Tera schießt um 40.000 Prozent hoch – kippt jetzt das türkische Börsenmärchen?
Fast 40.000 Prozent seit dem Börsengang, ein Fonds mit mehr als 1.500 Prozent Rendite und nun wachsender Druck der Aufsicht: Der Fall Tera elektrisiert die Türkei und wirft immer mehr Fragen auf.
Ein kleines Brokerhaus sorgt an der türkischen Börse für großes Aufsehen. Die Aktie von Tera Yatirim Menkul Degerler ist seit dem Börsengang 2022um fast 40.000 Prozent gestiegen. Trotz jüngster Verluste bringt es das Unternehmen noch immer auf einen Marktwert von rund 4,5 Milliarden US-Dollar – bei nur etwa 130 Mitarbeitern.
Im Mittelpunkt steht ein Fonds der Gruppe, der im vergangenen Jahr mehr als 1.500 Prozent Rendite erzielt haben soll. Bloomberg berichtet, dass der Fonds Milliarden von Lira in einen engen Kreis verbundener Unternehmen gelenkt und seine Wetten teils mit geliehenem Geld verstärkt habe. Dazu gehörten Tera selbst, Tochtergesellschaften und Firmen, die von Teras Brokerage-Sparte an die Börse gebracht worden waren.
Riskantes System
Orkun Saka von der City St. George’s, University of London, sprach gegenüber Bloomberg von "mehrschichtigen Interessenkonflikten". Die Käufe des Fonds könnten die Kurse verbundener Unternehmen treiben, dadurch den Nettoinventarwert des Fonds steigern und am Ende auch die Bewertung der Muttergesellschaft nach oben ziehen.
Die türkische Kapitalmarktaufsicht prüfe deshalb neue Regeln. Diese sollen Investments in verbundene Unternehmen und stark konzentrierte Positionen begrenzen. Mit der Sache vertraute Personen sagten, der Vorstoß richte sich vor allem gegen Strategien wie jene von Tera.
Firmengründer Emre Tezmen weist die Kritik zurück.
Alles, was wir hier tun, steht im Einklang mit den Vorschriften.
Wir haben nichts getan, was nicht auch auf den globalen Märkten getan wird.
Besonders auffällig waren laut Bloomberg Beteiligungen an Firmen mit geringem Streubesitz. So stieg die Aktie von Destek Finans Faktoring nach dem Börsengang 2025 um mehr als 4.700 Prozent.
Beim Bergbauunternehmen Visne Madencilik schoss der Kurs nach dem Börsengang zunächst um mehr als 2.100 Prozent nach oben, brach danach aber massiv ein. Wegen Geschäften mit Visne verhängte die Aufsicht gegen zwei Tera-Fondsmanager Geldstrafen von jeweils 8,9 Millionen Lira.
Zugleich stieg die Verschuldung des Brokerhauses stark. Laut Geschäftsbericht kletterte die Kreditaufnahme von 132 Millionen Lira im Vorjahr auf 59,8 Milliarden Lira Ende 2025. Tezmen sagte, Tera habe die Nutzung solcher Kredite inzwischen reduziert.
Mehr als nur eine Kuriosität
Bloomberg zitiert Kamil Dimmich von North of South Capital mit der Warnung, die Kursbewegungen erinnerten an "unsinnige Squeezes und Bewertungen", getrieben von geringem Streubesitz und einer "unberechenbaren Basis von Kleinanlegern".
Tezmen selbst widerspricht dem Verdacht gezielter Kurssteuerung. "Man kann auf einem Markt nichts zu 100 Prozent kontrollieren“, sagte er und weiter:
Es gibt keine Möglichkeit, den Markt zu kontrollieren.
Autor: sbh-Redaktion/neb
Hinweis:
ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen.
Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich
dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch
eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link
„Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für
diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.