So oder so droht eine weitere Verschärfung der Angebotslage, da die Öllieferungen aus dem Iran aufgrund der Seeblockade nicht mehr an den Ölmarkt gelangen. Laut Daten des auf die Verfolgung von Öltankern spezialisierten Unternehmens Kpler betrugen die Ölexporte des Iran im März 1,84 Mio. Barrel pro Tag, im April bislang 1,71 Mio. Barrel pro Tag. Wichtigster Abnehmer war bislang China. Ende letzter Woche gab es Meldungen, wonach unabhängige chinesische Raffinerien erstmals seit Jahren einen Preisaufschlag für iranisches Öl gegenüber Brent zahlen würden. Zudem soll auch Indien erstmals seit sieben Jahren eine Öllieferung aus dem Iran erhalten. Hintergrund ist, dass die USA Sanktionen gegen in Tankern lagerndes iranisches Öl vorübergehend ausgesetzt hatten, um die Angebotsverknappung am Ölmarkt einzudämmen. Ob diese Sanktionserleichterung auch nach der Seeblockade noch gilt, ist unklar. Allerdings wäre sie ohnehin nach 30 Tagen ausgelaufen und eine Verlängerung darüber hinaus ist kaum zu erwarten.
Die Marktreaktion am Ölmarkt auf die Ankündigung der Seeblockade war dementsprechend. Die Ölpreise stiegen gestern kräftig, so dass Brent und WTI wieder bei mehr als 100 USD je Barrel notierten. Noch stärker fiel der Preisanstieg bei Gasöl aus, weil sich zusätzlich auch der Crack-Spread zwischen Gasöl und Brent ausweitete. Knappheitssignale liefern auch die Time-Spreads, also die Preisdifferenzen zwischen den verschiedenen Kontraktfälligkeiten der Terminkurven. Diese weiteten sich gestern zwischenzeitlich merklich aus, erreichten aber noch nicht wieder das Niveau von unmittelbar vor dem Waffenstillstand. Noch weitaus größer ist der Preisaufschlag für physisches Rohöl am Spotmarkt. Der Preis für Dated Brent lag gestern laut Bloomberg bei 132,5 USD je Barrel und damit rund 30 USD über dem Preis für den nächstfälligen Brent-Terminkontrakt. Der Preis für die Nordseesorte Forties mit unmittelbarer physischer Lieferung erreichte laut Daten von LSEG zu Wochenbeginn mit fast 150 USD sogar ein Rekordniveau.
Ein weiteres Zeichen für ein knappes Angebot sind die kräftig gestiegenen offiziellen Verkaufspreise für Öllieferungen aus der Golfregion. Saudi-Arabien hat seine OSPs, also die Preisaufschläge, die Abnehmer aus verschiedenen Regionen im Mai für bestimmte Ölsorten zu zahlen haben, massiv erhöht. Für Arab Light müssen Abnehmer in Asien nun einen rekordhohen Aufschlag von fast 20 USD je Barrel gegenüber der Benchmark Oman/Dubai zahlen, die gestern laut Bloomberg bei 106,6 USD notierte. Im April lag der entsprechende Preisaufschlag noch bei 2,5 USD. Irak zog kurz darauf nach und erhöhte seine OSPs für Asien im Mai ebenfalls kräftig um 17 USD je Barrel. Gestern folgte Kuwait, das für die wichtigste Ölsorte bei Lieferungen nach Asien einen Aufschlag von 17 USD je Barrel gegenüber Oman/Dubai verlangt. Während Saudi-Arabien sein Öl über die East-West-Pipeline zum Roten Meer umleiten und von dort exportieren kann, sind die irakischen und kuwaitischen Ölexporte durch die Schließung der Straße von Hormus weitgehend lahmgelegt, so dass dieser Preis aktuell nur eine eingeschränkte Aussagekraft hat.
Die Ölpreise handeln heute wieder unterhalb von 100 USD je Barrel, weil es kurzfristig offenbar weitere Gespräche zwischen den USA und dem Iran geben soll. Ob diese zu einem Ergebnis führen und den Konflikt beilegen, ist allerdings ungewiss. Die deutlich höheren Ölpreise für unmittelbare Auslieferungen zeigen, dass das Risiko eines weiteren Preisanstiegs besteht, sollte die Straße von Hormus weiter geschlossen bleiben (Abbildung 1).

| WKN | Typ | Basiswert | Merkmale |
|---|---|---|---|
| FE3WJ2 | Call | Oil Brent Future | Hebel: 5,0 |
| FE135W | Put | Oil Brent Future | Hebel: 5,0 |
| FC539Z | Call | Oil WTI Light Crude Future | Hebel: 5,0 |
| FE3Q8U | Put | Oil WTI Light Crude Future | Hebel: 5,0 |
| FE178M | Call | Gas Oil Future | Hebel: 5,2 |
| FE3Q55 | Put | Gas Oil Future | Hebel: 5,3 |
Aluminium kurzfristig verteuert, Kupfer auch langfristig günstiger
An den Metallmärkten sind bekanntermaßen zwei Effekte abzuwägen: Auf allen Metallen lastet zum einen die Gefahr einer deutlichen wirtschaftlichen Verlangsamung auf den Preisen, zum anderen treibt die Sorge vor einer Angebotsverknappung einzelne Metallpreise nach oben: Heraus sticht bei letzterem zweifellos Aluminium, weil die Golfregion ein wichtiger Anbieter von Primäraluminium ist. Während also die meisten Metallpreise eher nachgaben, kletterte der Aluminiumpreis erst gestern nochmals deutlich höher und notiert inzwischen gut 13% höher als Ende Februar bzw. mit gut 3.600 USD je Tonne auf dem höchsten Stand seit Ende März 22, kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Dass es sich stark um die Sorge vor einer akuten physischen Verknappung handelt, zeigt der nochmals deutlich stärker gestiegene Kassapreis von Aluminium: Er notierte gestern zwischenzeitlich fast 90 USD höher als der 3-Monatsforward (Abbildung 2). Das ist der höchste Preisaufschlag seit März 2007. Zudem ist die Terminkurve am Aluminiummarkt, die sich zwar schon im Vorfeld des Ukraine-Kriegs im Backwardation befand, nun nochmal deutlich stärker fallend (Abbildung 3). So notiert der nächstfällige Terminkontrakt fast 10% höher als der in einem Jahr, während der Preisabstand vor einem Monat gerade mal halb so hoch war.
An anderen Metallmärkten standen die Preise aufgrund der Konjunktursorgen eher unter Druck, haben sich aber im Zuge der Hoffnungen auf ein Friedensabkommen zuletzt wieder deutlich erholt: Kupfer, das im Tief rund 10% nachgegeben hatte, notiert momentan nur noch gut 1% niedriger als Ende Februar. Dabei hat sich die Terminkurve allerdings verflacht: Vor einem Monat war sie noch leicht steigend, auch weil der Bedarf wohl schneller als das Angebot wachsen und sich der Markt im Zuge dessen künftig anspannen sollte. Inzwischen wurden wohl die mittelfristigen Nachfrageperspektiven etwas zurückgestuft, was auch die Preise am längeren Ende belastet. Vor diesem Hintergrund ist es auch von besonderem Interesse, welchen Marktausblick die International Copper Study Group in der nächsten Woche auf ihrer Frühjahrstagung gibt.

| WKN | Typ | Basiswert | Merkmale |
|---|---|---|---|
| FD1NDU | Call | Copper Future | Hebel: 5,2 |
| FA601X | Put | Copper Future | Hebel: 5,3 |
Unsere Modellrechnungen zeigen im Übrigen, dass der Aluminiumpreis das 4-Jahreshoch noch weiter ausbauen kann: Bliebe die Straße von Hormus noch bis Ende Mai blockiert, so könnte der Preis für eine Tonne Aluminium temporär sogar auf fast 4.000 USD steigen (Abbildung 4). Das Rekordhoch von 4.073 USD im März 2022 würde damit aber noch nicht erreicht.

Dividendenausblick: Überraschend starkes Jahr trotz globaler Unsicherheiten
Jedes Frühjahr richtet sich der Blick vieler Anleger auf die Dividendensaison. Und die läuft – trotz globaler Unsicherheiten und fallender Kurse – besser als erwartet. Die Dividendensumme der DAX-Unternehmen steht vor einem potenziellen Rekordjahr. Welche Unternehmen überraschen positiv und welche enttäuschen? Das erwartet Anleger in der kommenden DAX-Dividendensaison.
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