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Trotz Horror-Chart: Ist dieser Dividendenkönig jetzt ein Kauf?

Die Aktie von Dividendenaristokrat Abbott Laboratories handelt technisch in schwacher Verfassung, doch die Bewertung und die Dividende werden immer attraktiver.
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Horror-Skelett (Symbolbild).
Quelle: - © Sabina Music Rich auf Unsplash.
Abbott Laboratories Inc 77,98 € Abbott Laboratories Inc Chart +0,28%
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Nicht nur Risiko: Auch Sicherheit im Depot ist wichtig!

Bei aller Euphorie um die steile Erholungsrallye am US-Aktienmarkt, starken Quartalszahlen und neuen Allzeithochs insbesondere bei Technologiewerten, sollten Anlegerinnen und Anleger defensive Basiswerte nicht vergessen, denn die Abwärtsrisiken am Markt sind angesichts einer Vielzahl von Risiken inzwischen beträchtlich.

Vor allem ausschüttungsstarke Unternehmen können in der Krise gleich doppelt Sicherheit bieten. Sie unterliegen in der Regel weniger starken Kursschwankungen, was die Volatilität im Depot glättet. Gleichzeitig sorgen regelmäßige Ausschüttungen für frisches Cash, das dann in aussichtsreiche Werte für nach der Krise reinvestiert werden kann.

Dividendenkönig mit Horror-Chart: Kaufen oder nicht?

Einen besonders spannenden Fall stellt aktuell Dividendenkönig Abbott Laboratories dar, aus dem nach einer Abspaltung der nicht minder erfolgreiche Pharma- und Biotechnologiekonzern AbbVie hervorgegangen ist. Beide Unternehmen sind als zuverlässige Dividendenzahler bekannt – Abbott Laboratories (Abbott Laboratories Aktie) bringt es sogar auf Dividendenerhöhungen 54 Jahre in Folge.

Doch der Dividendenwachstumswert hat einen Haken. Der Chart der Aktie ist nach fortgesetzten Kursverlusten in den vergangenen Wochen und Monaten zum Gruseln. Hier drohen sogar neue Mehrjahrestiefs und damit ein starkes Verkaufssignal.

Gibt es trotzdem Gründe dafür, warum sich Anlegerinnen und Anleger jetzt die Dividendenrendite von knapp 2,8 Prozent und eine durchschnittliche jährliche Steigerungsrate (CAGR) von 9,3 Prozent in den vergangenen 10 Jahren sichern sollten?

Trotz Wachstumsschwäche anhaltende Milliardengewinne

Grundsätzlich handelt es sich bei Abbott Laboratories um einen breit diversifizieren Konzern. Geld verdient wird mit Diagnostikdienstleistungen, der Entwicklung und dem Verkauf von Arzneimitteln sowie von Nahrungsergänzungsmitteln, wozu auch Babynahrung gehört. Abgerundet wird das Geschäft durch Medizingeräte. Dieser Mix sorgt für Krisenresilienz, wie die Geschäftsentwicklung der vergangenen 10 Jahre demonstriert.

Die Erlöse kletterten von 20,85 auf zuletzt 45,1 Milliarden US-Dollar. Seit dem Höhepunkt der Corona-Pandemie hat sich die Dynamik aufgrund anhaltend schwacher Geschäfte in der Diagnostiksparte spürbar verlangsamt. Daher trat in den vergangenen 5 Jahren auch der Unternehmensgewinn auf der Stelle, der grob zwischen 6 und 7 Milliarden US-Dollar pro Geschäftsjahr schwankte. Das Minus von knapp 26 Prozent gegenüber dem Stand vor 5 Jahren reflektiert diesen Trend.

Nichtsdestotrotz bietet Abbott Laboratories ein Gewinn- und Cashflow-starkes Geschäft. Die Netto Verschuldung liegt bei gerade mal 5,2 Milliarden US-Dollar, während das Unternehmen in den vergangenen Jahren eine kontinuierlich steigende Dividende gezahlt und eigene Aktien im Wert von rund 10 Milliarden US-Dollar zurückgekauft hat. Am Wachstum mag es derzeit zwar hapern, an einer soliden Basis und einem anlegerinnen- und anlegerfreundlichen Management jedoch nicht.

Bewertung und Dividende nach Anpassung attraktiv

Mit Blick auf die Unternehmensbewertung hat Abbott Laboratories Investoren inzwischen viel zu bieten. Das KGVe 2026 liegt mit 16,7 um 30 Prozent unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 23,9. Gegenüber dem Branchenmittel handelt die Aktie mit einem Abschlag von knapp 6 Prozent. Dieser Trend setzt sich bei vielen Kennziffern fort. Dabei fällt immer wieder der Rabatt gegenüber der historischen Norm auf, der je nach Variable 25 bis 35 Prozent beträgt. Hier muss also von einer Neubewertung gesprochen werden.

Die Dividendenrendite liegt mit 2,8 Prozent deutlich über dem Branchendurchschnitt von 1,5 Prozent. Angesichts der zuverlässigen Wachstumshistorie ist die Ausschüttung des Unternehmens vor allem für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger interessant. Wer bereits vor 10 Jahren investiert hat, erzielt inzwischen eine Einstiegsrendite von 6,5 Prozent. Wer seit 30 Jahren an Bord ist, kommt auf stolze 12,4 Prozent.

Kommt's noch schlimmer? Aktie vor Mehrjahrestiefs!

Der gegenwärtig größte Belastungsfaktor neben dem auf der Stelle tretenden Geschäftswachstum ist der Chart. Ähnlich wie beim deutschen MDAX-Wert Sartorius verlieren Anlegerinnen und Anleger allmählich die Geduld, auf Besserung im Diagnostik- und Laborgeschäft zu warten, wo die Branche mit nach dem Ende der Corona-Pandemie hohen Lagerbeständen kämpft.

Das hat die Aktie nach einer Reihe als schwach empfundener Quartalszahlen stark unter Druck gesetzt. Hier liegt inzwischen ein steiler, mehrfach verschärfter Abwärtstrend vor, nachdem es zu einem markanten Doppel-Top und dem Unterschreiten der wichtigen Unterstützung bei 120 US-Dollar per Gap-Down gekommen war.

Die technische Schwäche ist zugleich auch eine Chance

Setzen sich die Verluste in den kommenden Tagen ungebremst fort, droht sogar der tiefste Stand seit mehr als 5 Jahren – ein technisches Verkaufssignal! Für fortgesetzte Verluste sprechen die schwachen technischen Indikatoren RSI und MACD. Die bieten gleichzeitig aber auch Anlass zur Hoffnung, weil sie einerseits stark überverkauft sind und andererseits erste bullishe Divergenzen geliefert haben. Trotz niedrigerer Kurse der Aktie handeln sie inzwischen in kurzfristigen Aufwärtstrends. Das gilt als Frühindikator für eine Trendwende.

Allerdings hat Abbott Laboratories für eine nachhaltige Verbesserung seiner charttechnischen Ausgangslage einen weiten Weg vor sich. Erste prozyklische Kaufsignale lägen erst oberhalb von 100 US-Dollar beziehungsweise der 50-Tage-Linie bei rund 107 US-Dollar wieder vor.

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Fazit: Bewertung und Dividende sollten den Chart schlagen

Aus fundamentaler Perspektive bietet Dividendenkönig Abbott Laboratories eine Einstiegschance. Zwar liegt gegenwärtig eine Wachstumsschwäche vor, doch die Ertragslage ist stabil mit Gewinnen und Cashflows im hohen einstelligen Milliardenbereich. Die stark unter Druck geratene Aktie hat außerdem für eine Kompression der Bewertungsvielfache und eine über dem historischen Durchschnitt liegende Dividendenrendite gesorgt. Das macht das Papier für Value- und ausschüttungsorientierte Anlegerinnen und Anleger jetzt attraktiv.

Risiken ergeben sich vor allem durch das sehr schwache Chartbild, das angesichts möglicher Mehrjahrestiefs schon bald ein weiteres Verkaufssignal liefern könnte. Die Schwäche der technischen Indikatoren liefert aber auch wachsende Wahrscheinlichkeiten für einen Rebound der Aktie, der mit 90 US-Dollar genau an einer wichtigen Unterstützung erfolgen könnte, sodass nach einem Doppel-Top ein Doppelboden folgen könnte.

Antizyklisch agierende Anlegerinnen und Anleger beginnen, in Tranchen eine Position im langfristig aussichtsreichen Dividendenwachstumswert aufzubauen. Risikoaverse Investoren warten eine nachhaltige Bodenbildung und erste prozyklische Kaufsignale ab.

Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross


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