von 10,0 bis 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Umsatz soll zwischen 24,1 und 25,4 Milliarden Renminbi liegen. Auch das wäre ein Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit liefert das Unternehmen keine schnelle Entwarnung, sondern signalisiert, dass der Druck zunächst anhält.

Das Management verweist auf neue Modelle und eine schrittweise Verbesserung der Profitabilität. Der neue Li L9 wurde im Mai eingeführt, der neue Li L8 soll Ende Juni folgen. Diese Modelle sollen helfen, die Nachfrage zu stabilisieren und den Produktmix wieder zu verbessern. Doch der Markt will inzwischen mehr sehen als Produktversprechen. Entscheidend wird sein, ob Li Auto mit den neuen Modellen auch wieder höhere Margen erzielen kann.

Chinas E-Auto-Markt wird zur Belastungsprobe

Die Zahlen von Li Auto passen in ein größeres Bild. BYD bekam im ersten Quartal die Folgen des Preiskriegs zu spüren. Xiaomi meldete im EV-Geschäft wieder Verluste. XPeng schrieb ebenfalls rote Zahlen, auch wenn Anleger dort stärker auf verbesserte Margen und die nächsten Modelle schauten.

Für Investoren entsteht damit ein klares Muster: Chinas E-Auto-Markt wächst zwar weiter, aber das Wachstum wird immer teurer erkauft. Hersteller müssen neue Modelle schneller auf den Markt bringen, Kunden mit Rabatten locken und gleichzeitig massiv in Software, autonomes Fahren, Batterietechnik und Vertrieb investieren.

Das Ergebnis ist ein gefährlicher Mix aus hohem Kapitalbedarf, sinkenden Durchschnittspreisen und volatilen Margen. Genau davor fürchten sich Anleger.

Aktie bleibt unter Druck

Die Li-Auto-Aktie verlor nach den Zahlen und fiel in die Nähe ihres 52-Wochen-Tiefs. Der Kursrückgang zeigt, dass Anleger nicht nur auf den Umsatz schauen. Entscheidend ist inzwischen die Frage, ob Li Auto seinen Premiumanspruch in einem immer härteren Markt profitabel verteidigen kann.

Die Bewertung chinesischer EV-Aktien hängt nicht mehr allein an der Wachstumsstory. Der Markt verlangt Beweise: stabile Margen, positive Cashflows und glaubwürdige Ausblicke. Li Auto hat im ersten Quartal das Gegenteil geliefert.

Kein Spielplatz, der sich lohnt 

Li Auto liefert ein Quartal, das die Nervosität rund um chinesische E-Auto-Aktien weiter verschärft. Der Umsatz fällt, obwohl die Auslieferungen steigen. Die Bruttomarge bricht auf 7,9 Prozent ein. Der operative Verlust erreicht 3,0 Milliarden Renminbi, der freie Cashflow liegt bei minus 7,4 Milliarden Renminbi.

Der große Kassenbestand verschafft Li Auto zwar Spielraum. Doch die Aktie bleibt anfällig, solange der Preiskampf in China anhält und neue Modelle erst beweisen müssen, dass sie die Profitabilität wieder verbessern können.

Nach BYD, Xiaomi und XPeng zeigt nun auch Li Auto: Chinas Autobauer sind längst nicht mehr nur Wachstumsmaschinen. Sie sind mitten in einem brutalen Verdrängungswettbewerb angekommen.

Dieses Video wird aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen nicht abgespielt. Wenn Sie dieses Video betrachten möchten, geben Sie bitte hier die Einwilligung, dass wir Ihnen Youtube-Videos anzeigen dürfen.

Redaktion Ariva/MW

 



Dein Kommentar zum Artikel im Forum

Jetzt anmelden und diskutieren Registrieren Login

Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.

Themen im Trend