Stablecoins galten lange als eine Brücke zwischen dem traditionellen Finanzsystem und der Krypto-Welt. Für viele Nutzer rund um den Globus sind sie vor allem eines: digitale Dollar, die rund um die Uhr verfügbar sind, Kapitalverkehrsbeschränkungen umgehen können und außerdem effektiven Schutz vor schwachen Landeswährungen bieten.
Ihre Konstruktion eröffnet aber noch eine andere Möglichkeit. Jeder dollargedeckte Stablecoin muss schließlich mit Reserven hinterlegt werden. Seit dem Inkrafttreten des GENIUS Act im Jahr 2025 bestehen diese im Wesentlichen aus Dollarbeständen und kurzlaufenden US-Staatsanleihen. Mit jedem zusätzlich ausgegebenen Stablecoin steigt damit automatisch die Nachfrage nach genau diesen Anleihen.
Daraus leitet Klippsten seine Kernidee ab: Statt sich künftig vor allem auf ausländische Zentralbanken zu verlassen, könnten die Vereinigten Staaten einen immer größeren Teil ihrer Schulden indirekt über Unternehmen und Stablecoin-Nutzer finanzieren.
Tether und Circle erscheinen damit als Kapitalbeschaffer des bestehenden Finanzsystems, obwohl sie doch einstmals als dessen Herausforderer starteten. Der digitale Dollar wird zum globalen Sparprodukt und entwickelt sich zu einem der womöglich stärksten Vertriebskanäle für amerikanische Staatsschulden.
Die Argumentation gewinnt zusätzlich an Gewicht, weil sich die Struktur der weltweiten Nachfrage nach US-Schulden verändert. Mehrere Staaten haben ihre Bestände an US-amerikanischen Staatsanleihen in den vergangenen Jahren deutlich reduziert, während Zentralbanken weltweit ihre Goldreserven kontinuierlich ausbauen.
Ein Bericht der Europäischen Zentralbank aus dem Juni 2026 zeigt, dass Gold inzwischen 27 Prozent der weltweiten Währungsreserven ausmacht und damit erstmals vor US-Staatsanleihen mit 22 Prozent liegt. Getrieben wurde diese Entwicklung vor allem durch die Preisrally des Edelmetalls.
Wenn traditionelle Käufer vorsichtiger werden, gewinnt jede zusätzliche Quelle für Nachfrage strategisch an Bedeutung, wie Klippsten in seinen Ausführungen betont.
Stablecoins könnten genau diese Rolle übernehmen. Sie verlagern die Finanzierung US-amerikanischer Schulden weg von staatlichen Akteuren und hin zu privaten Marktteilnehmern, die digitale Dollar halten, ohne sich zwangsläufig als Gläubiger der Vereinigten Staaten zu verstehen.
Darin liegt die eigentliche Ironie. Stablecoins werden häufig als Instrument finanzieller Freiheit wahrgenommen, bleiben jedoch eng an die Strukturen des bestehenden Systems gebunden. Ihre Emittenten unterliegen unzähligen regulatorischen Vorgaben und müssen US-Staatsanleihen als Reserve hinterlegen. Wer also auf Stablecoins setzt, setzt damit auch auf eine digitale Erweiterung des bestehenden Dollar-Regimes.
Das macht Stablecoins jedoch nicht überflüssig, denn sie können reale Probleme lösen. Sie erleichtern internationale Zahlungen und schaffen Zugang zu Dollarliquidität in Regionen mit schwachen Währungen. Sie finanzieren aber zugleich eben jenes System, dem viele Nutzer doch eigentlich entkommen wollten.
Die Aussagen Klippstens stammen aus einem aktuellen YouTube-Interview von Kitco News und wurden mit öffentlich verfügbaren Daten sowie regulatorischen Dokumenten abgeglichen. Ob Stablecoins langfristig zu einem der wichtigsten Nachfragetreiber für US-Staatsanleihen werden, bleibt offen. Dass Millionen Nutzer digitaler Dollar damit indirekt zu Gläubigern der Vereinigten Staaten werden, ist dagegen bereits heute Realität.
Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.