Der Boom rund um künstliche Intelligenz (KI) hat die globalen Aktienmärkte in den vergangenen Monaten beflügelt. Doch hinter der Euphorie mehren sich warnende Stimmen: Immer mehr Analysten und Fondsmanager ziehen Parallelen zur Dotcom-Blase der späten 1990er-Jahre – und warnen vor massiven Kurskorrekturen.
Eine der deutlichsten Mahnungen kommt von Lauren Taylor Wolfe, Managing Partner bei Impactive Capital. In einem Interview mit CNBC erklärte sie unmissverständlich:
"Wir befinden uns absolut in einer KI-Blase. Sie wird platzen – ich weiß nur nicht wann. Viele Menschen werden Geld verlieren."
Als Beispiel für die aktuelle Übertreibung nannte Wolfe Oklo, das von OpenAI-Chef Sam Altman gegründete Unternehmen für Mini-Atomreaktoren.
"Oklo ist inzwischen die größte Position im Russell 2000 Value Index – und das, obwohl das Unternehmen seit drei Jahren keinerlei Umsatz erzielt. Zu Jahresbeginn lag die Marktkapitalisierung bei drei Milliarden US-Dollar, heute sind es 25 Milliarden. Das ist schlichtweg absurd."
Bank of America: KI-Blase erstmals größtes Marktrisiko
Auch institutionelle Anleger teilen zunehmend diese Sorgen. Laut der jüngsten Global Fund Manager Survey der Bank of America (Bank of America Aktie) (BoA) betrachten ein Drittel der befragten Fondsmanager eine mögliche KI-Blase als das größte Risiko für die Märkte.
Die 166 befragten Manager, die gemeinsam Vermögen im Umfang von 400 Milliarden US-Dollar verwalten, äußerten sich deutlich pessimistischer als noch vor einem Monat. Mehr als die Hälfte glaubt bereits, dass sich die Bewertungen im KI-Sektor in einem spekulativen Überhitzungsstadium befinden.
Trotzdem bleibt die Investitionsbereitschaft hoch. BoA-Strategen kommentierten: "Die Positionierungen zeigen, dass Investoren die potenziellen Renditen höher einschätzen als die Risiken."
Der Optimismus ist so groß, dass Fondsmanager derzeit so stark in Aktien übergewichtet sind wie seit Januar nicht mehr – trotz der wachsenden Sorgen um die Nachhaltigkeit des KI-Booms.
"Trillionen an Investitionen, aber kaum Gewinne"
Wolfe kritisierte vor allem das Missverhältnis zwischen Investitionen und realen Erträgen in der Branche: "Es werden Billionen Dollar (Dollarkurs) für KI-Projekte veranschlagt, während die großen Tech-Konzerne – die 'Magnificent Seven' – zusammen nur einige hundert Milliarden an freiem Cashflow generieren. Die Mathematik geht einfach nicht auf."
Selbst wenn KI langfristig die Wirtschaft revolutioniere, bleibe das kurzfristige Risiko enorm. "Zeigen Sie mir die Billionen an Gewinnen, die in den nächsten fünf Jahren entstehen sollen – Sie können es nicht", so Wolfe weiter.
FOMO treibt die Märkte – trotz Überbewertung
Laut Lewis Grant, Senior Portfolio Manager bei Federated Hermes, wird die derzeitige Rallye "primär durch Sentiment und nicht durch Fundamentaldaten" getrieben.
"Die Angst, etwas zu verpassen, untergräbt selbst die Disziplin der erfahrensten Investoren. Ja, KI ist eine epochale Technologie – aber Bewertungen lassen sich nicht ewig ignorieren."
Grant warnte, dass die massiven Investitionen in KI-Infrastruktur mit unklarem Zeithorizont und unsicherer Rendite den Markt anfällig für plötzliche Korrekturen machen könnten. Er sieht Chancen vor allem in europäischen Industrieunternehmen, die aktuell von Anlegern weitgehend übersehen werden.
Autor: Ariva-Redaktion/pg
