E20 statt E10: Zwei deutsche Aktien stehen vor einem neuen Milliardenmarkt

Markus Weingran Markus Weingran
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Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.

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E20 statt E10 - zwei ganz großes Gewinner an der Börse
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Deutschland und Frankreich wollen den Weg für E20-Benzin freimachen. Für zwei deutsche Unternehmen könnte das zum Milliardengeschäft werden. Beide profitieren schon jetzt von steigenden Ethanolpreisen.
Für dich zusammengefasst:
Hinweis

Rund 15 Jahre nach der Einführung von E10 könnte Deutschland vor der nächsten Kraftstoffrevolution stehen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will gemeinsam mit Frankreich den Weg für E20-Benzin ebnen. Für Autofahrer würde sich damit der Anteil von Bioethanol im Kraftstoff auf bis zu 20 Prozent verdoppeln. Für die Hersteller des Biokraftstoffs könnte das einen gewaltigen Nachfrageschub auslösen.

An der Börse rücken damit zwei deutsche Unternehmen in den Mittelpunkt: Verbio und Südzucker. Beide gehören zu den großen europäischen Produzenten von Bioethanol – und beide könnten von der politischen Initiative erheblich profitieren.

E20: Deutschland und Frankreich machen Druck

"Zurzeit setze ich mich mit meinem französischen Amtskollegen dafür ein, dass wir die Beimischung von Biokraftstoffen erhöhen", erklärte Bilger gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Als Beispiel nannte er ausdrücklich E20 an den Zapfsäulen.

Werte aus dem Artikel:
Verbio Aktie 26,96 € -6,91%
Südzucker Aktie 11,90 € -1,16%

Der Vorstoß ist Teil einer größeren politischen Initiative. Deutschland und Frankreich wollen das geplante EU-weite Verbrenner-Aus ab 2035 aufweichen. Neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sollen unter bestimmten Voraussetzungen auch künftig zugelassen werden können. Erneuerbare Kraftstoffe könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.

E20 ist technisch kein Neuland. In Mannheim wird der Kraftstoff bereits in einem geschlossenen Flottenversuch getestet. Der Automobilclub AvD hält den Einsatz bei modernen, für E10 freigegebenen Fahrzeugen grundsätzlich für technisch möglich. Eine generelle Freigabe aller E10-Fahrzeuge für E20 bedeutet das allerdings nicht.

Bevor E20 regulär an deutschen Tankstellen angeboten werden kann, muss zudem die europäische Kraftstoffnorm DIN EN 228 angepasst werden. Derzeit erlaubt sie lediglich einen Ethanolanteil von maximal zehn Prozent.

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Verdopplung der Beimischung – ein Milliardenmarkt entsteht

Das wirtschaftliche Potenzial ist beträchtlich. Bei E10 darf Benzin maximal zehn Prozent Bioethanol enthalten, bei E20 wären es 20 Prozent. Würde der gesamte E10-Absatz durch E20 mit jeweils vollständig ausgeschöpfter Beimischung ersetzt, könnte sich die dafür benötigte Ethanolmenge theoretisch verdoppeln.

Für die europäischen Bioethanolhersteller wäre das ein erheblicher zusätzlicher Absatzmarkt. Noch interessanter: Sollte die Nachfrage schneller wachsen als die Produktionskapazitäten, könnten auch die Ethanolpreise steigen.

Damit hätten die Hersteller gleich zwei mögliche Gewinnhebel: höhere Absatzmengen und bessere Margen. Allerdings hängt das tatsächliche Marktpotenzial davon ab, wie schnell E20 eingeführt wird, welche Fahrzeuge den Kraftstoff nutzen dürfen und wie sich der Benzinverbrauch entwickelt.

Gewinner Nummer 1: Verbio – die direkte Wette auf E20

Der Leipziger Biokraftstoffhersteller Verbio gehört zu den unmittelbarsten potenziellen Profiteuren. Das Unternehmen produziert Bioethanol, Biodiesel und Biomethan und könnte von einer steigenden Nachfrage nach erneuerbaren Kraftstoffen gleich mehrfach profitieren.

Schon jetzt läuft das Geschäft deutlich besser. Im Geschäftsjahr 2025/26 steigerte Verbio seinen Umsatz um 18,5 Prozent auf 1,87 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sprang von gerade einmal 14,2 Millionen auf rund 194 Millionen Euro.

Gleichzeitig gelang es dem Unternehmen, seine Nettofinanzverschuldung um 44 Prozent auf etwa 92 Millionen Euro zu reduzieren.

Auch für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 zeigt sich das Management optimistisch. Das EBITDA soll auf 210 bis 250 Millionen Euro steigen. Wachstumstreiber sind unter anderem höhere Produktionsmengen, das Biomethangeschäft und die Verbesserung des regulatorischen Umfelds.

Bemerkenswert: Diese Prognose berücksichtigt noch keinen gesicherten zusätzlichen Absatzschub durch eine europaweite E20-Einführung.

Sollte E20 tatsächlich kommen, könnte Verbio damit einen weiteren langfristigen Wachstumstreiber erhalten. Für Anleger ist die Aktie allerdings auch die spekulativere der beiden Möglichkeiten. Die Gewinne hängen stark von Biokraftstoffpreisen, Rohstoffkosten und politischen Rahmenbedingungen ab.

Gewinner Nummer 2: Südzucker – versteckter Ethanol-Champion

Der zweite potenzielle Gewinner ist Südzucker. Was viele Anleger nicht wissen: Hinter dem Mannheimer Zuckerproduzenten steht mit CropEnergies einer der größten europäischen Bioethanolhersteller.

CropEnergies betreibt Produktionsanlagen unter anderem in Deutschland, Belgien und Frankreich. Damit wäre der Konzern bestens positioniert, um von einer steigenden europäischen Ethanolnachfrage zu profitieren.

Bereits heute zeigt sich, wie stark sich steigende Ethanolpreise auf die Gewinne auswirken können.

Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026/27 steigerte CropEnergies den Umsatz von 402 auf 438 Millionen Euro. Das operative EBITDA explodierte geradezu: von vier Millionen auf 68 Millionen Euro.

Verantwortlich waren vor allem deutlich höhere Verkaufspreise für Ethanol und niedrigere Rohstoffkosten. Und das, obwohl die Absatzmengen sogar leicht zurückgingen.

Für Anleger ist das ein besonders interessantes Signal. Schon vergleichsweise kleine Veränderungen der Marktbedingungen können erhebliche Auswirkungen auf die Profitabilität haben.

Der gesamte Südzucker-Konzern profitiert bereits von der Erholung. Im ersten Geschäftshalbjahr stieg das operative EBITDA von 189 auf 303 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Management inzwischen 540 bis 680 Millionen Euro.

Der Vorteil gegenüber Verbio: Südzucker ist breiter aufgestellt und verfügt neben CropEnergies über große Aktivitäten in der Zucker-, Stärke-, Frucht- und Spezialitätenproduktion. Allerdings können schwache Ergebnisse im Zuckergeschäft den Erfolg der Ethanolsparte teilweise wieder aufzehren.

Zwei Aktien mit zusätzlicher Kursfantasie

Noch ist E20 ein politisches Vorhaben und keine beschlossene Sache. Bis zu einer breiten Markteinführung könnten Jahre vergehen. Zudem könnten sinkender Benzinverbrauch durch die Elektromobilität und zusätzliche Ethanolimporte die positiven Effekte begrenzen.

Trotzdem ist die Entwicklung aus Anlegersicht spannend. Sowohl Verbio als auch Südzucker profitieren bereits heute von besseren Marktbedingungen im Ethanolgeschäft. Eine höhere Beimischungsquote könnte diesen Trend nachhaltig verstärken.

Verbio ist dabei die direktere und chancenreichere Wette auf einen europäischen Biokraftstoffboom. Das Unternehmen ist stark auf erneuerbare Kraftstoffe spezialisiert und hat seine Ergebniswende bereits geschafft.

Südzucker bietet dagegen einen indirekteren Zugang über CropEnergies. Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen eindrucksvoll, wie viel Gewinnpotenzial in dieser Tochter steckt.

Für langfristig orientierte Anleger könnten beide Aktien interessant sein – und für eine Neubewertung an der Börse braucht es möglicherweise noch nicht einmal die tatsächliche Einführung von E20. Bereits konkrete Fortschritte bei der europäischen Zulassung könnten die Fantasie für beide Titel beflügeln.

Redaktion Ariva/MW



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