Atlantic Lithium teilte mit, dass eine verbindliche Vereinbarung mit Zhejiang Huayou Cobalt abgeschlossen worden sei. Huayou wolle sämtliche ausstehenden Aktien des Unternehmens übernehmen und dafür 0,25486 US-Dollar je Aktie zahlen. Daraus ergebe sich eine Gesamtbewertung von rund 210 Millionen US-Dollar. Nach Angaben des Managements entspreche das Angebot einem Aufschlag von rund 26,6 % auf den letzten Schlusskurs der Aktie sowie einem Aufschlag von 21,8 % auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 30 Handelstage.
Die Übernahme solle über ein sogenanntes „Scheme of Arrangement“ umgesetzt werden. Dabei handelt es sich um ein in Australien übliches Verfahren, bei dem sowohl die Aktionäre als auch Gerichte zustimmen müssen.
CEO Keith Muller erklärte, der Board habe verschiedene strategische Optionen geprüft und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Angebot von Huayou den attraktivsten und sichersten Weg zur Wertrealisierung darstelle. Besonders berücksichtigt worden seien laut Management die schwachen Lithiumpreise, die komplexen regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die Risiken einer eigenständigen Finanzierung und Entwicklung des Ewoyaa-Projekts.
Im Mittelpunkt der Übernahme steht das Ewoyaa-Lithium-Projekt in Ghana. Das Projekt sollte ursprünglich die erste Lithium-Mine des Landes werden und entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Lithium-Vorhaben Westafrikas. Die Definitive Feasibility Study (DFS) aus 2023 sah eine Produktion von insgesamt 3,6 Millionen Tonnen Spodumen-Konzentrat über eine Laufzeit von zwölf Jahren vor. Das Management erklärte damals, das Projekt könne zu den größten Hartgestein-Lithiumminen weltweit zählen. Laut DFS wurde ein Nachsteuer-Kapitalwert von rund 1,5 Milliarden US-Dollar kalkuliert. Gleichzeitig seien die Produktionskosten vergleichsweise niedrig. Die All-in Sustaining Costs (AISC) wurden mit rund 610 US-Dollar je Tonne angegeben, während die anfänglichen Investitionskosten bei rund 185 Millionen US-Dollar liegen sollten. Als wichtiger Vorteil galt die Infrastruktur des Projekts. Ewoyaa liegt nahe der N1-Autobahn zwischen Accra und Takoradi sowie unweit des Tiefseehafens Takoradi. Zudem verfügt das Gebiet über Stromanschlüsse und Zugang zu Wasser.
Atlantic Lithium erreichte in den vergangenen Jahren mehrere wichtige regulatorische Meilensteine. Bereits im Oktober 2023 erhielt das Unternehmen die erste Lithium-Mining-Lizenz Ghanas. Später folgten die Umweltgenehmigung der Environmental Protection Agency sowie die finale Betriebsgenehmigung der Minerals Commission. Dennoch kam das Projekt nicht wie geplant voran. Entscheidend blieb die parlamentarische Ratifizierung der Bergbaulizenz in Ghana. Diese Zustimmung galt als letzte Voraussetzung für den offiziellen Baustart. Das Unternehmen erklärte mehrfach, dass sich die parlamentarischen Prozesse verzögert hätten. Ende 2025 sei noch immer keine endgültige Zustimmung erfolgt gewesen. Parallel dazu belastete der starke Preisverfall bei Lithium den gesamten Markt.
Die Lithiumpreise waren nach dem Boom der Vorjahre zeitweise um mehr als 80 % eingebrochen. Viele Entwickler und Produzenten reduzierten Investitionen oder verschoben Projekte. Atlantic Lithium reagierte darauf mit Sparmaßnahmen und neuen Finanzierungsvereinbarungen. Unter anderem schloss das Unternehmen 2025 eine Finanzierungslösung mit Long State Investments ab. Damit wollte sich Atlantic Lithium zusätzlichen finanziellen Spielraum für die Weiterentwicklung von Ewoyaa sichern.
Für Huayou könnte die Übernahme strategisch eine wichtige Rolle spielen. Das Unternehmen zählt zu den bedeutenden Akteuren im globalen Batterie- und Rohstoffmarkt und ist bereits in mehreren afrikanischen Rohstoffprojekten aktiv. Huayou verarbeitet unter anderem Lithium, Nickel und Kobalt für die Batterie-Industrie und verfüge laut Atlantic Lithium über eine Marktkapitalisierung von rund 18,45 Milliarden US-Dollar. Bereits 2022 übernahm Huayou das Arcadia-Lithium-Projekt in Simbabwe für rund 422 Millionen US-Dollar. Dort wurde die Lithiumsulfat-Produktion laut Unternehmen Anfang 2026 in Betrieb genommen. Huayou-Präsident Chen Hongliang erklärte, Ewoyaa ergänze die bestehenden Batterie-Metall-Aktivitäten des Konzerns in Afrika ideal. Das Unternehmen wolle gemeinsam mit der ghanaischen Regierung die Entwicklung des Projekts vorantreiben. Die geplante Übernahme verdeutlicht zugleich, dass chinesische Rohstoffkonzerne trotz der aktuell schwachen Lithiumpreise weiterhin langfristig auf strategische Rohstoffsicherung setzen. Besonders Projekte mit niedrigen Produktionskosten und vorhandener Infrastruktur gelten weiterhin als attraktiv.
Rückhalt erhält die Transaktion vom größten Atlantic-Lithium-Aktionär Assore International Holdings. Das Unternehmen halte rund 26,4 % der Aktien und habe laut Atlantic Lithium signalisiert, der Übernahme zustimmen zu wollen, sofern kein besseres Angebot vorgelegt werde. Auch die Directors von Atlantic Lithium kündigten an, ihre eigenen Aktien für die Transaktion einsetzen zu wollen. Zusammen kontrolliere das Management rund 1,8 % der ausstehenden Aktien. Die Aktionäre sollen voraussichtlich im November 2026 über die Übernahme abstimmen. Sofern sämtliche regulatorischen Bedingungen erfüllt würden, könnte die Transaktion laut Unternehmen im Dezember 2026 abgeschlossen werden.
Mit der geplanten Übernahme könnte die eigenständige Geschichte von Atlantic Lithium enden. Gleichzeitig würde Huayou dem Projekt jene finanzielle und industrielle Stärke zuführen, die für die Umsetzung von Ewoyaa zuletzt fehlte. Für Ghana bleibt das Projekt von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Das Land verfolgt seit Jahren das Ziel, sich als wichtiger Standort für Batterierohstoffe und die globale Elektroauto-Lieferkette zu etablieren. Das Management von Atlantic Lithium erklärte mehrfach, Ewoyaa könne Ghana langfristig als bedeutenden Lithium-Standort in Afrika positionieren. Unter Führung von Huayou könnte dieses Ziel nun deutlich schneller erreicht werden.
Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.