Kurzfristiges Bitcoin comeback: Diese drei Faktoren treiben die Rally
Nicolas Fuchs
Nicolas Fuchs
Nicolas ist seit 2016 Redakteur bei ARIVA.DE. Seine Expertise in der technischen Analyse und sein Engagement für genaue Prognosen machen ihn zu einer wertvollen Ressource für die Community, die auf aussagekräftige News angewiesen ist.
Bitcoin legt binnen einer Woche um mehr als 20 Prozent zu und markiert damit die stärkste Wochenperformance seit zwei Jahren. Neben sinkenden Anleiherenditen sorgen politische Signale aus Washington und ein historischer Short-Squeeze für zusätzlichen Schub.
Für dich zusammengefasst:
Bitcoin steigt auf über 78.000 US-Dollar und gewinnt 20%.
US-Finanzministerium verdoppelt Anleiherückkäufe auf 4 Mrd. Dollar.
Institutionelle Zuflüsse in Bitcoin-ETFs über 1 Milliarde Dollar.
Die älteste und bekannteste Kryptowährung der Welt legt auf Wochensicht um mehr als 20 Prozent zu und notiert am Freitag laut Coinmarketcap bei knapp 78.000 US-Dollar. Dieses Niveau wurde zuletzt Mitte Mai erreicht. Wer den aktuellen Bitcoin-Kurs im Detail verfolgen möchte, findet dort tagesaktuelle Daten. Damit steuert Bitcoin auf die höchsten wöchentlichen Gewinne seit immerhin zwei Jahren zu.
Noch zu Wochenbeginn notierte derr Bitcoin-Kurs unter 65.000 Dollar (Dollarkurs). Den Ausschlag für den kräftigen Anstieg gab eine Entscheidung des US-Finanzministeriums.
Anleiherückkäufe als Auslöser
US-Schatzminister Scott Bessent kündigte an, das laufende Rückkaufprogramm für längerfristige US-Staatsanleihen von zwei auf mindestens vier Milliarden Dollar zu verdoppeln. Die Maßnahme drückte zumindest kurzfristig die Renditen, schwächte den Dollar auf ein Dreimonatstief und erhöhte insgesamt die Risikobereitschaft der Anleger. Wer die Entwicklung der US-Währung im Blick behalten will, findet den aktuellen Euro-Dollar-Kurs mit allen relevanten Kennzahlen zur Wechselkursentwicklung.
„Der eigentliche Treiber war die Verdoppelung der langfristigen Anleiherückkäufe durch das US-Finanzministerium, die die langen Renditen nach unten zog und den Risikoappetit insgesamt anhob“, erklärt Rachael Lucas, Analystin bei BTC Markets. „Das ändert nichts an dem langfristigen Fall des Bitcoin oder an seiner Volatilität.“
Zuvor hatten Sorgen über die hohe US-Staatsverschuldung und steigende Inflation die weltweiten Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs getrieben. Ein Marktanalyst des Brokers Captrader ordnet die Entwicklung so ein: Die Hoffnung auf regulatorische Klarheit und ein entspannteres Renditeumfeld am US-Anleihemarkt hätten letztlich den Ausschlag gegeben.
Kryptowährungen gelten grundsätzlich als besonders risikoreiche Anlageklasse. In unsicheren geopolitischen Phasen trennen sich Anleger üblicherweise eher von ihren Krypto-Positionen – tatsächlich blieb der Bitcoin-Kurs trotz des Irankonflikts lange auf stabilem Niveau. Den bislang letzten größeren Einbruch erlebte die Kryptowährung Ende Januar, als sie von mehr als 95.000 Dollar auf knapp unter 63.000 Dollar fiel und sich seither, mit Schwankungen, in dieser Spanne bewegte. Ihren bisherigen Höchststand hatte die Digitalwährung im Oktober des Vorjahres bei über 120.000 Dollar erreicht, bevor sie über mehrere Monate deutlichh an Wert verlor.
Am Mittwoch empfing US-Präsident Donald Trump Führungskräfte der Kryptobranche im Weißen Haus, daurnter Vertreter der Handelsplattformen Coinbase und Payward. Er forderte den Senat auf, den seit Monaten blockierten „Clarity Act“ zu verabschieden. Das Gesetz dient der klareren Regulierung des Kryptosektors, dessen Abstimmung zuletzt an einem Streit über Ethikvorschriften gescheitert war. Der Senat will das Vorhaben nach der Sommerpause Mitte September erneut aufgreifen.
Trump, der im vergangenen Jahr über die Kryptounternehmen seiner Familie unter der Marke World Liberty Financial mehr als 1,4 Milliarden Dollar einnahm, verfolgt seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus eine ausgesprochen kryptofreundliche Linie. Am Rande des Treffens deutete er zudem an, dass die USA Optionen prüfen, um dem Offshore-Handelsplatz Hyperliquid den Marktzugang in den Vereinigten Staaten zu ermöglichen – der zugehörige Token legte daraufhin um mehr als 21 Prozent zu.
Short-Squeeze verstärkt die Bewegung
Technisch wurde die Rally durch einen massiven Short-Squeeze verschärft: Zahlreiche Anleger hatten auf fallende Kurse gesetzt, mussten ihre Positionen jedoch angesichts der Gegenbewegung zwangsweise auflösen. Allein am Mittwoch wurden binnen einer Stunde Leerverkaufspositionen im Wert von einer Milliarde Dollar liquidiert. Innerhalb von 24 Stunden summierten sich die Zwangsliquidierungen über alle Kryptowährungen hinweg auf rund drei Milliarden Dollar. Dies war laut der Datenplattform Coinglass der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2021.
Ob die Bewegung nachhaltig ist, bleibt allerdings fraglich. Ein Chefanalyst des Londoner Handelshauses LO:TECH warnt, dass aktuell kaum frisches Kapital in den Bitcoin-Markt fließe.
Positive Signale bei institutionellen Zuflüssen
Dennoch gibt es auch von der Nachfrageseite ermutigende Zeichen: Die elf in den USA zugelassenen Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten nach Abflüssen von 390 Millionen Dollar in der Vorwoche von Montag bis Mittwoch Zuflüsse von mehr als einer Milliarde Dollar. Das ist der stärkste Wochenwert seit Januar. Große Bitcoin-Halter haben demnach innerhalb von 60 Tagen zusätzlich Bitcoin im Gegenwert von rund 2,75 Milliarden Dollar zugekauft, wie der Datenanbieter Cryptoquant berichtet.
Auch das übergeordnete makroökonomische Umfeld bleibt für die weitere Kursentwicklung entscheidend: Das Notenbank-Symposium in Jackson Hole Ende August – erstmals unter der Leitung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh – gilt als nächster wichtiger Katalysator für Bitcoin, den Dollar-Kurs und die globalen Anleihemärkte gleichermaßen.
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