Viel wichtiger als die gestrige Rede war allerdings eine Kurznachricht auf Social Media, die er gestern Abend absetzte. Demnach konnte sich Trump mit dem Generalsekretär der Nato, Mark Rutte, auf ein “framework” für Grönland einigen. Die Zölle, die am 1. Februar in Kraft treten sollte, sind daher nun (erstmal) wieder vom Tisch. Nachdem die Rede schon keine konkreten Androhungen enthalten hatte, konnte sich der US-Dollar bereits im gestrigen Tagesverlauf leicht erholen, aber insbesondere die Nachricht am Abend wurde vom Markt positiv aufgenommen. Die in Optionspreisen implizierte Volatilität über die kommenden drei Monate ging in Folge gestern wieder zurück, nachdem sie am Dienstag von niedrigem Niveau aus deutlich gestiegen war.
Allem Anschein nach bleibt Grönland somit erstmal ein Teil von Dänemark, auch wenn nicht klar ist, was Trump zu diesem Einschwenken bewegt hat. Es könnte sein, dass es der Markt war, nachdem US-Aktien am Dienstag ihren schlechtesten Tag seit Anfang April erlebt hatten. Es könnten auch die Umfragen gewesen sein, nach denen das Streben nach Grönland in der US-Bevölkerung noch kritischer gesehen wurde als der Umgang der Regierung mit der Causa Epstein. Es könnte aber auch sein, dass es die Europäer waren, die dann doch zum ersten Mal halbwegs geschlossen an ihrer Linie festhielten, dass eine Verschiebung der Grenzen nicht verhandelbar wäre.
Allerdings sollte man sich aus europäischer Sicht auch nicht zu früh freuen. Details des oben genannten “frameworks” sind noch nicht bekannt, und selbst wenn es zu einer Einigung in dieser Sache kommen wird, ist nicht gesagt, dass die US-Regierung in den kommenden Monaten nicht wieder ein Thema finden wird, was das transatlantische Bündnis erneut infrage stellt. Eine Konsequenz der Grönland Episode könnte daher sein, dass dies die Bemühungen der Europäer, sich möglichst bald und möglichst erfolgreich von den USA unabhängiger zu machen, stärken wird. Denn wie der kanadische Premierminister Mark Carney in seiner Rede am Dienstag sagte: Souveränität bedeutet in dieser neuen Weltordnung, dass man die Fähigkeit besitzt, sich dem Druck anderer zu widersetzen.
Eine Implikation könnte sein, dass Europa sich stärker vom US-Dollar abkoppelt. Laut BIS befindet sich der US-Dollar weltweit noch immer in 89% aller Devisengeschäfte auf einer Seite des Tauschgeschäfts. Und auch in 73% der Fälle, in denen der Euro in einem Devisengeschäft involviert ist, befindet sich der US-Dollar auf der anderen Seite. Die Europäer bleiben im internationalen Handel somit auf den US-Dollar angewiesen, solange Europa nicht stärker auf den Euro setzt und die Bedingungen dafür schafft, dass auch der Rest der Welt stärker auf den Euro setzen will.
Darin liegt natürlich auch eine Chance. Die nötigen Reformen und ein beherztes Anpacken könnten dazu führen, dass der Euro eine Alternative zum US-Dollar werden könnte, in einer Zeit, in der die Welt nach einer Alternative zu suchen scheint. Der Euro würde davon sicherlich profitieren.
Andererseits liegt in einer erneuten, wie auch immer gearteten Eskalation natürlich auch ein großes Risiko. Initiativen den Euro zu stärken, könnten im Sand verlaufen oder ähnlich wie das Mercosur-Abkommen das Opfer endloser politischer (Schein-)Debatten werden. Die Abhängigkeit vom US-Dollar wäre zementiert und der Euro könnte darunter leiden.
Verstehen Sie mich nicht falsch – keines dieser beiden Szenarien ist unser Basisszenario. Am wahrscheinlichsten ist noch immer, dass auch die nächste Aufregung nach kurzzeitigen Schwankungen an uns vorbeizieht und der Markt sich wieder auf Zentralbanken und Zinsdifferentiale konzentriert. In diesem Fall erwarten wir weiterhin, dass der US-Dollar im Jahresverlauf leicht abwerten sollte. Klar ist aber auch, dass in dieser neuen Welt, in der wir uns befinden, die politischen Risiken zunehmen. Und Extremszenarien und damit auch große Währungsbewegungen zwar nur ein kleines bisschen, aber eben doch spürbar wahrscheinlicher werden.
| WKN | Typ | Basiswert | Merkmale |
|---|---|---|---|
| SH8JA6 | Call | EUR/USD | Hebel: 5,1 |
| SB7GQ8 | Put | EUR/USD | Hebel: 5,2 |
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